Zusammenfassung

  • Langzeit-Ausfall Julian Weigl nähert sich seinem Bundesliga-Comeback

  • Neuzugang Andrey Yarmolenko verstärkt die Offensive

  • Bei den Schwarz-Gelben ist auch die zweite Garde erstklassig

Dortmund - Julian Weigl oder Nuri Sahin? Oder gar beide? BVB-Trainer Peter Bosz stellen sich in den kommenden Wochen einige Fragen, was die Aufstellung der ersten Elf seiner Mannschaft betrifft: Die Entscheidung in der Situation zwischen Weigl und Sahin ist laut Bosz lediglich ein Beispiel unter mehreren schwierigen Entscheidungen, die er treffen müsse. bundesliga.de präsentiert die drei aktuellen Top-Duelle im Aufgebot von Borussia Dortmund.

Julian Weigl/Nuri Sahin

Beim SC Freiburg wird Julian Weigl noch nicht zum Kader der Schwarz-Gelben gehören. Peter Bosz möchte den defensiven Mittelfeldakteur, der gerade erst 22 Jahre alt geworden ist, behutsam zu alter Stärke zurückführen. Keine Frage, dass er dann zu den unumstrittenen Leistungsträgern bei den Westfalen gehört: Seit seinem Wechsel im Sommer 2015 hat der fünfmalige Nationalspieler 60 Bundesliga-Partien für Dortmund bestritten, hält seit dem 14. Mai 2016 den Rekord für die meisten Ballkontakte in einem Spiel. Fast auf den Tag genau ein Jahr nach seinem historischen Auftritt gegen Köln hat sich Weigl in Augsburg einen Bruch des Sprunggelenks zugezogen, steht nun endlich vor seiner Rückkehr. Viele Stufen hat er seit der schweren Verletzung genommen. Bosz jedenfalls ist geduldig: "Der nächste Schritt wird sein, dass er Spielminuten macht."

Dass die Borussia nach zwei Spieltagen an der Spitze der Tabelle steht, verdankt sie auch dem Weigl-Ersatz: Nuri Sahin überzeugt im Zentrum auf höchstem Niveau, der jüngste Bundesliga-Spieler und -Torschütze aller Zeiten erinnert nach vielen Rückschlägen durch Verletzungen in der letzten Saison an seine besten Tage - vielleicht auch nur an sehr gute, und die besten stehen noch an. Der kürzlich 29 Jahre alt gewordene 51-malige Nationalakteur der Türkei glänzte beim 2:0 im letzten Vergleich gegen die Hertha sogar als Vorbereiter - und als Torschütze.

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Sind Weigl und Sahin fit, steht Bosz vor einer knallharten Entscheidung. Der macht sich aber keine Sorgen: "Beide können auch gleichzeitig spielen."

Andrey Yarmolenko/Maximilian Philipp

Andrey Yarmolenko begann seine Karriere beim BVB mit Lauftrainingseinheiten. Was denkt sein neuer Coach nach dem Kennenlernen? "Mein erster Eindruck ist, dass er gut laufen kann", schmunzelt Bosz. Dass noch mehr in dem neuen Flügelmann des letztjährigen Tabellendritten steckt, bewies der sogar schon in dieser Spielzeit eindrucksvoll. Für seinen alten Club Dynamo Kiew traf der 27-Jährige in fünf Duellen in der ersten ukrainischen Liga dreimal, bereitete zudem ein Tor vor. Nach dem Abgang von Ousmane Dembele war es laut Bosz keine Frage, dass ein weiterer Mann für die Außenbahn kommen sollte. Keine Frage auch, dass es Yarmolenko werden sollte: "Im Verein redet man schon seit drei Jahren über ihn", sagt Bosz. "Ich hoffe, dass er auch ein wichtiger Spieler für uns sein wird."

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Wichtig präsentierte sich in den ersten Partien der noch jungen Saison ebenfalls Neuzugang Maximilian Philipp. Bislang kam der 23-Jährige in allen Pflichtspielen Dortmunds zum Einsatz, kommt dabei auf zwei Assists. "Seine Entwicklung ist gut", äußert sein Trainer. Etwas schüchtern sei der ehemalige Freiburger anfangs gewesen, das scheint sich aber mehr und mehr zu legen - menschlich und vor allem auch spielerisch. Philipp dürfte in dieser Spielzeit auf jeden Fall auf seine Minuten kommen, da er auf der linken und rechten Seite, als hängende Spitze und vorderster Angreifer auflaufen kann.

Yarmolenko, Philipp und auch der vorerst wohl gesetzte Christian Pulisic können beide Flügel besetzen. In den kommenden drei Wochen mit insgesamt sieben Spielen in Bundesliga und Champions League sollte das Trio für starke Außenbahnen bei der Borussia sorgen.

Gonzalo Castro/Mahmoud Dahoud

Gonzalo Castro ist beim BVB so etwas wie eine stille Institution. Oftmals spielt der gebürtige Wuppertaler im zentralen Mittelfeld unauffällig, sorgt dennoch sowohl hinten als auch vorne spielerisch für wichtige Akzente. 28 Einsätze mit drei Toren und sieben Vorlagen in der letzten Saison, 25 Einsätze mit drei Toren und sieben Vorlagen in der vorletzten - deutsch-spanische Konstanz in der Dortmunder Schaltzentrale. Unter Bosz verpasste der 30-Jährige noch keine Sekunde, beweist sich immer mehr als Führungsperson im insgesamt durchaus jungen Borussia-Ensemble.

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Für etwas Atem in Castros Nacken sorgt der aus Mönchengladbach verpflichtete Mahmoud Dahoud. Der 21 Jahre alte gebürtige Syrer startete in der neuen Spielzeit zweimal in der ersten Formation, kam zudem zweimal von der Ersatzbank aufs Feld. Den Raum zwischen Acht und Zehn im innovativ anmutenden 4-3-3 der Bosz-Elf kann der deutsche U21-Nationalspieler einnehmen - genau wie Castro. Im Talentalter bleibt Dahoud jedoch noch Zeit, sich auf Spitzenniveau zu beweisen, und seine Spielweise geduldig weiter zu verbessern.

Eine ganz ähnliche Position wie die, um die Castro und Dahoud konkurrieren, erfüllt auch Mario Götze. Der Weltmeister nähert sich trotz seiner Stoffwechselproblematik den 100 Prozent. Die Situation im Zentrum ähnelt der auf den Seiten: In den kommenden Wochen wird Bosz über die mehreren Optionen für zwei Startelf-Plätze dankbar sein.

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Luxusprobleme? Luxusprobleme!

Der BVB kann voller Selbstvertrauen in seine nächsten Partien gehen. Der Beginn der noch jungen Spielzeit gelang beeindruckend, das rückkehrende Personal könnte sich in den kommenden Wochen als ausschlaggebender Faktor im erfolgreichen Bestreiten der schwierigen Spiele erweisen - unter anderem gegen Köln und Mönchengladbach in der Bundesliga, gegen Tottenham und Real Madrid in der Champions League. Von Problemen kann da eigentlich nicht zu sprechen sein. Vielleicht in der nahen und mittelfristigen Zukunft - wenn Weigl, Yarmolenko, Philipp und Dahoud vollends angekommen sind und Andre Schürrle sowie Raphael Guerreiro sich noch zurückmelden.

Felix Tschon