Kein Trainer hat mehr Bundesliga-Siege mit Freiburg errungen als Christian Streich - © IMAGO/Sven Sonntag/IMAGO/Picture Point LE
Kein Trainer hat mehr Bundesliga-Siege mit Freiburg errungen als Christian Streich - © IMAGO/Sven Sonntag/IMAGO/Picture Point LE
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Christian Streich wird alleiniger Rekordtrainer des SC Freiburg

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Längst steht Christian Streich in einer Riege mit Trainer-Legenden wie Otto Rehhagel, Thomas Schaaf, Winfried Schäfer oder Volker Finke. Jene Trainer, die es geschafft haben, länger als eine ganze Dekade bei ein- und demselben Club tätig zu sein. Nun wird der 56-Jährige seinen prominenten Vorgänger Finke nach Siegen sogar überholen - vielleicht schon am Samstag.

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Sollte der SC Freiburg am 27. Spieltag sein Auswärtsspiel beim Tabellenschlusslicht SpVgg Greuther Fürth gewinnen, dann wäre es für Christian Streich der 105. Bundesliga-Sieg mit den Breisgauern. Er wäre damit an Finke - immerhin 16 Jahre am Stück im Amt - vorbeigezogen und damit alleiniger Rekordhalter. "Was das mit mir macht? Nicht zu viel! Ich bin zufrieden, mir geht es gut", sagte Streich, angesprochen auf den bevorstehenden Bestwert.

Eine allzu typische Aussage des Fußballlehrers, der sich nur ungern selbst ins Rampenlicht stellt, dafür aber vielmehr den Fokus auf andere Werte, fernab des Fußballs legt. Wie eben Gesundheit, Zufriedenheit und natürlich Bescheidenheit. Dass Streich auch die weltpolitische Lage immer in einer sehr guten Weise einzuordnen weiß, haben die Journalisten bei den Freiburger Pressekonferenzen schon längst verinnerlicht.

In Europas Top-Ligen nur Diego Simeone länger im Amt

Im Dezember feierte Streich bereits sein zehnjähriges Jubiläum an der Seitenlinie beim SC Freiburg. Das klingt wie eine Ewigkeit im modernen, schnelllebigen Fußballgeschäft. In Europas Top-5-Ligen ist tatsächlich nur noch Atletico Madrids Diego Simeone länger im Amt. Dabei hat der Sport-Club auch an Streich festgehalten, als es 2015 in die 2. Bundesliga ging. Ein Schock, von dem sich auch Streich erst einmal erholen musste, nur im dann gestärkt in die neue Saison zurückzukommen. Freiburg wurde im Folgejahr souverän Zweitliga-Meister.

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Dass die Zusammenarbeit dabei stets immer nur um ein Jahr verlängert wurde, ist ein ebenso ungewöhnlicher Vorgang im Profifußball. Erst vor dem 26. Spieltag wurde das Arbeitspapier des gesamten Trainerteams einmal mehr verlängert. "Was bringt das jemandem, wenn ein längerfristiger Vertrag unterschrieben wird?", erklärte Streich dazu einst gegenüber dem SWR. "Wenn du über einen längeren Zeitraum keinen Erfolg hast, wäre es auch in Freiburg so, dass die Leute sich überlegen müssten, ob man etwas verändert. So ist es für alle relativ einfach, weil man sagt: Man macht ein Jahr, schaut und dann entscheidet man sich wieder. Und dann kann ich gehen, wenn irgendwann der Tag kommt - mit einem guten Gewissen und mit einer Klarheit. Oder der Verein sagt, sie meinen, sie müssten etwas verändern. Und dann gibt es kein finanzielles Theater, dann gibt es gar nichts. Sondern dann hat man sein Geld gekriegt, solange man gearbeitet hat."

Pokalfinale und Champions League?

Dass man im Breisgau so hartnäckig an diesem ungewöhnlichen Trainer festhält – das wissen alle - hat sich längst ausgezahlt. In dieser Saison könnte sogar historisches gelingen: Der Einzug in die Champions League. Freiburg liefert sich derzeit mit RB Leipzig, Bayer Leverkusen und der TSG Hoffenheim einen enorm spannenden Vierkampf um zwei verbliebene Plätze. Es wäre gewiss der größte Erfolg der Vereinsgeschichte, die immerhin vier kurze Intermezzi in der Europa League und dem UEFA-Cup vorweisen kann (1995/95, 2001/02, 2013/14 und 2017/18 war aber jeweils nach der Erstrunde bzw. der Gruppenphase Schluss). Und nicht zuletzt: Freiburg ist eine von nur noch zwei Bundesliga-Mannschaften unter den letzten vier Teilnehmern des DFB-Pokals. Ein Einzug ins Finale nach Berlin wäre ebenfalls ein Novum.

Doch eines ist klar: Eher würden Streich und Co. weiterhin von der "Mission Klassenerhalt" als Ziel sprechen als Champions League oder Pokalsieg öffentlich auszurufen. Man weiß schließlich, wo man herkommt.

Karol Herrmann