Hamburg - Der FC St. Pauli ist bereit für das Derby gegen Hamburg (Mi., ab 18:15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio). Nach dem 3:1 im Abstiegs-Duell über Borussia Mönchengladbach bleibt der "Kiez-Club" in der Rückrunde ungeschlagen. "Die Mannschaft hat da aufgehört, wo sie gegen Hoffenheim und Köln aufgehört hat", freute sich Trainer Holger Stanislawski über "eine dominante Leistung" seiner Mannschaft.

Einen Kritikpunkt nach dem Spiel fand der Coach aber doch noch: "Was mich ärgert ist, dass wir wieder zu viele Chancen liegengelassen haben." Dabei haben die "Braun-Weißen" in jedem Rückrundenspiel mindestens zwei Mal getroffen.

In der gesamten Vorrunde hatten die "Kiezkicker" gerade mal 16 Tore erzielt - nicht einmal eines pro Spiel. Am heimischen Millerntor schlug es bei den Rivalen vom Rhein, Köln und Mönchengladbach, zuletzt je drei Mal ein.

Asamoah: "Das macht Mut"

Zwei Siege in zwei Heimspielen, so viele wie in der gesamten Vorrunde. Das Millerntor scheint endlich wieder zu der Festung zu werden.

"Wir haben uns in die Partie reingekämpft und dann guten Fußball gespielt. Das war ein richtiges Millerntorspiel, so wie wir es kennen", beobachtete Sportdirektor Helmut Schulte. "Das war in der Vorrunde nur rudimentär vorhanden."

"Das macht Mut", erklärte Gerald Asamoah auf Nachfrage von bundesliga.de, "aber natürlich sind wir weiter im Abstiegskampf. Wir müssen nachsetzen", so der Ex-Nationalspieler, der an acht der zehn Tore in der Rückrunde beteiligt war.

"Im Sommer hatte ich mich in der Vorbereitung verletzt, habe den Saisonauftakt verpasst. Außerdem darf man nicht vergessen, dass ich davor ein Jahr lang kaum gespielt habe, da war die Vorrunde eigentlich mehr zum Einspielen. Jetzt bin ich da, wo ich hinwollte und der Mannschaft helfen kann."

Alles ruhig auf dem Kiez

Neben einem starken Asamoah und der Rückkehr zur alten Heimstärke "zahlt die Mannschaft das Vertrauen, das wir in sie gesetzt haben, nun zurück. Wir sind nie nervös geworden, wir wissen was wir können und sind auf fast jeder Position doppelt gut besetzt", betont Stanislawski.

Obwohl der Aufsteiger immer weiter Richtung Abstiegszone rutschte, je länger die Vorrunde dauerte, blieb es im Umfeld immer ruhig und es gab keine Neuverpflichtung in der Winterpause. Die bislang starke Rückrunde gibt den Verantwortlichen Recht.

Teamgeist "einzigartig"

Der Zusammenhalt in der Truppe stimmt offenbar. "Ich hätte mich am liebsten eingebuddelt", beschrieb Moritz Volz seine Gefühle nach seinem missglückten Rückpass auf Keeper Thomas Kessler, der zum 1:0 für Mönchengladbach führte.

"Der Rückhalt der Mannschaft nach dem Fehler war einzigartig", lobt der Außenverteidiger den Teamspirit. "Es macht Spaß hier zu spielen, und auch privat verstehen wir uns super", so der ehemalige England-Legionär. "Wir fahren jetzt mit zwei Siegen in Folge zum Derby. Den Schwung müssen wir mitnehmen", fordert der 28-Jährige.

"Da müsste mir schon ein Bein fehlen"

"Wir fahren selbstbewusst da hin", blickt auch Ralph Gunesch gegenüber bundesliga.de optimistisch nach vorn. "Natürlich ist es schön, dass wir mit einem Sieg im Rücken zum HSV fahren, aber das ist eigentlich egal. Das Derby hat seinen eigenen Charakter. Das ist wie ein Pokalspiel."

Und der FC St. Pauli ist heiß auf die Partie. Wie sehr, bringt es der Torschütze aus dem Hinspiel auf den Punkt, der nach einem Tritt von Thorben Marx verletzt ausgewechselt werden musste.

"Der Zeh ist gleich dick geworden", beschrieb Fabian Boll seine Verletzung. Ein Verzicht aufs Derby kommt für den 31-Jährigen aber auf keinen Fall in Frage: "Da müsste mir schon ein Bein fehlen..."

Jürgen Blöhs