Stuttgart -Hertha BSC spielte in Stuttgart, wie ihr Trainer früher: Voller Einsatz sicherten sich die Berliner einen wichtigen Punkt im Abstiegskampf (Spielbericht). Offensiv aber ging nicht viel zusammen. Pal Dardai war am Ende dennoch zufrieden.

Kampf, Biss und vollen Einsatz – das hat Pal Dardai als aktiver Spieler in 268 Bundesliga-Partien mit seiner geliebten Hertha vorgelebt. In der 79. Minute der Partie am Freitagabend beim VfB Stuttgart wäre dem jetzigen Coach der Berliner aber sicher auch ein Schuss Filigranität lieb gewesen. Der emsige Salomon Kalou hatte bei einem Konter die Vorarbeit geleistet und Nico Schulz, in der Halbzeit eingewechselt und in der 90. Minute mit Gelb-Rot vom Platz gestellt, das Stuttgarter Tor nur um Haaresbreite verpasst. So blieb es beim torlosen Remis, das den Hauptstädtern aber dennoch wie ein Sieg vorkommen muss. Der Abstand zum schwäbischen Tabellenletzten wurde gewahrt – immerhin.

Nicht schön, aber zufriedenstellend

Deshalb wundert es auch wenig, dass Dardai nach der Partie hochzufrieden wirkte. "Es war sicher kein schönes Spiel für die Zuschauer. Aber wir haben guten Einsatz gezeigt und sind mit einem Punkt zufrieden", analysierte der Ungar. Die Berliner dürfen das auch sein, denn die wichtigste Erkenntnis der 90 Minuten von Stuttgart war: Die Berliner sind sich ihrer prekären Lage in der Liga bewusst und haben den Existenzkampf verinnerlicht. Grundtugenden wie Mut, Leidenschaft und Selbstbewusstsein wurden an den Tag gelegt.

Schön anzusehen war das Spiel der Berliner tatsächlich nicht. Nach vorne ging gegen den verunsicherten VfB so gut wie nichts zusammen. Es sei immer schwer gegen elf Verteidiger zu spielen, sagte der Stuttgarter Robin Dutt im Anschluss und Unrecht hatte er damit nicht. Dardai hatte sich entschieden auf zwei defensive Viererketten zu setzen und ein engmaschiges Netz zu errichten. Darin verfingen sich die Stuttgarter immer wieder und hatten kaum einen konstruktiven Angriff auf der Habenseite. Von großen Torchancen ganz zu schweigen.

"Unsere beiden Viererketten haben sehr gut funktioniert und wir haben defensiv sehr gut gearbeitet", so Dardai. "Natürlich hatten wir noch Probleme beim Umschalten in den Angriff, aber die Disziplin stimmte immer." Alle taktischen Maßnahmen des Trainer-Duos Dardai und Rainer Widmayer, ein ehemaliger Stuttgarter, fruchteten allerdings nicht. Die Hereinnahme des Holländers John Heitinga als defensiven Mittelfeldspieler neben Kapitän Fabian Lustenberger erwies sich als klassischer Fehlgriff. Gerade einmal 22 (!) Sekunden waren gespielt, als Heitinga gegen Timo Werner den Ellbogen ausfuhr und völlig zu Recht die Gelbe Karte sah. In der Folge agierte Heitinga  nervös und fehlerhaft – Dardai nahm ihn zur Pause raus.

Hoffnungsschimmer Cigerci - Problem Kraft

Es ist also noch nicht alles Gold in Berlin. Mit dem 0:0 wurde ein Befreiungsschlag im Abstiegskampf verpasst, vor allem spielerisch weist die "Alte Dame" noch große Defizite auf. Der Brasilianer Ronny könnte diesbezüglich eine Lösung sein, der feine Techniker mit konditionellen Defiziten stand in Stuttgart aber nicht einmal im Kader. So fehlte im Mittelfeld das kreative Element, zündende Ideen? Mangelware! Immerhin feierte Tolga Cigerci nach langer Pause sein Comeback, ein Hoffnungsschimmer.

Und Dardai hat noch ein Problem. Torwart Thomas Kraft musste nach einem bösen Zusammenprall mit Stuttgarts Georg Niedermeier mit Gehirnerschütterung vom Platz und wird sicher einige Tage fehlen. Für Kraft kam Sascha Burchert, der in den letzten Minuten die Null absicherte. Ein Punkt also – dessen Wichtigkeit wird sich in den nächsten Wochen zeigen.

Aus Stuttgart berichtet Jens Fischer