Freiburg - Es liegt wieder Schnee in Freiburg, viel Schnee. Und selbstredend sind auch die Trainingsplätze dick verschneit - bis auf ein schmales Carrée, auf dem der Ball ungebremst rollen kann. Wie im Januar vergangenen Jahres, als Papiss Demba Cisse die erste Trainingseinheit mit dem neuen Team absolvierte - und schon nach wenigen Sekunden der Länge nach hinfiel.

"Alle lachten", berichtete er einmal der Stadionzeitung "Heimspiel", "aber es war kein Auslachen, wir haben uns zusammen amüsiert. Da war das Eis gleich am Anfang gebrochen," Akklimatisierungsschwierigkeiten hatte der damals 24-Jährige aber sowieso nicht. Cisse kam vom französischen Zweitligisten FC Metz. "Und die Mentalität in Lothringen ist fast so wie hier in Baden."

Noch heute sind sie stolz in Freiburg, dass dieser Topscorer, der in 15 Partien elf Treffer erzielte, ausgerechnet bei ihnen gelandet ist. Der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte ist gleichzeitig wohl der geglückteste. Der Senegalese trifft nach Belieben, er hat über die Hälfte der 20 Freiburger Saisontreffer erzielt - darunter gleich sieben bei den acht Spielen, die der SC Freiburg mit nur einem Tor Unterschied gewonnen haben.

Freiburgs erster echter "Knipser" seit Decheiver

Seit Harry Decheiver, der von November 1995 bis Juni 1997 in 41 Pflichtspielen 17 mal traf, hat der SC ja keinen "Knipser" mehr in seinen Reihen gehabt. Allenfalls Mo Idrissou, der zu Saisonbeginn nach Mönchengladbach transferiert wurde, hat in der vergangenen Saison das Prädikat "Torjäger" für sich beansprucht. Doch auch der Kameruner kam nur auf neun Saisontreffer - Cisse, der zur Halbserie geholt wurde, hatte mit seinen sechs Rückrundentreffern also schon in der vergangenen Saison die bessere Trefferquote.

Beim SC legen sie großen Wert darauf, dass sie schon lange vor der diesjährigen Sensations-Spielzeit gewusst haben, was sie an ihm haben. "Ich erinnere da nur einmal daran, dass wir, nachdem Papiss kam, Mo Idrissou nach links ins offensive Mittelfeld gezogen haben," sagt Manager Dirk Dufner, "Cisse sollte unsere einzige Spitze sei, wenn wir im 4-5-1 spielten." Das, so Dufner, sage doch alles über die Wertschätzung, die der Angreifer genieße.

Cisse will möglichst lange bleiben

Am vergangenen Samstag wurde Trainer Robin Dutt gefragt, ob er denn nicht einmal ein "richtig euphorisches Statement" über Cisse abgeben könne, schließlich habe der gegen den Hamburger SV ja schon wieder den Siegtreffer geschossen. Dutt hat sich geweigert, schließlich sei das eine Herabsetzung der anderen zehn Spieler, so der Übungsleiter, der sehr akribisch auf das Wohlbefinden des Kollektivs achtet. "Aber ich bin natürlich froh, dass wir solch einen handlungsschnellen Spieler in unseren Reihen haben."

Cisse selbst gibt die Komplimente gerne zurück. Nachdem er im November schon laut über einen baldigen Wechsel nachgedacht hat, hört man neuerdings andere Töne. Nun sagt er, er wolle "noch möglichst lange in Freiburg bleiben." Auch vom kolportierten Interesse des FC Fulham - der Premierleague-Club soll ein Millionen-Angebot abgegeben haben - weiß Cisse angeblich nichts. "Wichtig ist nicht, was in den Zeitungen steht. Mich hat nichts von einem angeblichen Fulham-Angebot erreicht." Überhaupt sei er vollauf zufrieden im Breisgau: "Es macht Spaß, sich hier in Freiburg immer weiter zu verbessern."

Christoph Ruf