München - Selbstbewusst geht Borussia Dortmund mit dem Rückrundenstart beim Hamburger SV (Sonntag, ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) ins Rennen um die Titelverteidigung. Nur drei Punkte beträgt der Rückstand auf Tabellen- und Branchenführer Bayern München vor dem 18. Spieltag.

Vom Gejagten zum Jäger: Doch Jürgen Klopp reagiert mit demonstrativer Gelassenheit auf die Frage nach dem Titelrennen. "Die Rolle von Borussia Dortmund hat sich verändert. Wir empfinden uns nicht als Außenseiter in der Bundesliga, sind es aber im Vergleich mit Bayern München. Sie haben einfach die besseren Voraussetzungen", sagte der Trainer des Deutschen Meisters vor dem Rückrundenstart am Sonntag beim Hamburger SV.

"Enger Kampf um die Spitze"

"Und das wird möglicherweise lange Zeit so sein. Und wenn die Bayern nicht stolpern, vielleicht immer. Wir reichen nicht an die Bayern heran - auch nicht durch den Transfer von Marco Reus. Davon werden wir ohnehin erst in der nächsten Saison profitieren", meinte Klopp. Aber dennoch seien die Bayern nicht jedes Jahr Meister geworden, erinnerte der 44-Jährige und lenkte die Aufmerksamkeit umgehend auf Spiel eins im neuen Jahr beim wiedererstarkten HSV.

Für Klopp heißt es: Alles wieder auf null. Vergessen ist der grandiose Saisonauftakt im August gegen den HSV (3:1), als die Medien dem BVB einstimmig Zauberfußball attestierten. Vergessen sind auch die zahlreichen Verletzungsprobleme und Rückschläge in der Champions League in der zweiten Jahreshälfte. Doch das sind Erfahrungen, die sein junges Team abgehärtet haben für den Kampf um den Titel oder zumindest einen Champions-League-Platz.

"Ich schätze den Kampf an der Spitze so eng ein, wie sich die Tabelle derzeit präsentiert", sagte Klopp. "Wir sind uns im Klaren darüber, dass auch Schalke, Gladbach oder Bremen im Kampf um die internationalen Plätze mitreden werden."

Götze und Weidenfeller fehlen

Dass der BVB trotz aller Probleme in der Hinrunde seit elf Spielen (27 Punkte) ungeschlagen ist und die ersten 17 Spiele mit nur drei Zählern Rückstand hinter den Bayern beendete, bezeichnete Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke als "beinahe sensationell". Auch die Defensive, die mit zwölf Gegentoren derzeit die drittbeste der Liga ist, präsentiert sich inzwischen wieder mit der Souveränität der Meistersaison.

Nur die Mannschaft steht noch nicht. Zwar kehren Neven Subotic und Sven Bender nach ihren Gesichtsverletzungen wieder in die Anfangsformation zurück, doch muss Klopp auf Shootingstar Mario Götze (Adduktorenprobleme) und Torhüter Roman Weidenfeller (Rückenprobleme) verzichten. Für ihn wird der wieder genesene Australier Mitchell Langerak das Tor hüten.

Fink: besondere Beziehung zu Dortmund

Der noch unbesiegte HSV-Trainer Thorsten Fink pflegt eine besondere Beziehung zur Borussia. In Dortmund wurde er geboren, war als 15-Jähriger Stammgast in Block 13 auf der Südtribüne und deutscher B-Jugendmeister mit dem BVB. "Wenn du in Dortmund aufwächst, kannst du nichts anderes tun, als dich für den Fußball zu begeistern", so der Ex-Profi. Doch seine Sympathien stellt der 44-Jährige am Sonntag zurück, denn er sieht eine Chance, mit dem Tabellendreizehnten auch das neunte Ligaspiel in Folge seit seinem Amtsantritt ungeschlagen zu bleiben.

"Wenn wir den Deutschen Meister schlagen können, kann das einen richtigen Schub geben für die Rückrunde. Und diese Chance wollen wir wahrnehmen", sagte Fink, der sich aufdrängende Vergleich mit seinem Kollegen Klopp vehement zu widerlegen versuchte: "Ich bin nicht wie Klopp und auch nicht wie Magath, ich bin ganz anders. Wenn es in eine Richtung geht, dann bin ich eher ein kommunikativer Typ." Und damit doch nicht so weit entfernt von Klopp - abgesehen vom Tabellenstand.

HSV bangt um Offensiv-Duo

Ob Stürmer Mladen Petric und Mittelfeldspieler Ivo Ilicevic gegen den BVB mitwirken können, steht noch nicht fest. Beide mussten beim Training am Donnerstag passen und drohen wegen Wadenproblemen auszufallen.

"Sie sind angeschlagen. Aber es ist noch nicht sicher, dass sie nicht spielen können", verkündete Fink, der eine langwierige Verletzung vermeiden möchte. "Wir werden abwarten, aber wenn das Risiko bei Mladen zu hoch ist, dann werden wir das nicht machen. Wir brauchen ihn in den nächsten Wochen und können es uns nicht leisten, wenn er sechs Wochen ausfällt." Zumindest bei Ilicevic gibt es noch etwas größere Restchancen.