Zusammenfassung

  • Borussia Dortmund zeigt nach sechs Spieltagen noch keine Schwäche

  • TSG Hoffenheim ist noch nie so gut gestartet

  • Bayern München nach langer Zeit mal wieder Jäger und nicht Gejagter

Köln - Langeweile im Meisterschaftskampf? Das war einmal! In der aktuellen Saison ist Borussia Dortmund nicht erst nach der 6:1-Gala gegen Borussia Mönchengladbach das Nonplusultra und thront seit Spieltag eins an der Tabellenspitze. Auch die TSG 1899 Hoffenheim steht noch vor dem aktuell schwächelnden FC Bayern München, der bislang noch nicht seinen Rhythmus gefunden hat. bundesliga.de beleuchtet den offenen Kampf um Platz eins und deckt Stärken und Schwächen der Kandidaten auf.

Als die Spieler des FC Bayern München am Samstag vom Wiesn-Besuch zurückkehrten, mussten sie mit ansehen, wie der Rivale aus Dortmund den Namensvetter aus Gladbach nach allen Regeln der Kunst auseinanderspielte. Die Dortmunder haben nach sechs Spieltagen 16 Punkte auf dem Konto und die historisch beste Tordifferenz zu diesem Zeitpunkt (+18). In der Defensive sind die Schwarz-Gelben mit nur einem Gegentor so gut wie noch nie, in der Offensive sind sie top in der Liga. 19 Treffer in den ersten sechs Spielen haben die Westfalen allerdings in der Vergangenheit schon erzielt. Top-Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang führt mit seinen acht Toren bereits wieder die Torschützen-Liste vor seinem Dauerrivalen und Ex-Kollegen Robert Lewandowski an. So viele Treffer hatte der Gabuner noch nie nach nur sechs Spieltagen auf dem Konto. Jupp Heynckes schaffte zuletzt in der Saison 1973/74 neun Tore nach sechs Partien. Lang, lang ist's her.

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"Offensive gewinnt Spiele, Defensive Meisterschaften" Roman Bürki (nach dem 3:0 in Hamburg)

BVB-Keeper Roman Bürki stellte aber zurecht nach dem 3:0-Sieg beim HSV unter der Woche fest, dass die Defensive Meisterschaften gewinnt. Und selbst trotz des sehr offensiv ausgerichteten Spielsystems von Trainer Peter Bosz läuft es auch in der BVB-Defensive gerade sehr gut. Nur Gladbachs Lars Stindl konnte den Schweizer im Kasten der Dortmunder bislang überwinden.

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Neben der guten Balance zwischen Abwehr und Angriff spielt der BVB in seinen vielen Ballbesitzphasen fast fehlerlos. Bislang können die Schwarz-Gelben auf eine sehr geringe Fehlpassquote von nur 10,5 Prozent verweisen. Der Ball läuft bei den Borussen so gut, dass die Gegner manchmal nicht mal in der Lage sind, mit Fouls den Spielfluss zu unterbinden (nur 57 Fouls gegen den BVB in sechs Partien).

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Ein weiteres Plus in diesem Jahr ist der ausgewogene Kader. In der Offensive haben sie mit Sturmführer Aubameyang, Maximilian Philipp, Andrej Yarmolenko oder Christian Pulisic eine hochwertige Auswahl. Gar nicht daran zu denken, dass Marco Reus, Raphael Guerreiro und André Schürrle noch verletzt ausfallen.

Nagelsmänner neue Angstgegner der Bayern

© DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA

Hinter den Dortmundern steht aktuell mit zwei Punkten weniger auf dem Konto die TSG 1899 Hoffenheim. Neben dem BVB sind auch die Kraichgauer noch ungeschlagen. 14 Punkten nach sechs Spieltagen - besser startete die Nagelsmann-Elf noch nie in eine Bundesliga-Saison. Die Hoffenheimer kristallisieren sich außerdem noch zum richtigen Angstgegner der Bayern heraus. In den jüngsten drei Duellen mit dem Rekordmeister blieben die "Nagelsmänner" ungeschlagen (zwei Siege, ein Remis). Am 3. Spieltag besiegten sie bereits das Team von Trainer Carlo Ancelotti vor heimischer Kulisse. Beide Tore beim 2:0-Sieg der TSG schoss Mark Uth, der sich aktuell in Topform befindet und schon vier Mal traf.

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Bayern vom Gejagten zum Jäger

Blieben noch die Bayern. Seit der Saison 2010/11 sind die Münchner nicht mehr so "schlecht" gestartet (13 Punkte). Damals hieß der Trainer Louis van Gaal und am Ende wurde der BVB Deutscher Meister... In den vergangenen fünf Jahren, als der Deutsche Meister immer FC Bayern München hieß, waren die Bayern nur an 18 von 170 Spieltagen nicht Tabellenführer – in dieser Saison standen sie noch nie ganz oben.

Es läuft noch nicht ganz rund beim Rekordmeister. Nach Gala-Vorstellungen folgten uninspirierte Auftritte, wie zuletzt am vergangenen Freitag zuhause gegen Wolfsburg. Wo sich die Bayern noch eine 2:0-Führung aus der Hand nehmen ließen und sich mit einem 2:2 begnügen mussten. Prunkstück der Bayern war in den vergangenen Meisterjahren stets die überragende Defensive, aber auch hier stottert der Bayern-Motor trotz Hummels, Süle, Boateng und Co. Nach sechs Spielen haben die Münchener schon fünf Gegentore kassiert. In den sechs Jahren davor nie mehr als drei. Ein Faktor ist sicherlich auch die Verletzung von Manuel Neuer. Den weltbesten Torwart kann nicht einmal der FC Bayern adäquat ersetzen.

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© imago

Fernduell geht weiter

Die Bayern starten den siebten Spieltag also als Jäger und nicht wie sonst als Gejagter. Trotzdem müssen sie erst einmal zuschauen, was die Konkurrenz macht, denn die Bayern gastieren erst am Sonntag (15:30 Uhr) bei der Berliner Hertha. Die TSG Hoffenheim spielt zwei Stunden früher beim SC Freiburg. Vorlegen können die Dortmunder. Der BVB reist am Samstag zu den starken Augsburgern.

Von Alexander Barklage