München - In der Nacht von Sonntag auf Montag wurden in Los Angeles wieder die altbekannten Oscars verliehen. Doch auch am 23. Spieltag der Bundesliga legten einige Akteure filmreife Auftritte hin, die Auszeichnungen verdient haben...

Nicht auflegen!

In der Kategorie "Bester Film" sahnte "Nicht auflegen!" einen Oscar ab. Der Film dreht sich um den talentierten Augsburger Fußballer Andre Hahn, der gelernter Autolackierer ist und dessen Start in die Fußball-Karriere zunächst holprig verläuft (). Nach dessen Wechsel aus der 3. Liga von Kickers Offenbach zum FC Augsburg startet der 23-Jährige hingegen richtig durch und macht mit einer starken Leistung nach der anderen auf sich aufmerksam, bis er einen Anruf von Hansi Flick erhält, seines Zeichens Co-Trainer von Joachim Löw bei der deutschen Nationalmannschaft. "Ich war völlig perplex, habe gezittert", so Hahn. "Im ersten Moment dachte ich, ich werde verarscht. Erst als dann der Anruf von unserem Trainer und von Manager Stefan Reuter kam, die das bestätigt und mir gratuliert haben, habe ich es wirklich geglaubt." Tatsächlich ist Flick weit davon entfernt, den jungen Hahn auf den Arm zu nehmen. Ganz im Gegenteil, für den Senkrechtstarter erfüllt sich mit der Nominierung für die DFB-Elf ein Traum.

Jungs bleiben Jungs

Der Streifen "Jungs bleiben Jungs" machte in der Kategorie "Bester Nebendarsteller" das Rennen. Die Geschichte handelt von elf jungen königsblauen Fußballern des FC Schalke 04, die es voller Euphorie, Hoffnung und Tatendrang innerhalb von vier Tagen mit zwei übermächtigen Widersachern aufnehmen und zwei Mal vernichtende Niederlagen einstecken müssen. Auf die 1:6-Abreibung gegen Real Madrid folgt die 1:5-Klatsche gegen den FC Bayern. "Das war hochgradig peinlich. Wir haben mit viel zu viel Respekt gespielt, und vielleicht sogar auch mit ein bisschen Angst", gesteht Kapitän und Anführer Benedikt Höwedes im zu. Torhüter Ralf Fährmann ergänzt: "Wenn du die Zweikämpfe nicht annimmst, dem Gegner nicht zeigst, dass du auf dem Platz bist, kannst du nichts erreichen. Wir müssen einfach mehr wie Männer werden." Vorerst bleiben die Schalker aber noch zarte Jungs, die sich gegen harte Kerle nicht behaupten können.

Es ist ein Elch entsprungen

Der Oscar in der Kategorie "Bestes Kostümdesign" ging an den Film "Es ist ein Elch entsprungen". Die Komödie hat eine furios aufspielende Hoffenheimer Mannschaft zum Thema, die beim 6:2 gegen den VfL Wolfsburg wieder einmal Spektakel zeigt. Beim vierten Tor der Kraichgauer ist die Freude tierisch groß, so dass das 1899-Maskottchen "Hoffi" beim Jubeln hinfällt und seinen Kopf verliert. Halb so wild, Roberto Firmino hilft dem gestrauchelten, kopflosen Elch wieder auf die Beine und die Partie geht weiter. Auch nach dem Anschlusstreffer der Wölfe verliert Hoffenheim nicht die Ruhe und legt sogar noch zwei Tore nach. Herausragend agiert Anthony Modeste, der mit zwei Toren und einer Vorlage das Vertrauen von Trainer Markus Gisdol zurückzahlt, der den Franzosen zum ersten Mal seit drei Monaten wieder von Anfang an bringt. "Es ist für uns außergewöhnlich, einen solch guten Gegner so zu schlagen. Es war eine tolle Leistung von uns", findet Gisdol.

Kurzer Prozess

Als "Bester Hauptdarsteller" wurde Arjen Robben ausgezeichnet, der spielt. Der Niederländer vom FC Bayern macht mit hoffnungslos überforderten Schalkern kurzen Prozess, indem er vor Spielfreude nur so strotzt, seinen Gegenspieler Sead Kolasinac ein ums andere Mal in die Wüste schickt und einen Dreierpack zum 5:1-Sieg der Münchner beisteuert. "Es war eine der besten Halbzeiten, die ich je erlebt habe, seitdem ich bei Bayern bin. Mit so viel Tempo, so viel Aggressivität. Schalke ist gar nicht ins Spiel gekommen. In der ersten Halbzeit haben wir sie überlaufen", konstatierte Robben, der in dieser Form weder bei den Bayern noch in der niederländischen Nationalmannschaft zu ersetzen ist. "Um gut Fußball spielen zu können, musst du frei sein im Kopf. Das bin ich wieder. Und ich spüre bei uns im Verein sehr viel Vertrauen", sagte der 30-Jährige der "Welt am Sonntag". Vertrauen, das nun mit dem ersten individuellen - wenn auch inoffizellen - Preis der Saison belohnt wurde.

David Schmidt