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- © PAUL HÜTTEMANN UND FERDAUS NAYEBI
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"Ich bekomme einfach nicht genug von Toren"

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Serhou Guirassy reifte vergleichsweise spät zum Star und entfaltete mit zeitlichem Verzug eine unglaubliche Wucht. Im Interview spricht der Torjäger von Borussia Dortmund über die Bedeutung von Rückschlägen für seine Entwicklung, seinen unstillbaren Torhunger und Hass im Netz.

Interview: FELIX AHNS

Serhou Guirassy ist einer dieser ganz wenigen Stürmer, von denen man gemeinhin behauptet, sie hätten so etwas wie eine fast schon genetisch verankerte Garantie. Eine auf das Erzielen vieler Tore. Saison für Saison. Immer und immer wieder. Diese These lässt sich naturwissenschaftlich selbstverständlich nicht halten, und doch wirkt es manchmal so, als wären Borussia Dortmunds Stürmer und der Ball zwei Pole, die sich auf dem Platz suchen und auf magische Art und Weise anziehen. Dass dieser Eindruck nicht immer vorherrschte, gehört zur Wahrheit.

- PAUL HÜTTEMANN UND FERDAUS NAYEBI

Herr Guirassy, in den vergangenen drei Spielzeiten waren Sie immer unter den drei besten Torjägern der Bundesliga. Denkt man da irgendwann: "Vielleicht bin ich wirklich ein außergewöhnlich guter Stürmer?"

SERHOU GUIRASSY: (lacht) Diese Statistik war mir gar nicht bewusst, aber sie freut mich natürlich. Ab und an rede ich mit meinen Freunden darüber, dass es cool wäre, irgendwann die Torjägerkanone zu holen. Aber das ist ja leichter gesagt als getan. Es gibt manchmal einfach Spieler, die besser sind, das muss man dann auch ehrlich sagen. Harry Kane trifft in einem unglaublichen Rhythmus. Bayern München ist offensiv ohnehin extrem stark mit Spielern wie Luis Díaz und Michael Olise. Das muss man auch anerkennen. Ich versuche, so nah wie möglich dranzubleiben. Aber natürlich ist es schön, unter den besten Torschützen zu sein. Das zeugt von Konstanz.

In der Saison 2024/25 waren Sie Top-Torjäger der UEFA Champions League …

GUIRASSY: Für mich war das gar nicht so besonders. Ich spiele einfach nur Fußball. Meine Freunde allerdings haben ständig darüber gesprochen und wollten bei mir zu Hause immer Fotos mit der Trophäe machen. Das ist schön, aber ob mit dieser oder ohne diese Auszeichnung – ich bleibe derselbe Mensch.

Was sagen Ihre Kinder zu den Trophäen?

GUIRASSY: Mein Sohn mag eher die "Man of the Match"-Trophäen. Die feiert er richtig.

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Sie haben in der Bundesliga für den 1. FC Köln, den VfB Stuttgart und für Borussia Dortmund gespielt. Drei Clubs mit unglaublichen Fans. Ist Ihnen bewusst, was für ein Glück das ist?

GUIRASSY: In Köln waren bei jedem Spiel 50.000 Fans, das war unglaublich. Stuttgart war auch stark. Und Dortmund hat mit das beste Publikum der Welt. Man muss sich schon bewusst machen, was für ein Glück es ist, für solche Vereine gespielt zu haben. Später kann ich einmal sagen: Ich habe im SIGNAL IDUNA PARK gespielt, in der MHP Arena oder im RheinEnergie-STADION. Das sind Stadien, die jeder kennt. Das macht mich natürlich stolz. Vor allem wenn ich das mit Frankreich vergleiche, da gibt es in atmosphärischer Hinsicht schon einen großen Unterschied. Die Stimmung in diesen Stadien hier ist wirklich beeindruckend.

Lässt sich das Gefühl, in Dortmund vor der Südtribüne zu treffen, beschreiben?

GUIRASSY: Man muss für Borussia Dortmund spielen, um dieses Gefühl zu verstehen. Vor der Südtribüne, der "Gelben Wand", zu treffen, ist als BVB-Spieler immer etwas sehr Emotionales. Hier Tore zu schießen, das gibt dir einen echten Adrenalinkick.

