München - Spontan erhoben sich die Zuschauer in der Allianz Arena. Sie feierten ihren neuen Liebling - dabei hatte Douglas Costa gerade weder ein Tor erzielt, noch eines vorbereitet. Stattdessen versetzte sein artistischer Schuss ans linke Lattenkreuz die Fans in Verzückung. Die Herzen der Anhänger hat der Brasilianer ohnehin im Sturm erobert.

Als Außenstürmer sorgt der 24-Jährige Woche für Woche vornehmlich auf dem linken Flügel mit nahezu jeder Ballaktion für die Highlights im Offensivspiel des FC Bayern München. So auch im Topspiel gegen Bayer 04 Leverkusen, als Costa mit seiner starken Vorarbeit zu Thomas Müllers Führungstreffer den Weg zum 3:0-Erfolg ebnete. Auch Costas Pendant auf dem rechten Flügel findet allmählich zu alter Stärke. Arjen Robben und Douglas Costa verwandeln die Außenbahnen im Spiel der Bayern in Beschleunigungsstreifen.

"Ich komme immer besser in meinen Rhythmus. Es war schon viel besser als letzte Woche in Hoffenheim. Ich bin zufrieden und bin auf dem Weg zurück", sagte Robben, der nicht nur Costas Lattenschuss nach starkem Sprint einleitete, sondern auch selbst vom Elfmeterpunkt zum 3:0-Endstand erfolgreich war. Als Sieg der Außenbahnspieler wollte der Niederländer den Erfolg jedoch nicht verstanden wissen. "Es war natürlich eine Teamleistung. Aber wir versuchen unser Spiel so zu gestalten, dass wir auf den Flügeln oder in der Mitte die Spieler freibekommen", erklärte Robben das Erfolgsrezept.

"Als Stürmer musst du hinterherkommen"

Besonders gut gelang die Umsetzung des Plans beim Führungstreffer. Xabi Alonso, der zusammen mit Aushilfs-Abwehrchef David Alaba ein sehr gut harmonierendes Innenverteidiger-Duo bildete, fand mit einem weiten Diagonalball den durchstartenden Costa. Der Rest war Formsache. "Douglas zieht oft am Gegenspieler vorbei und bringt dann scharfe Flanken in den Fünfmeterraum", sagte Doppelpacker Müller. "Als Stürmer musst du natürlich auch hinterherkommen und bereit sein."

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Wie schwer es als Verteidiger ist, mit diesem Tempo der Bayern Schritt zu halten, schilderte Costas Gegenspieler Roberto Hilbert: "Mir war schon vorher klar, dass der Junge bärenstark ist. Er ist sauschnell." Und Costas Unberechenbarkeit stellt die gegnerischen Abwehrreihen regelmäßig vor größte Herausforderungen. "Man weiß nie, wo er den Ball vorbeilegt. Das ist genauso wie bei Arjen Robben. Man weiß eigentlich, dass er immer auf seinen linken Fuß geht, aber man kann ihn einfach nicht immer stoppen", erklärte Hilbert.

Robben zweiter Sieger im Duell der Flügelflitzer

Die Hilflosigkeit andernorts dürfte bei den Bayern für gewisse Genugtuung sorgen. Mit der maximalen Punktausbeute von neun Zählern nach drei Spielen übernahm der Rekordmeister mindestens bis Sonntagnachmittag wieder die Tabellenführung. "Das ist schön, aber jetzt noch nicht wichtig, sondern erst am Ende", sagte Robben.

Im teaminternen Duell der Flügelflitzer gibt sich der 31-Jährige gegen Costa indes mit Platz zwei zufrieden. "Ich glaube, mit dem Ball ist er schneller", gestand Robben. "Es geht darum, dass du trotz dieser Geschwindigkeit auch etwas mit dem Ball machen kannst." Selbst im Vollsprint behält Costa den Ball meist bestens unter Kontrolle, beziehungsweise legt ihn sich mit nahezu perfekt berechnetem Tempo in den Lauf und vorbei an den Gegnern.

Kabinettstückchen "ein bisschen zweifelhaft"

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Besonderes Ballgefühl bewies Costa auch kurz vor Schluss, als er mit einem Hackentrick Gegenspieler Julian Brandt überlupfte. "Ich bin kein Brasilianer, sondern Katalane - ich habe nicht die Qualität, so etwas zu schaffen", sagte Trainer Pep Guardiola. Dennoch kann der Bayern-Coach gerne auf solche Kabinettstückchen verzichten. "Ich mag es lieber, wenn die Spieler im Mittelfeld mit ein, zwei Kontakten spielen."

Auch in Arjen Robbens Augen war Costas Kunststück "ein bisschen zweifelhaft". Das habe immer zwei Seiten, betonte Robben. "Das ist super für das Publikum. Es macht Spaß das anzuschauen. Aber man muss auch ein bisschen aufpassen. Es steht 3:0 und man muss den Gegner immer respektieren." Die Fans des FC Bayern feiern Costa schließlich auch, wenn er mal nur die Latte trifft.

Aus München berichtet Maximilian Lotz