Bremen - Pünktlich zum Bremer Freimarkt, dem größten Volksfest im Norden der Republik, verschafft sich der SV Werder etwas Luft im Tabellenkeller. Am Samstagabend besiegten die Norddeutschen Bayer Leverkusen mit 2:1, auch dank eines Tores von Ousman Manneh, der nun als erster Torschütze aus Gambia in die Bundesliga-Geschichte eingeht.

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Die Bremer feierten am Samstag den Sieg vor heimischer Kulisse ausgelassen. Es war der zweite Heimsieg in Folge für den SV Werder. Damit ist der Start des neuen Trainers Alexander Nouri geglückt. Der 37-Jährige Chefcoach holte mit den Werderanern in den ersten vier Partien sieben Punkte. Es war zudem der 750. Sieg in der Bundesliga für Werder – nur die Bayern haben mehr.

Neuer Bremer Teamspirit

Durch den Erfolg stehen die Bremer auf Platz 13. Der Aufschwung der Grün-Weißen hat viel mit Trainer Nouri zu tun. Der ehemalige U23-Coach der Bremer hat den Spielern wieder Selbstvertrauen gegeben und das Team wieder enger zusammengeschweißt. „Auf dem Feld ist jeder für den anderen da gewesen. Wir haben wieder überragenden Teamspirit gezeigt und uns durchgebissen,“ erklärte Torschütze Zlatko Junuzovic, der zur 1:0-Führung traf. Es sei ein schönes Gefühl gewesen mal wieder getroffen zu haben, ergänzte der Österreicher, der zuletzt am 2. April gegen Dortmund einen Treffer für die Bremer erzielen konnte.

Auch Kapitän Clemens Fritz, der verletzt ausgewechselt wurde, bestätigte den neuen positiven Trend unter Nouri. „Wir haben mutig gegen eine absolute Top-Mannschaft agiert und uns diesen Sieg erarbeitet. Wir sind vorne angelaufen, haben uns aber auch immer wieder fallen gelassen, um Kraft zu tanken. Diese Rhythmuswechsel haben wir trainiert und gut umgesetzt.“

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Weserstadion soll wieder zur Festung werden

Vor allem mit den typischen Werder-Tugenden überzeugte das Team von Alexander Nouri. Läuferisch und kämpferisch war die Leistung gegen die spielerisch bessere Mannschaft aus Leverkusen top. „Wir haben sehr viel ins Spiel investiert. In der Defensive standen wir kompakt und haben bis auf das Gegentor nichts zugelassen. Auf dieser Leistung können wir aufbauen“, erklärte Werder-Keeper Felix Wiedwald, der den verletzten Jaroslav Drobny im Tor sehr gut vertrat. Mit solch einer kämpferischen Einstellung soll es für die Bremer in den kommenden Wochen weitergehen. „Dieser Sieg war ein Schritt, mit dem wir uns etwas Luft verschafft haben. Unsere Marschroute ist, Punkt für Punkt zu sammeln und zuhause wieder echte Stärke zu beweisen“, erklärte Fritz und Junuzovic fügte an: „Das Weserstadion soll wieder eine Festung sein. Trotzdem haben wir noch viel Arbeit vor uns. Wir müssen jetzt fokussiert bleiben. In Leipzig erwartet uns das nächste schwere Spiel.“

Nouri will an Feinabstimmung feilen

Aufgrund der Länderspielpause konnte Nouri noch nicht so viel mit der gesamten Mannschaft arbeiten, wie er es gerne getan hätte. Die kommende Woche will Nouri dann an der Feinabstimmung arbeiten: „Wir haben jetzt erstmals Zeit, etwas detaillierter zu arbeiten. Da wird es intensiv um Abläufe beim Pressing gehen und die Kontervorbereitung muss optimiert werden. Wichtig ist, dass wir beharrlich und fleißig bleiben. Die Leistung heute war phasenweise gut, aber eben nur phasenweise. Deshalb liegt noch viel Arbeit vor uns, mit der wir Montag beginnen.“

Historisches erstes Tor

Matchwinner für die Bremer war am Samstag ein Spieler, der vor gut drei Wochen noch so gut wie unbekannt in der Bundesliga war: Ousman Manneh. Der aus Gambia nach Deutschland geflüchtete 19-Jährige ist seit dem Amtsantritt von Nouri Stammspieler und einzige Spitze im Spiel der Bremer. In seinem vierten Spiel erarbeitete er sich jetzt seinen ersten Treffer in der Bundesliga und schrieb damit gleich Geschichte, denn es war das erste Tor eines Spielers aus Gambia in der Bundesliga.

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Manneh: "Kann es gar nicht glauben"

Der 19-Jährige Manneh konnte es nach dem Spiel auch gar nicht glauben, dass sein großer Traum wahr geworden war. „Ich wollte schon als kleines Kind immer nur Fußball spielen und Tore schießen. Ich muss mich bei meinem Trainer bedanken, dass er mir das Vertrauen geschenkt hat und mich spielen lässt. Ich kann es immer noch nicht glauben, dass ich das Siegtor geschossen habe“, so Manneh. Trainer Nouri freute sich ganz besonders, dass sein Schützling, den er schon aus der U23-Mannschaft Werders sehr gut kannte, getroffen hat: „Ousman ist ein absoluter Teamplayer, er arbeitet viel für die Mannschaft. Wir sollten ihm jetzt aber keinen zu großen Druck machen und die Erwartungshaltung drosseln. Er soll den Moment genießen.“

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Junuzovic lobt "ekligen" Manneh

Lob gab es aber nicht nur von seinem Trainer, sondern auch von seinen Mitspielern. „Wenn man sieht welche Wege er macht und was für ein ekliger Gegenspieler er für die gegnerische Abwehrreihe ist, weil er sie permanent unter Druck setzt, dann ist das großartig. Er ist ein super Junge und wird noch viel lernen. Er muss jetzt weiter dranbleiben und soll es auch genießen zwei Tage, aber dann muss er wieder fokussiert sein“, erklärte Junuzovic.

Aus Bremen berichtet Alexander Barklage