München - Picke? Pike? Piecke? Wie schreibt man das Wort des 13. Spieltags denn nun richtig? bundesliga.de verrät's - und erzählt außerdem von Klopps Notnagel, lästigen Leverkusenern, Frankfurts Flüchen und lernunfähigen Schalkern.

Pi | cke, die

Spitzhacke; Fußball: Fußspitze

So beschreibt der Duden das Wort des Spieltags, das wohl an kaum einem Wochenende der Liga-Geschichte so häufig gebraucht wurde. Ob Redaktionen, Fans oder Spieler: Die schlichte und zugleich hinreißende Art von Mario Götzes Dosenöffner-Tor in Dortmund sorgte nicht nur ob seiner Bedeutung für die beiden Top-Clubs und den schweigsamen Wunderspieler für Aufsehen - die Schreibweise wurde mindestens so kontrovers diskutiert. Oft las man von der Pike. Das wiederum weist der Duden als "Spieß des Fußvolkes im späten Mittelalter" aus. "Von der Pike auf lernen" geht darauf zurück, dass gemeine Soldaten ihre ersten Waffenübungen mit ebenjener Pike beginnen. Richtig also in dem Sinn nur, dass der komplette Fußballer Götze auch diesen Teil seiner Ausbildung in Dortmund nicht vernachlässigte. Oder wie wäre es mit Piecke? Phonetisch zwar nah dran an der korrekten Version, doch ohne Eintrag im Duden. Auf der sicheren Seite darf man sich indes mit dem bayerischen "Bauernspitz" sehen. Der gebürtige Memminger Götze dürfte diesen kennen. Ein Pieks ins Dortmunder Herz war seine Aktion allemal, auch wenn diese alles andere als pikiert reagierten. "Mario ist ein cooler Hund", sagte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke (Reaktionen). Und Torwart Roman Weidenfeller forderte von seinen glücklosen Angreifern, den Ball wie der "clevere" Götze "auch mal mit der Picke einfach reinzuhauen" (Interview). Zum Glück für ihn musste Weidenfeller dieses Zitat aber nicht verschriftlichen. Und, auch interessant: der oder das Piqué bezeichnet nicht nur einen Innenverteidiger aus Barcelona, sondern auch den Reinheitsgrad eines Diamanten. Dass dieser bei Götze kristallklar ist, hat er ausgerechnet im pikanten Topspiel erneut bewiesen. (XL-Galerie: Götze im Fokus)

Not | na | gel, der

Jemand, etwas, mit dem man (aufgrund einer Notlage anstelle eines anderen, eigentlich für eine bestimmte Tätigkeit o. Ä. Vorgesehenen) vorliebnimmt

"Vorgesehen" waren die verletzten Mats Hummels, Neven Subotic, Marcel Schmelzer und Lukasz Piszczek. Daher die "Notlage". Doch Jürgen Klopp "nahm Vorlieb" mit seinem ehemaligen Mainzer Schützling Manuel Friedrich (Foto, © Imago). "Die Geschichte kannst du eigentlich keinem erzählen. Die glaubt dir sowieso niemand", sagte der 34-Jährige nach der Partie. Bis vor kurzem hielt er sich noch als ausgemusterter Arbeitsloser bei Regionalligist Rot-Weiß Oberhausen fit, bis der Anruf des BVB-Trainers kam. Sein Pflichtspieldebüt für die Borussia im Top-Duell gegen den FCB verlief durchwachsen, auch wenn Klopp eine "Superleistung" sah: In der Luft war er in der Tat kaum zu bezwingen, im Passspiel und bei Laufduellen war ihm der Vorruhestand jedoch deutlich anzumerken. An der Niederlage traf ihn jedoch keine Schuld. "Mir tut es nur unendlich leid, dass ich nicht mehr helfen konnte." Gegen Neapel muss sich Klopp allerdings einen neuen Nagel suchen - Friedrich ist nicht spielberechtigt.

läs | tig

Jemanden in [aufdringlich] unangenehmer Weise beanspruchend, störend, ihn in seinem Tun oder seinen Lebensgewohnheiten behindernd; sehr unangenehm

Dortmund scheiterte an den Bayern - jetzt ist Leverkusen, das dem FCB bereits ein Remis abtrotzte, die neue Nummer 2, bleibt dank des abgezockten 1:0-Sieges bei Aufsteiger Hertha BSC (Foto, © Imago) bis auf vier Punkte dran. "Wir sehen das realistisch", bremst Sportdirektor Rudi Völler:"Dortmund hat halt derzeit ein paar Verletzungsprobleme, aber sie standen nicht zu Unrecht im Champions-League-Finale." Und: "Wir versuchen, Bayern und Dortmund ein bisschen lästig zu sein. Das sind wir bis jetzt." () Tatsächlich: Leverkusen feierte erstmals seit zwölf Jahren wieder zehn Siege nach 13 Spieltagen, eine Bilanz, die der Bezeichnung "Spitzenmannschaft" würdig ist. Die lästige Fliege Bayer hat einen der Riesen bereits überflügelt. "Aufdringlich unangenehm" wäre es wohl für die beiden Giganten durchaus, sollte Bayer weiter so punkten.

Fluch, der

Strafe, Unheil, Verderben [das durch eine böse Verwünschung oder einen Wunsch, dass jemandem ein Unheil widerfahren soll, bedingt ist]

Das "Unheil": In sechs der letzten sieben Spiele verlor Frankfurt einen oder mehrere Punkte durch Gegentore in der Schlussphase. Einzig bei der klaren Niederlage in Gladbach (1:4) blieb man davon verschont. Gegen Schalke war diesmal Benedikt Höwedes der Fluchvollstrecker. "Das ist brutal für den Kopf", meinte Johannes Flum, der mit einem Treffer und einem Eigentor eine persönliche Achterbahnfahrt erlebte. Und sich ganz nebenbei noch in einen ganz anderen Fluch einreihte: Historisch unterliefen keinem Bundesliga-Team so viele Eigentore wie der Eintracht - 52 Stück. Nur wer den Frankfurtern ständig die Flüche auf den Hals hetzt, bleibt ein Rätsel.

Lern | ef | fekt, der

In Lernen bestehende bezweckte oder auch nicht bezweckte [überraschende, beeindruckende] Wirkung, Auswirkung

Bezweckt oder unbezweckt: Ebenjener Lerneffekt bleibt bei Jens Kellers Schalkern aus, schon zum dritten Mal in dieser Saison gab Schalke 04 eine Führung aus der Hand, zum zweiten Mal sogar eine Zwei-Tore-Führung. Gegen Hamburg, in Hoffenheim und jetzt in Frankfurt () hieß es am Ende jeweils 3:3. "Es hat den Anschein, dass wir aus den Erfahrungen in Hoffenheim nichts gelernt haben", sagte ein ratloser Coach Keller (Foto, © Imago). Dass dies einem Team, das in der Champions Leauge kurz vor dem Achtelfinale steht, immer wieder passiert - ist "überraschend". Sportchef Horst Heldt ging sogar noch weiter und bemühte eine andere pädagogische Allegorie: "Es hat heute Phasen gegeben, da würde man in der Schule sagen: Setzen! Fünf!"


Christoph Gschoßmann