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Nico Schlotterbeck ist Dortmunds emotionaler Leader

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Nico Schlotterbeck geht bei Borussia Dortmund längst über die Rolle des Abwehrspielers hinaus. Mit Mentalität, Verantwortungsbewusstsein und Spielintelligenz prägt er das Dortmunder Spiel in vielen Facetten – und zeigt immer häufiger, wie unverzichtbar er sportlich wie emotional für den BVB ist.

Zweimal bekam Borussia Dortmund beim knappen 3:2-Sieg gegen den 1. FC Heidenheim einen Elfmeter zugesprochen. Beide Male nahm Nico Schlotterbeck den Ball in die Hand, als wolle er signalisieren, dass er die Aufgabe übernehmen wird. Doch in beiden Fällen reichte der Abwehrboss des BVB das Spielgerät kurz vor der Ausführung an seinen Teamkollegen Serhou Guirassy weiter.

Schlotterbeck begründete sein Handeln im Nachgang der Partie wie folgt: Solange ein Elfmeter noch vom VAR überprüft wird, sei der Plan der gegnerischen Spieler, "den Schützen zu verunsichern", so der 26-Jährige, der anfügte: "Elfmeter sind nicht meine Kerndisziplin. Ich habe gewartet, bis alle raus sind und habe Serhou gefragt, ob er sich sicher fühlt und schießen will."

Auch wenn Guirassy letztendlich nur einen der beiden Strafstöße im Heidenheimer Tor unterbrachte, bestätigte diese Aktion einmal mehr, was für eine Art Spielertyp Schlotterbeck ist: Er ist ein Teamplayer. Jemand, der alles für den Erfolg der eigenen Mannschaft tut. Er ist ein echter Anführer.

Schlotterbeck spielt immer

Das belegen schon allein seine Einsatzzeiten: An den ersten drei Spieltagen fehlte Schlotterbeck zwar noch wegen eines Meniskusrisses, am 9. Spieltag in Augsburg musste er erkrankt passen – ansonsten jedoch stand der 23-malige Nationalspieler in dieser Saison immer in der Startelf, wenn er zur Verfügung stand. In seinen 16 Saisoneinsätzen spielte er immer durch, neunmal davon führte er, der nach Emre Can eigentlich nur Vize-Kapitän ist, seinen BVB sogar mit der Binde am Arm aufs Feld.

Die Rolle, die er schon in der letzten Saison in einigen Spielen innehatte, steht ihm äußerst gut. Zwar ist seine Zweikampfquote von 59 Prozent noch ausbaufähig (2024/25 lag sie bei 61 Prozent, 2022/23 sogar einst bei 67 Prozent), doch seine Qualitäten beschränken sich nicht "nur" auf das Verteidigen: Pro 90 Minuten ist der Linksfuß 86-mal am Ball (absolut beim BVB nur Waldemar Anton öfter), Schlotterbeck spielte bislang mit Abstand die meisten langen (143) und die meisten schweren (208) Pässe unter den Feldspielern der Borussia – in beiden Fällen kamen gute 55 Prozent an.

Lässt nicht nur bei seinem Torjubel seine Muskeln spielen: Nico Schlotterbeck - IMAGO/Sebastian Räppold/Matthias Koch

Den persönlichen Torrekord im Auge

Da liegt es auf der Hand, dass Schlotterbeck aufgrund seiner ausgeprägten Offensiv-Qualitäten auch gern mal den einen oder anderen Scorerpunkt sammelt: 14-mal traf der 1,91 Meter große Verteidiger insgesamt schon in der Bundesliga – in dieser Saison dreimal (zweimal nach Ecken per Kopf). Von seinem persönlichen Saisonrekord (jeweils vier Tore 2021/22 für Freiburg und 2022/23 für den BVB) ist er nur noch einen Treffer entfernt – und ein paar Spieltage sind ja noch zu spielen.

Seit dem knappen Sieg gegen Heidenheim stand Schlotterbeck nun genau 100 Mal für die Schwarz-Gelben in der Bundesliga auf dem Platz. Wie viele Spiele müssen noch hinzukommen, bis er seine Borussia zu einem Titel führt? Diese Frage scheint sich das Mentalitätsmonster immer öfter zu stellen – gemessen daran, wie häufig er in der jüngeren Vergangenheit durchklingen ließ, wie hungrig er auf einen Titelgewinn ist. Die Antwort auf diese Frage weiß keiner. Doch mit einem solchen emotionalen Leader scheint beim BVB nichts unmöglich.