Köln - Als Underdogs und krasse Außenseiter waren sie in die Saison gestartet und von den meisten Experten als sichere Abstiegskandidaten gehandelt worden. Fünf Spieltage vor Saisonende stehen die beiden Aufsteiger aus Darmstadt und Ingolstadt aber weiterhin deutlich über dem Strich. Jetzt treffen sie im direkten Duell aufeinander.

Die Fakten sind eindeutig. Sowohl Darmstadt 98 als auch der FC Ingolstadt 04 spielen eine fantastische Saison. Schon in der Hinrunde, die der FCI auf Platz 11 und die Hessen auf Rang 13 abschlossen, sorgte sie für Furore. Aber das haben in der Vergangenheit auch schon andere Aufsteiger getan. Im Vorjahr überwinterte etwa der SC Paderborn mit 19 Punkten auf Platz. Vor drei Jahren hatte Fortuna Düsseldorf sogar 21 Punkte gesammelt. Beide stiegen am Ende noch ab.

Darmstadt und Ingolstadt hingegen konnten ihre Philosophie dagegen bislang durchziehen. Die Schanzer sind die fünftbeste Rückrundenmannschaft, die seit fünf Spielen ungeschlagenen Lilien stehen in der Jahreswertung für 2016 auf Rang 11. Von Einbruch ist bei beiden weit und breit nichts zu sehen.

Während sich die von Dirk Schuster trainierten Hessen 29 Spieltage lang treu geblieben sind, hat Ingolstadts Spielidee eine stetige Weiterentwicklung erfahren. Anfangs noch auswärtsstark und heimschwach haben sich die Kräfteverhältnisse bei den Bayern komplett gedreht. Seit den drei 1:0-Auswärtserfolgen zum Saisonstart wartet der FCI seit elf Auswärtspartien auf einen Dreier. Zuhause dagegen sind die Schanzer inzwischen eine Macht, die in der Rückrunde 17 von 21 Punkten holten, ungeschlagen blieb und zuletzt nacheinander die Champions-League-Anwärter aus Schalke und Mönchengladbach geschlagen nach Hause schickte.

Hasenhüttl hat die Aufstiegsmannschaft weiterentwickelt

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Ingolstadt, das in der Hinrunde mit dem minimalistischen Aufwand von elf Toren 20 Punkte einfuhr, hat in der Rückrunde bereits 16 Treffer erzielt. "Vieles hat gegen Gladbach perfekt funktioniert", freute sich FCI-Trainer Ralph Hasenhüttl nach dem Coup gegen die Borussia. "Wir haben versucht, den Gegner zu pressen, haben darüber hinaus aber auch Fußball gespielt. Das ist die größte Entwicklung bei uns. Einen Gegner wie Gladbach so zu bespielen, ist unglaublich."

Hasenhüttl kommt bei der Weiterentwicklung seiner abwehrstarken Truppe (erst 31 Gegentore) zugute, dass er auf die eingespielte Aufstiegsmannschaft zurückgreifen kann, die nur punktuell verstärkt wurde. Ähnlich wie Darmstadt ist auch der FCI bei Standards immer gefährlich. "Da haben sie sehr viel Qualität", warnt Dirk Schuster. "Pascal Groß ist einer der besten Standardschützen in der Bundesliga. Ingolstadt steht völlig zu Recht auf Platz neun. Für uns ist es wichtig, weiter konzentriert zu arbeiten und uns sehr gut auf Ingolstadt vorzubereiten."

Schafft Darmstadt das dritte Fußballwunder in Folge?

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Während der Vorjahresmeister der 2. Bundesliga mit 39 Zählern auf dem Konto die nächste Bundesliga-Saison sicher planen kann, brauchen die Lilien noch ein paar Punkte. Gegen den Mitaufsteiger, gegen den das Hinspiel 1:3 verloren ging, will Darmstadt endlich den zweiten Heimsieg perfekt machen. Seit zehn Spielen hat der Aufsteiger im heimischen Böllenfalltor nicht mehr gewonnen und dabei nur vier Remis geholt. Auswärts dagegen trumpft 98 nach wie vor groß auf. 23 Punkte entführten die Hessen bereits aus fremden Stadien, mehr holten nur die Bayern, der BVB und Leverkusen.

Das Erfolgsrezept der Darmstädter ist bekannt, konnte aber nur von vier Auswärtsgegnern versalzen werden. Mit schnellen Kontern und brandgefährlichen Standards, die immer wieder Aytac Sulu (mit sieben Treffern der torgefährlichste Abwehrspieler der Bundesliga) erfolgreich abgeschlossen wurden, hat sich die Schuster-Elf vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz erkämpft. Die Chancen stehen gut, dass die Lilien nach dem Durchmarsch von der 3. Liga bis in die Bundesliga nun mit dem Klassenerhalt das dritte Fußballwunder nacheinander vollenden.

Tobias Gonscherowski