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Polanski bringt Fohlen auf Trab: Wie Gladbach unter dem Neu-Coach den (Geiß-)Bock umgestoßen hat

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Was für ein Ritt! Borussia Mönchengladbach galoppierte in den vergangenen zwei Wochen aus der Krise – und das mit beachtlicher Geschwindigkeit. Unter Cheftrainer Eugen Polanski, der seit sieben Spielen in der Verantwortung steht, haben die "Fohlen" nicht nur ihre Form, sondern auch ihr Selbstvertrauen wiedergefunden.

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Nach dem Derbysieg gegen den 1. FC Köln und den Erfolgen bei FC St. Pauli sowie im DFB-Pokal gegen den Karlsruher SC kann man bei Borussia Mönchengladbach wieder durchatmen: Drei Siege in Serie, doppelt so viele Punkte an den vergangenen zwei Bundesliga-Spieltagen wie aus den ersten acht Spielen - die Elf vom Niederrhein katapultiert sich vom letzten auf den zwölften Tabellenplatz.

Spielbericht: Elfer-Drama und Fohlen-Power im Derby

Den Grundstein des Aufschwungs legte Polanski hinten. Seine Fohlen stehen inzwischen deutlich tiefer – der Abstand des letzten Feldspielers zur eigenen Torauslinie verringerte sich von 34 auf 30 Meter. Der Effekt: Die Defensive ist wieder sattelfest. In den letzten beiden Bundesliga-Partien wurde Gladbach nur einmal – per Elfmeter – bezwungen, nachdem zuvor im Schnitt 2,3 Gegentore pro Spiel hingenommen werden mussten.

Defensive sattelfest, Offensive mit Vollgas

Der Trainer hat seine Herde neu geordnet: Mit der Umstellung auf eine Dreierkette, die bei Bedarf zur Fünferkette wird, schuf er ein stabiles Fundament. Philipp Sander wurde als rechter Innenverteidiger integriert, flankiert von Nico Elvedi und Kevin Diks, der sich als kämpferischer wie spielintelligenter Abwehrchef hervortut. Davor sorgt Yannik Engelhardt als klarer Sechser für Ordnung, während Rocco Reitz und Florian Neuhaus beziehungsweise Kevin Stöger das Zentrum verdichten.

Acht Fohlen kümmern sich permanent um die Defensivarbeit – das Resultat: nur 46 Prozent Ballbesitz, aber defensive Stabilität. „Wir haben aus einer sehr guten Kompaktheit Fußball gespielt“, erklärte Polanski nach dem jüngsten Derbysieg gegen Köln. "Jeder Spieler macht derzeit die nötigen Meter, was dazu führt, dass wir viele Ballgewinne haben und das eigene Tor hervorragend verteidigen.“

Glücklich mit der Performance seines Teams: Polanski nach dem Derbysieg gegen Köln - IMAGO/Eibner-Pressefoto/J. Derondeau

Das Sturmduo zieht den Karren

Doch die Fohlen galoppieren nicht nur stabil, sie sind auch wieder gefährlich. Vorne hat Polanski mit Haris Tabaković und Franck Honorat ein Duo gefunden, das sich prächtig ergänzt – ein echtes Zugpferde-Gespann. Honorat, eigentlich als Flügelspieler bekannt, darf nun als zweite Spitze mit viel Bewegungsfreiheit agieren. Im Schnitt zieht er 28 Sprints pro Partie an und erreicht regelmäßig über 34 km/h. Mit seinem Tempo reißt er Lücken, in die Tabaković mit kaltschnäuziger Konsequenz stößt.

Der Bosnier, der 2023/24 bei Hertha BSC Torschützenkönig der 2. Bundesliga war, traf bereits sechs Mal und gab zwei Vorlagen – nur Harry Kane liegt ligaweit vor ihm. Durch Tabaković blüht die gesamte Fohlen-Offensive auf: sieben Tore in den letzten zwei Spielen, nach zuvor nur sechs in acht Partien.

>>> Alle Tore des 10. Spieltags - die Video-Highlights

"Wir haben ein gutes Fundament gelegt und derzeit einen guten Flow, den wir nach der Länderspielpause fortsetzen wollen“, sagt Polanski – und genau das ist zu spüren. Aus einem taumelnden Fohlen ist wieder ein gallopierendes geworden, das die PS endlich auf den Rasen bringt.

Der starke Mann hinter dem Trainer: der neue Sportchef Rouven Schröder stärkt Polanski den Rücken - Lukas Schulze/Bundesliga

Fohlenherde folgt dem Trainer

Auch im Stall ist die Stimmung hervorragend. Sportchef Rouven Schröder schwärmt über Polanski: "Überzeugt waren wir ja von Anfang an. Eugen arbeitet sehr konzentriert, sehr fokussiert mit der Mannschaft." Auf die Frage nach einer Vertragsverlängerung entgegnet er am vergangenen Wochenende nur vielsagend: "Sieht gut aus." Polanski selbst nimmt die wiederkehrenden Nachfragen nach seiner Vertragsverlängerung bzw. Beförderung vom Interims- zum permanenten Cheftrainer mit Humor: "Es ist ja nicht so, dass ich gerade für Nüsse arbeite.“

Seine Spieler jedenfalls haben längst angebissen. Rocco Reitz betont: "Eugen bekommt das sehr gut mit, dass wir alle an einem Strang ziehen. Jeder steht hinter ihm – und bis jetzt macht es richtig viel Spaß." Und Kevin Diks, der beim Derbysieg sein erstes Bundesliga-Tor erzielte, bringt es auf den Punkt: "Aktuell kämpft jeder für jeden, und es ist nicht einfach, gegen uns zu spielen."

Die Fohlen mögen ihren neuen Leithengst an der Seitenlinie, die Zahlen sprechen für ihn – und die Verantwortlichen sind auch von seiner Arbeit überzeugt. Eine Vertragsverlängerung über 2026 hinaus wohl nur noch reine Formsache.