
Der Geist von La Masia in Leverkusen
Mit Carles Martínez Novell hat Bayer 04 Leverkusen einen Trainer verpflichtet, der für klare Prinzipien, internationale Erfahrung und die berühmte Barça-Schule steht. Doch wer ist der 42-jährige Spanier genau? Fünf Dinge, die den neuen Coach der "Werkself" ausmachen.
1. Der Lenker des Spiels
Wer Carles Martínez Novell an der Seitenlinie beobachtet, sieht keinen Trainer, der nur reagiert – sondern einen, der dirigiert. Mit intensiven Gesten, klaren Kommandos und permanenter Präsenz wirkt er wie ein Taktgeber, der das Spiel seiner Mannschaft aktiv formt und in jeder Phase lenken will.
Martínez steht für einen modernen, ballbesitzorientierten Fußball mit kontrolliertem Aufbau, intelligenter Raumaufteilung und gezielter Beschleunigung. Auch auf eine flexible Anpassung an den jeweiligen Gegner und kollektive Ordnung gegen den Ball legt er großen Wert.
2. "La Masia" als fußballerische DNA
Seine Prägung beginnt dort, wo viele große Karrieren im modernen Fußball ihren Ursprung haben: in der legendären Nachwuchsakademie "La Masia" des FC Barcelona. Zwischen 2015 und 2019 arbeitete Martínez dort unter anderem mit den U14- und U16-Teams der Katalanen und begleitete die Entwicklung von Talenten wie Gavi, Xavi Simons und Ansu Fati. "Er hat zahlreiche junge Spieler erfolgreich weiterentwickelt", betonte auch Bayer-04-Sportgeschäftsführer Simon Rolfes.
Am 18. Mai 1984 in Barcelona geboren entschied sich Martínez früh für die Trainerbank. Als Torhüter seines Heimatvereins in Llerona blieb ihm eine Profikarriere auch aufgrund seiner Größe verwehrt. Stattdessen begann er bereits mit 16 Jahren als Jugendtrainer und arbeitete sich über den Nachwuchs von RCD Espanyol bis zum großen Stadtrivalen nach oben.

3. Internationale Prägung in Katar und Kuwait
"Carles war eines der herausragenden Trainertalente von La Masia", sagte der spanische Journalist Gerard Romero einst über Martínez gegenünber der L'Équipe. Trotz seiner erfolgreichen Arbeit endete seine Zeit beim FC Barcelona infolge struktureller Veränderungen im Club. Der Spanier sammelte anschließend von 2019 bis 2022 internationale Erfahrung bei der U19 vom Al-Rayyan SC in Katar sowie als U20-Nationaltrainer Kuwaits.
Die Stationen erweiterten seinen Blick für unterschiedliche Fußballkulturen und taktische Ansätze. Darüber hinaus vermittelte Martínez sein Wissen in Lehrgängen und Fachvorträgen für den katalanischen Fußballverband und machte sich als Fußballlehrer einen Namen.
4. Toulouse als Nachweis seiner Handschrift
Bei FC Toulouse lieferte Martínez den bislang eindrucksvollsten Beweis seiner Arbeit. Nachdem er als Co-Trainer und Methodikchef am Pokalsieg der Südfranzosen mitgewirkt hatte, übernahm er 2023 nach nur einem halben Jahr den Chefposten und verlieh der Mannschaft eine klare Identität.
In seiner ersten Saison als Cheftrainer führte Martínez Toulouse zur besten Platzierung seit zehn Jahren. Danach ging der Weg weiter nach oben: In den Spielzeiten 2024/25 und 2025/26 verbesserte sich der Club jeweils erneut und landete zuletzt auf Rang neun. "Er hat eine international geprägte Mannschaft zu einer starken Einheit geformt", sagte Simon Rolfes über den Spanier.
5. Europäisch geprüft
In der UEFA Europa League zeigte Martínez bereits, dass sein Ansatz auch auf internationalem Niveau funktioniert. In der Saison 2023/24 führte er Toulouse bis in die K.-o.-Phase – unter anderem mit einem viel beachteten Heimsieg gegen den FC Liverpool. Starke Auftritte gegen namhafte Gegner und eine klare Spielidentität unterstrichen seine Konkurrenzfähigkeit auf der großen Bühne.
Mit Bayer 04 Leverkusen wartet auf Martínez nun die bislang größte Herausforderung seiner Karriere. Ein anderer Spanier hat in Leverkusen ja bereits vorgemacht, wie aus einer Idee eine Erfolgsgeschichte werden kann.