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Stürmer werden an Toren gemessen, in der Bundesliga-Saison 2025/26 haben Sie in 33 Spielen 17 Tore erzielt. Gibt es in Ihrem Sportleben so etwas wie Zufriedenheit?

GUIRASSY: Das sind natürlich gute Zahlen für einen Stürmer. Aber ich will immer mehr. Für mich reicht das noch nicht. Wenn du jemand anderen fragen würdest, wäre der wahrscheinlich sehr glücklich über 17 Saisontore. Aber ich bekomme einfach nicht genug von Toren.

Ihre Verbindung mit Julian Ryerson hat über die ganze Saison gut funktioniert und scheint eine besondere zu sein. Teilen Sie diesen Eindruck?

GUIRASSY: Ja, auf jeden Fall. Wir reden viel miteinander, es geht nicht immer um Fußballfachliches, manchmal sind es auch einfach nur Späße. Ich sage Julian oft: "Wenn du einen Assist willst, dann gib mir den Ball." Er hat in der vergangenen Saison 15 Assists in der Bundesliga gesammelt – als Verteidiger. Das zeigt schon seine Qualität. Wir versuchen einfach, Julians Stärken bestmöglich zu nutzen.

Guirassy knipst wieder

Flanke Ryerson – Tor Guirassy. Auch deshalb trifft und trifft und trifft der 30-Jährige. Doch das war nicht immer so. Zwischen 2016 und 2019 trägt Guirassy das Trikot des 1. FC Köln. Seine Bilanz im Geißbock-Trikot fällt mit neun Treffern in 45 Einsätzen eher überschaubar aus. Die offensive Konkurrenzsituation im Kader ist groß: Jhon Cordoba, Simon Terodde, Simon Zoller, Anthony Modeste. Und eben Serhou Guirassy: ein junger Mann, der seine Balance zu diesem Zeitpunkt noch nicht gefunden hat.

Als Sie Anfang 20 waren, haben Sie zweieinhalb Jahre lang beim 1. FC Köln gespielt. Wie würden Sie diese Zeit beschreiben?

GUIRASSY: Eine Zeit des Lernens. Ja, wenn ich ein Wort nennen müsste, dann wäre es dieses – lernen.

Was mussten Sie lernen?

GUIRASSY: Ich bin als junger Franzose ins Ausland gegangen. Da lernst du automatisch eine Menge. Es gab bei uns im Team erfahrene Spieler wie Anthony Modeste, der damals richtig stark war. Du schaust dir an, wie solche Spieler arbeiten. Außerdem war ich häufig verletzt und habe dadurch viel über meinen Körper gelernt. Es war einfach eine lange, intensive Lernphase, sportlich und persönlich. 

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Viele junge Talente verschwinden in schwierigen Momenten aus dem Profifußball.

GUIRASSY: Ja, absolut. Die Menschen sehen oft nur das Geld und die schönen Seiten. Aber Profifußball ist extrem hart. Wenn ich zum Beispiel Leute auf Portalen wie X sehe, die Spieler beleidigen, dann tut es mir leid für diese Kollegen, denn niemand verdient so etwas. Wir sind ganz normale Menschen. Kritik ist okay, aber Beleidigungen sind es nicht. Ich gebe persönlich nichts auf anonyme Beleidigungen von fremden Menschen, daher ist mir das inzwischen egal.

Sie wirken sehr ruhig und abgeklärt, auch wenn Sie über schwierige Zeiten sprechen …

GUIRASSY: Ich bin älter geworden, reifer geworden, das hilft natürlich. Auch in diesem Jahr gab es schwierige Momente. Sieben Bundesliga-Spiele am Stück ohne Tor – das war eine solche Phase. Klar wirkt sich das auf dein Selbstvertrauen aus. Aber du musst weiterarbeiten und die Hoffnung wahren. Irgendwann ändern sich die Dinge wieder.

Dies ist ein Auszug aus dem Gespräch mit Serhou Guirassy in Ausgabe 2|2026 von BUNDESLIGA – Das Magazin der DFL. Im vollständigen Interview spricht der Stürmer von Borussia Dortmund auch darüber, wie er Widerstände überwinden konnte und weshalb ihn das stark macht. Das ganze Interview gibt es im ePaper

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