München - Für einen Augenblick schien Douglas Costa zu schweben. Mit einem Luftsprung zelebrierte er seine Torpremiere in seinem ersten Bundesligaspiel für den FC Bayern München. Aber nicht nur mit seinem Treffer zum 5:0-Endstand, sondern auch mit seiner Vorlage zu Thomas Müllers Kopfballtor sorgte Costa im Spiel gegen den Hamburger SV für die Glanzlichter.

Ein schneller Sprint, ein gewonnenes Eins-gegen-Eins-Duell und eine technisch perfekte Torvorlage mit dem linken Außenrist in Höhe der Grundline: In der Szene, die zum zwischenzeitlichen 3:0 führte, lieferte Costa eine feine Kostprobe seines Könnens ab. Auch Torschütze Müller war beeindruckt. "Das war eine Szene, in der man nicht mehr unbedingt mit so einer guten Flanke rechnet", gab er zu und schwärmte: "Er hat eine wahnsinnige Energie."

"Ein sehr mannschaftsdienlicher Spieler"

Bei seinem Bundesliga-Debüt sprühte Costa sichtlich vor Einsatzfreude. Von allen Bayern-Spielern bestritt der 24-Jährige die meisten Zweikämpfe und gewann für einen Offensivspieler gute 52 Prozent davon. Die vier geschlagenen Flanken waren ebenfalls ein Bestwert, die eine zu Müllers Tor zudem äußerst sehenswert. "Er ist ein sehr mannschaftsdienlicher Spieler und ich hoffe, dass er so weitermacht", sagte Müller.

Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge bremste hingegen nach Costas glänzendem Einstand ein wenig die Euphorie. "Ich bin immer ein bisschen vorsichtig", räumte Rummenigge ein. "In den ersten Spielen ist man immer besonders motiviert, aber das muss man dann immer wieder unter Beweis stellen." Das Potenzial, um bei den Bayern eine konstant gute Rolle zu spielen, bringt Costa auf jeden Fall mit.

Der Neuzugang, der im Sommer von Shakhtar Donetsk kam, bereichert das Spiel der Bayern in erster Linie mit seinem Tempo und seiner Vielseitigkeit. Gegen den HSV war er im ersten Durchgang noch auf dem linken Flügel unterwegs, in der zweiten Halbzeit auf dem rechten. "Ich fühle mich auf beiden Positionen wohl", sagte Costa, der aber vor allem nach der taktischen Umstellung aufblühte.

In Rekordzeit Fuß gefasst

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Im komplexen Spielsystem von Trainer Pep Guardiola hat der Flügelspieler in Rekordzeit Fuß gefasst. "Er kann gut interpretieren, wann er ins Dribbling geht und wann er passen muss", urteilte der Bayern-Coach über seinen Schützling. Und Costa ist genau die zusätzliche Kraft auf den Außenbahnen, die zum Ende der vergangenen Saison gefehlt hat, als Franck Ribery und Arjen Robben verletzt ausfielen. "Wir haben uns so verstärkt, dass wir Möglichkeiten haben", sagt Philipp Lahm. "Douglas ist ein super Spieler. Er ist leichtfüßig, kann ins Eins-gegen-Eins gehen und kommt meistens auch vorbei."

Fußballerisch ist Costa bereits voll angekommen bei den Bayern. Auch sonst ist der Neu-Bayer schon bestens integriert, obwohl es teilweise noch zu Verständigungsproblemen kommt, wie Lahm gesteht: "Mit der Kommunikation ist es nicht immer so einfach, aber wenn bei einem 'Servus' auch ein 'Servus' zurückkommt, ist das schon mal sehr positiv." Costa selbst fühlt sich bei den Münchnern jedenfalls bestens aufgehoben: "Mir gefällt es in Deutschland. Alle meine Mannschaftskollegen behandeln mich sehr gut, daher kann ich mich nicht beschweren."

Abseits des Feldes hat der zwölfte Brasilianer in Diensten des FC Bayern bislang ebenfalls einen sehr ordentlichen Eindruck hinterlassen. "Er ist anständig und zurückhaltend", beschreibt ihn Sport-Vorstand Matthias Sammer. "Die Schlitzohrigkeit, die er auf dem Platz hat, sieht man so nicht. Er ist ein sehr bescheidener, ruhiger junger Mann." Gerade diese Eigenschaften könnten in nächster Zeit von entscheidender Bedeutung sein. Das weiß auch Trainer Guardiola: "Er wird in den nächsten Tagen viel Lob bekommen. Wir müssen ihm helfen auf dem Boden zu bleiben." Abheben beim Torjubel ist natürlich weiterhin erlaubt.

Aus München berichtet Maximilian Lotz