Grenzenloser Jubel bei den Fans, gut gelaunte Spieler überall und ein völlig zufriedener Trainer: Beim Hamburger SV passt derzeit einfach alles zusammen.

Der HSV behauptete mit einem 3:1 gegen den VfB Stuttgart die Tabellenführung vor Bayer Leverkusen. So gut wie in dieser Saison sind die "Rothosen" zuletzt 1980/81 in die Saison gestartet - nur das Torverhältnis war vor gut 29 Jahren etwas schlechter. Damals gewannen die Hanseaten hinter dem FC Bayern die Vize-Meisterschaft.

"Den Ball flach halten"

Kapitän David Jarolim will einen Vergleich aber nicht anstellen. "Es wird viel über die Meisterschaft geredet. Aber wir wollen den Ball flach halten und einfach in Ruhe weiter arbeiten. Die Kunst ist es, die gute Leistung Spieltag für Spieltag zu bestätigen. Und das ist unser Ziel", sagte der Tscheche nach dem Spiel zu bundesliga.de.

Auch seine Teamkollegen zeigen sich beim Manövrieren um die oft gestellte Meister-Frage ähnlich wie auf dem Platz in bestechender Form.

"Wir müssen auf dem Boden bleiben. Viele Sachen waren gut, aber es gab gegen Stuttgart auch einige Dinge, die wir noch korrigieren müssen. Wir sind aber auf einem guten Weg und wenn wir so weitermachen, dann ist in dieser Saison was drin", erklärte Mladen Petric, der mit einem sehenswerten Distanzschuss die Führung der Hausherren erzielte.

13 Mal kein Zu-Null-Spiel

Torwart Frank Rost analysierte die Partie und die Tabellensituation mit gewohnt klarem Blick: "Wir haben es nach dem 2:0 wieder einmal locker angehen lassen. Aber so etwas wird bestraft und schwupps ist der Ball drin. Wenn wir das abstellen, dann sind wir zuhause eine Macht. Und dann spielen wir sicherlich eine gute Saison."

Doch erneut kassierten die Hamburger ein Gegentor. Seit 13 Partien warten sie nun saisonübergreifend auf ein Zu-Null-Spiel. Dieses Manko wird von den Spielern und Verantwortlichen zwar registriert, aber nicht auf die Goldwaage gelegt. Im Gegenteil. "Das Gegentor war absolut unnötig. Aber wenn man zwei oder drei Tore schießt, dann ist das schöner, als nur 1:0 zu gewinnen", verdeutlichte Jarolim die Freude am Offensiv-Spektakel.

Labbadia voll des Lobes

Trainer Bruno Labbadia kehrte den Gegentreffer ebenfalls in positive Energie um: "Die Mannschaft hat dann gezeigt, dass sie sich nicht aus der Ruhe bringen lässt und hat konzentriert weiter nach vorne gespielt. Für dieses Auftreten haben sich die Spieler am Ende belohnt."

Die Meister-Frage wollte er so direkt aber auch nicht beantworten. "Wir können stolz sein auf den sehr guten Saisonstart, gleichwohl gilt es jetzt, diese Leistungen zu bestätigen und konzentriert weiter zu arbeiten", so Labbadia.

Aus Hamburg berichtet Michael Reis