München - Dass sich zwei Brüder zanken, kommt in den talentiertesten Familien vor. "Sie haben sich schon als Kinder gefetzt, wollten in verschiedenen Teams sein", äußert sich Caetano de Araujo, Vater von Herthas Ronny und Gladbachs Offensivstar Raffael, gegenüber der "Bild-Zeitung". Der Vater wird beiden Sprösslingen die Daumen drücken, wenn sie sich am Samstag gegenüberstehen. Für Raffael wird das Aufeinandertreffen zwischen Hertha BSC und Mönchengladbach (ab 18 Uhr im Live-Ticker) besonders emotional.

"Ich treffe nicht nur auf meinen Bruder, sondern kehre auch dorthin zurück, wo ich bisher meine wohl beste Zeit als Profi hatte", sagt der Gladbacher Torjäger. Zur Spielzeit 2007/08 war Raffael vom FC Zürich in die Hauptstadt gewechselt, er bestritt für Hertha 110 Bundesliga-Partien, erzielte 23 Tore. Auch nach dem Abstieg 2009/10 blieb er den Berlinern treu und lief 30 Mal in der 2. Bundesliga auf. In dieser Spielzeit spielte er auch zum ersten Mal mit seinem jüngeren Bruder Ronny in einem Team.

Nach Raffaels Abgang startete Ronny durch



Den zog es 2005 zunächst zu Sporting Lissabon. Drei Jahre lang streifte er das Trikot der Portugiesen über, ehe er nach einer kurzen Zwischenstation in der Heimat seinem Bruder zur Hertha folgte. Die ersten zwei Spielzeiten in Deutschland waren jedoch nicht von großem persönlichen Erfolg gekrönt. Obwohl die Hertha 2010/11 in die Bundesliga aufstieg, lief es für den kleinen Brasilianer nicht rund. 22 Mal kam er nur zum Einsatz und erzielte magere zwei Treffer. In der folgenden Spielzeit verbesserte sich Ronnys Situation nicht. Zehn Einsätze - davon acht als Joker - stellten den Mittelfeldspieler nicht zufrieden. Aufgegeben hat er trotzdem nicht. Kurioserweise startete der heute 28-Jährige aber erst richtig durch, nachdem sein großer Bruder Raffael Berlin in Richtung Dynamo Kiew verlassen hatte.

"Ich habe Ronny immer zugetraut, bei Hertha in meine Fußstapfen zu treten. Ich bin jetzt der glücklichste Bruder der Welt. Er spielt mit dem Vertrauen des Trainers völlig losgelöst", sagt Raffael. Tatsächlich schaffte Ronny unter Trainer Jos Luhukay den Durchbruch und führte die Hertha zurück in die Bundesliga. Der Brasilianer glänzte vor allem mit seinen Schussqualitäten.

Die kennt Bruder Raffael ganz genau: "Das ist unglaublich, was er für Kracher loslassen kann." Ganze 20 Standardsituationen von Ronny führten in der Aufstiegssaison der Hauptstädter zu Treffern. Die Stärken des großen Bruders liegen nicht im Abschluss aus der Ferne, dafür kann er aber mit seinem flinken Umschaltspiel auftrumpfen. In seiner Zeit bei der Hertha war Raffael an 19 Kontertoren als Schütze oder als Vorbereiter beteiligt - ein Top-Wert.

Papa Caetano hofft, dass beide treffen



Wenn nun der Scharfschütze auf den Konterspieler trifft, ist es für 90 Minuten vorbei mit der Familienharmonie im Hause Araujo. Dort könnte die Vorfreude kaum größer sein. Beide Brüder kündigen vollmundig eine Pleite des anderen an. "Toll, dass wir in der Bundesliga aufeinandertreffen. Aber da gibt es für ihn nichts zu holen. Ich bin schließlich der Ältere", scherzt Raffael. Sein Bruder kontert prompt: "Gegen uns gibt es für ihn nichts zu holen!"

Während die Söhne dem Spiel entgegen fiebern, hat Papa Caetano ein bisschen Bauchschmerzen. "Schade, dass einer verlieren muss und nicht beide gewinnen können. Das wird schwer für mich. Ich hoffe, dass beide in diesem Duell treffen."

Mit einem Remis werden sich die Brüder jedoch nicht zufrieden geben, damals auf dem Bolzplatz nicht und Samstag im Berliner Olympiastadion ebensowenig.

Yannik Schmidt