Köln - Das Programm ist vor allem vielfältig. Es umfasst einen Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen genauso wie eine Führung durch die Becks-Brauerei. Es sieht politische Workshops und Seminare vor sowie das Live-Stadionerlebnis bei zwei Spielen von Werder Bremen.

Teilnehmer des aufwändigen Programms in der Zeit vom 13. bis 22. Oktober sind zwölf israelische Fußballfans im Alter zwischen 18 und 30 Jahren; Organisator ist das Fan-Projekt Bremen.

Abbau von Antisemitismus

Schon seit mehreren Jahren führt das Fan-Projekt Bremen einen deutsch-israelischen Fanaustausch durch. Ziel dieses Austausches ist der Abbau von Antisemitismus und von Vorurteilen gegenüber Israel sowie die Vernetzung der Fanarbeit.

Der Initiator dieser länderübergreifenden Zusammenarbeit heißt Thomas Hafke. Der Leiter des Fan-Projekts Bremen kam 2003 im Rahmen eines Fachkräfteaustauschs in Israel mit dortigen Organisationen in Kontakt, die an pädagogischer Jugendarbeit mit Fußballfans interessiert waren. Aus dem ersten Kontakt entwickelte sich ein Austausch, der deutsche Werder-Fans schon zwei Mal nach Israel geführt und zwei Gegenbesuche aus dem Nahen Osten nach sich gezogen hat.

Israelische Fans mit arabischer Herkunft

Bei den Israelis handelt es sich diesmal um Fans so unterschiedlicher Fußballclubs wie Hapoel Katamon (Jerusalem), Maccabi Netanja und Hapoel Sachnin. Die Fans von Netanja haben einen Preis für ihr Engagement gegen Rassismus gewonnen, die Fans von Hapoel Katamon zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihren eigenen Verein gegründet haben. Und die Fans von Sachnin sind arabischer Herkunft.

Inzwischen kann das Fan-Projekt auf eine breite Unterstützung dieses Austauschs durch zahlreiche Verbände und Organisationen zählen: vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend über die Stiftung Deutsch-Israelisches Zukunftsforum bis natürlich hin zu Werder Bremen.

Große Unterstützung durch Werder Bremen

"Werder hat uns wieder in allen Belangen unterstützt. Uns wurden zum Beispiel zwei Busse zur Verfügung gestellt, um unseren Besuch am Flughafen Hamburg abzuholen. Natürlich hat uns Werder auch die Eintrittskarten für das Heimspiel gegen Freiburg kostenlos überlassen", sagt Hafke, der mit seinen Gästen auch an einem Vortrag von Bremens Vereinspräsident und Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer teilgenommen hat.

Die israelischen Fußballfans unterstützten ihrerseits den Aktionstag "Für Vielfalt - gegen Diskriminierung", den die Antidiskriminierungs-AG der Werderfans in Zusammenarbeit mit dem Fan-Projekt Bremen rund um das Freiburg-Heimspiel im Weserstadion ausgerichtet hatte. Allein 35.000 Flyer wurden dabei auf den Sitzen des Weserstadions verteilt.

Israelis mitten im Bremer Fanblock

Begeistert zeigten sich die fußballbegeisterten Gäste über die Atmosphäre und Stimmung während der Bundesliga-Partie, die die Israelis mitten im Bremer Fanblock verfolgten. Thomas Hafke: "Für die Israelis ist ein Traum, die Bundesliga zu erleben. Das ist kein Vergleich zu ihrer Liga, in der die meisten Vereine inzwischen auch an Investoren verkauft sind und wo die Distanz der Fans zum Club weiter wächst."

Stefan Kusche