Die "divina commedia” (göttliche Komödie) gilt als bedeutendste Dichtung der italienischen Literatur. In ihr erzählt Dante Alighieri in der Ich-Form von seiner Reise durch die drei Reiche der jenseitigen Welt - Hölle, Fegefeuer und Paradies.

Nun ist wenig bekannt über die schriftstellerischen Talente des Dante Bonfim. Doch ein knappes Jahr nach seinem Wechsel zur Borussia könnte der Gladbacher Verteidiger ein ähnliches Werk verfassen - wenn auch mit irdischem Handlungsstrang.

Zunächst keine Hilfe im Abstiegskampf

Der Brasilianer war in der vergangenen Winterpause gemeinsam mit Logan Bailly, Tomas Galasek und Paul Stalteri zur Borussia gestoßen, die nach katastrophaler Hinrunde beinahe schon abgeschrieben war. Die Neuzugänge sollten dem Team neues Leben einhauchen, um den Klassenerhalt doch noch zu bewerkstelligen.

Dante wechselte mit der Empfehlung eines belgischen Meisters von Standard Lüttich an den Niederrhein und stürzte sich voller Tatendrang ins Trainingslager. Doch kaum hatte er einige Einheiten bei den "Fohlen” absolviert, begann auch schon die Neuauflage des Klassikers. Dantes neue "Hölle” bestand zwar nur aus einem Muskelfaserriss mit anschließendem Reha-Training, doch die Leidenszeit des Gladbacher Hoffnungsträgers nahm ähnliche Ausmaße an wie die seines berühmten Namensgebers.

Wochenlang quälte sich der Abwehrrecke, schuftete für sein Debüt - und musste immer neue Rückschläge verkraften. Dem vom damaligen Cheftrainer Hans Meyer als "wichtigster Einkauf " bezeichneten Verteidiger blieb nichts als tatenlos zuzusehen, wie sich seine Mannschaftskameraden im Abstiegskampf aufrieben und das rettende Ufer immer mehr aus den Augen verloren.

Wenig Rückhalt durch "Bruder Leichtfuß"

Geschlagene acht Spieltage später feierte Dante seinen Einstand, als er im Spiel gegen den VfL Bochum eingewechselt wurde. Obwohl auch er die 0:1-Niederlage nicht verhindern konnte, war Dante der persönlichen "Hölle” entflohen - denn von nun an sollte es aufwärts gehen. Seine neue Mission: Dem "Fegefeuer” des Abstiegskampfes zu entrinnen und die Borussia zum Klassenerhalt zu führen.

Doch die Nachwirkungen der langen Verletzungspause waren nicht zu übersehen: In den ersten Partien wirkte Dante alles andere als der gewünschte Stabilisator in Gladbachs Hintermannschaft. "Bruder Leichtfuß” titelte die Presse, die Zuschauer murrten bei seinen Fehlpässen, und die Borussia trat im Abstiegskampf weiter auf der Stelle.

Retter in höchster Not

Erst als die Saison auf die Zielgerade einbog und es für die "Fohlen” immer kritischer wurde, kam Dante besser in Tritt - gerade noch rechtzeitig. Hinten organisierte er zusammen mit Roel Brouwers die Innenverteidigung, vorne erzielte er wichtige Tore. Den vorentscheidenden Treffer, der die Borussia auf einen Nicht-Abstiegsplatz hievte, gelang Dante in Cottbus, als er in der Nachspielzeit den 1:0-Siegtreffer köpfte.

Die Meyer-Elf rettete sich endgültig am letzten Spieltag mit einem 1:1 gegen Dortmund - dank des nächsten Dante-Kopfballtores. Der Mann mit der wilden Mähne war letztlich einer der Hauptgaranten, dass die Borussia das "Fegefeuer" Abstiegskampf unbeschadet überstand und der Bundesliga erhalten blieb.

Sammer gerät ins Schwärmen

Dass es auf dem Weg zum "Paradies” noch ein weiter Weg sein würde, musste Dante beim Saisonauftakt in Bochum feststellen, als er nach einer Notbremse vom Platz flog. Auch Gladbachs anfänglicher Lauf war nach vier Spieltagen dahin: Fünf Niederlagen in Serie, das Aus im DFB-Pokal gegen Zweitligist MSV Duisburg und die Sorge, erneut in den Abstiegsstrudel zu geraten, schlugen auf die Stimmung am Niederrhein.

Dennoch blieben die Verantwortlichen um Trainer Michael Frontzeck ruhig und redeten ihr Team stark - mit Erfolg. Die vergangenen fünf Partien überstand Gladbach ohne Niederlage und kassierte lediglich drei Gegentreffer. Neben Emporkömmling Marco Reus heimste Dante das größte Lob in der Borussen-Elf ein. Nach dem 1:0-Sieg gegen Schalke 04 am vergangenen Samstag kam sogar der sonst eher nüchterne DFB-Sportdirektor Matthias Sammer ins Schwärmen und attestierte dem 26-Jährigen eine "Weltklasseleistung”.

"DIe Selecao ist das Größte"

Hinten biss sich die Magath-Elf die Zähne an Dante aus, vorne leitete er den Siegtreffer mit einem 50-Meter-Pass auf Juan Arango, der die Viererkette der "Knappen” aushebelte, ein. Drei Wochen zuvor hatte er gegen den HSV beim überraschenden 3:2-Auswärtssieg noch persönlich für das zwischenzeitliche 2:2 gesorgt. Wie wertvoll der Verteidiger für Mönchengladbach ist, zeigt auch ein Blick in die Statistik: Mit seinem Zweikampfwert von 68,8 Prozent gehört Dante zu den Top-Ten-Spielern in der Bundesliga.

"Es läuft richtig gut", strahlte er nach dem Sieg gegen Schalke. So gut, dass er mittlerweile sogar von der brasilianischen Nationalmannschaft träumt. "Die Selecao ist das Höchste, auch für mich", verriet er mit leuchtenden Augen. Im italienischen Klassiker steigt der Hauptdarsteller am Ende des Werkes aus dem irdischen ins himmlische Paradies. Wo der Garten Eden des Gladbachers liegt, konnte man in diesem Moment erahnen.

Johannes Fischer