Leverkusen - Bayer 04 Leverkusen hat bereits am vorletzten Spieltag die Qualifikation für die Europa League unter Dach und Fach gebracht. Damit konnten die Rheinländer, die insgesamt eine eher durchwachsene Saison gespielt haben, mit ihren Fans schon vor dem letzten Spiel in Nürnberg einen versöhnlichen Abschluss feiern.

Im Interview mit bundesliga.de zieht Bayer-Keeper Bernd Leno Bilanz über eine turbulenten Spielzeit und spricht über den Abschied von großen Spielerpersönlichkeiten und seine ganz persönlichen Highlights.

bundesliga.de: Herr Leno, Bayer Leverkusen hat seit dem die Qualifikation zur Europa League jetzt endgültig sicher. Wie groß ist die Erleichterung?

Bernd Leno: Man ist schon extrem erleichtert. Wir hatten eine schwierige Saison mit schweren Spielen. Die letzten beiden Spiele waren auch hart umkämpft. Es waren ganz knappe Partien, in denen klar war, dass die Mannschaft, die das erste Tor schießen würde, das Spiel auch gewinnen würde. Die Erleichterung ist jetzt groß. Es war ein versöhnliches Ende. Jetzt wollen wir auch noch das letzte Spiel in Nürnberg gewinnen, um den 5. Platz zu festigen.

bundesliga.de: Wie gut können Sie mit diesem 5. Platz, wenn er denn am Ende erreicht werden sollte, leben?

Leno: Wenn man die ganze Saison sieht, ist der Platz okay. Wir hatten Phasen, in denen wir vier oder fünf Spiele hintereinander verloren haben. Wir hatten einige Rückschläge. Dann muss man letztendlich mit diesem 5. Platz zufrieden sein. Natürlich wollten wir zu Beginn der Saison mehr. Zwischenzeitlich sah es ja auch einmal ganz gut aus. Aber wegen der genannten Gründe war letztlich nicht mehr drin.

bundesliga.de: Abgesehen von einer Viertelstunde gegen Hertha hat die Defensive in den letzten Wochen gut gestanden. War das der Schlüssel zum Erfolg?

Leno: Definitiv. Gegen Hoffenheim und Hannover haben wir nicht so viel zugelassen. In der Defensivarbeit haben wir einen großen Schritt nach vorne gemacht. Wir sind nicht mehr so konteranfällig und lassen nur wenig zu. Deshalb haben wir in den letzten Wochen auch weniger Gegentore bekommen. Das ist ein wichtiger Aspekt.

bundesliga.de: Das neue Trainergespann hat sich mit elf Punkten aus fünf niederlagenlosen Spielen für weitere Aufgaben empfohlen. Würden Sie es begrüßen wenn Sami Hyypia und Sascha Lewandowski auch in der kommenden Saison in Leverkusen auf der Bank sitzen würden?

Leno: Ja. Man sieht, dass alle gut miteinander auskommen. Die Mannschaft steht voll hinter dem Trainerteam. Sami Hyypiä ist eine Riesenpersönlichkeit, und Sascha Lewandowski verfügt über ein großes Fachwissen. An den Ergebnissen sieht man, dass beide zusammen einen Riesenjob machen. Wir haben kein Spiel verloren. Die Mannschaft hätte nichts dagegen, wenn sie weitermachen würden. Aber das entscheiden nicht wir Spieler.

bundesliga.de: Beim letzten Heimspiel gegen Hannover wurden mit Michael Ballack und Rene Adler zwei verdiente Spieler verabschiedet. Es war ein Tag der Emotionen. Wie haben Sie ihn erlebt?

Leno: Für mich war es auch ein Gänsehauterlebnis. Wenn man sieht, wie die Zuschauer die beiden verabschiedet haben, war das schon geil. Sie haben honoriert, was Michael in seiner Karriere hier, bei den Bayern und bei Chelsea geleistet hat. Und Rene war so ein bisschen das Spiegelbild von Bayer Leverkusen. Er hat über Jahre großartige Leistungen vollbracht. Das war nicht nur für die beiden ein emotionaler Moment, sondern auch für uns. Es sind zwei sehr große Spieler, die den Verein jetzt verlassen.

bundesliga.de: Wie war Ihr Verhältnis zu Ihrem direkten Konkurrenten Adler?

Leno: Erstaunlich gut. Ich hatte schon andere Konkurrenten, mit denen ich nicht so gut ausgekommen bin. Menschlich hatte ich immer ein gutes Verhältnis zu ihm. Auf dem Platz hatten wir zusammen Spaß. So macht das auch viel mehr Bock.

bundesliga.de: Müssen Sie sich noch manchmal kneifen, wenn Sie auf die Saison zurückblicken, die für Sie persönlich als einen der Aufsteiger des Jahres ziemlich verrückt gelaufen ist?

Leno: Nein, kneifen muss ich mich nicht. Aber in der Sommerpause werde ich wohl erst endgültig realisieren, was alles passiert ist. Mein Leben wurde auf den Kopf gestellt. Ich bin von null auf hundert, von der 3. Liga bis Barcelona durchgestartet. Es ist schon ein Traum, dass das alles so schnell ging und dass es so gut gelaufen ist. Ich bin aber noch nicht am Ende meines Weges. Ich habe noch viel Potenzial. Deswegen genieße ich den Moment und kann stolz darauf sein. Aber mehr auch nicht.

bundesliga.de: Was waren die Highlights in dieser Saison?

Leno: Da gab es mehrere. Mein erstes Bundesliga-Spiel gegen Werder Bremen war etwas Besonderes. Eine Woche später war dann gleich das Spiel bei meinem Ex-Verein in Stuttgart, wo ich mich auf einmal in der Gästekabine wiederfand. Dann das erste Champions-League-Spiel bei Chelsea, das Rückspiel, das wir in letzter Minute gewonnen haben. Und auch die beiden Spiele gegen Barcelona waren trotz der 1:7-Niederlage im Rückspiel Highlights. Auch wenn wir da untergegangen sind, haben wir alle und ich persönlich sehr viel gelernt. Und auch mit solchen Niederlagen muss man umgehen können. Jeder Torwart macht das einmal durch, dass er die Bude vollgehauen bekommt. Erst war es sehr traurig, heute kann ich darüber lachen - wenn auch nur etwas gequält.

bundesliga.de: Und einem Lionel Messi, der Ihnen dabei fünf Tore einnetzte, können Sie jetzt nicht mehr zuschauen?

Leno: Doch, dem kann ich auf alle Fälle noch zugucken. Ich hasse ihn ja nicht, sondern bewundere ihn. Was er mit uns und mit mir gemacht hat, das war die ganz hohe Kunst.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski