Dortmund - Wie die kleinen Kinder tanzten die Dortmunder nach dem Abpfiff über den Rasen, Torschütze Pierre-Emerick Aubameyang herzte breit grinsend jeden, der ihm über den Weg lief, und die Fans feierten und sangen voller Glückseligkeit: "Oh, wie ist das schön…!"

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Bilder, die deutlich machen, welch große Emotion der 1:0-Erfolg im Klassiker über den FC Bayern München bei Borussia Dortmund freigesetzt hat. Nach über vier Jahren endlich wieder ein Heimsieg gegen den Rekordmeister, mit dem sich der BVB gleichzeitig im Titeltrennen der Bundesliga zurück gemeldet hat. Schwarz-gelbes-Herz, was willst Du mehr?

"Es gibt nicht geileres, als Bayern zu schlagen"

"Wenn man im Stadion diese Emotionen und diese überschäumende Freude gesehen hat – das vergisst man nicht", war auch Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke am Tag danach noch ganz begeistert. Und einmal in Fahrt, ließ der BVB-Boss auf der Mitgliederversammlung des Vereins am Sonntag seinen Gefühlen einfach mal freien Lauf: "Es gibt nichts geileres, als Bayern München zu schlagen."

Der Erfolg wirkt umso mehr nach, weil er vorher nicht unbedingt zu erwarten war. Die Borussia hatte im Oktober eine schwierige Phase, bei der Ergebnisse und Leistung hinter den Erwartungen zurück blieben. "Aber wir haben uns nie aufgeben, wir haben uns auch durch die ganz schweren Wochen gequält", stellte Watzke jetzt nicht ohne Stolz fest. In einer Phase, in der der Ball nicht unbedingt immer ein Freund der Dortmunder war, hat die Mannschaft den Kampf, den Willen und die Leidenschaft nie vermissen lassen.

Gegen die Bayern versetzte das Berge, als es spielerisch nicht mehr weiterging. Eine halbe Stunde hatte Tuchel den Rekordmeister mit ungewohnter 3-1-4-2-Formation und mutigem Fußball überrascht. Der BVB stand hoch, presste mit viel Druck, attackierte früh und besetzte vorne die Räume gut. Die Folge: Einige schöne Kombinationen und das goldene Tor des Abends. Erster Assist für einen starken Mario Götze, den Thomas Tuchel nach Abpfiff besonders hervorhob: "Er war wahnsinnig fleißig. Die Torbeteiligung ist genau das, was ihn jetzt wieder einen Schritt nach vorne bringt." Dazu Treffer Nummer 12 für Aubameyang – inklusive drei Liegestütze als Torjubel.

"Echte Männermannschaft" hält die Null

Als die Bayern dann von Minute zu Minute dominanter wurden, musste Dortmund unermüdlich gegen den Ball arbeiten, kämpfen und beißen – und tat genau das. "Wir wussten schon vor dem Spiel, dass wir leiden müssen. Aber wir waren auf dem Feld eine echte Männermannschaft", meinte André Schürrle nach der Partie im Interview. Auch Sportdirektor Michael Zorc verteilte ein dickes Lob: "Wir haben eine brutale Mentalität auf dem Platz gehabt. Man hat den Geist gespürt, dieses Spiel unbedingt und mit allen Mitteln gewinnen zu wollen."

Der Sieg über die Bayern hat den BVB nicht nur bis auf drei Punkte an den Titelverteidiger herangebracht, er hat auch neues Selbstbewusstsein und eine neue Überzeugung freigesetzt. "Wir sind bereit, wir sind da", stellte Pierre-Emerick Aubameyang zufrieden fest. Auch für Thomas Tuchel ist der Sieg über die Münchner "ein absoluter Meilenstein. Es ist das Statement schlechthin, wenn du die Bayern schlägst."

Die ganz große Kampfansage an die Konkurrenten an der Tabellenspitze vermieden die Dortmunder zwar. Die deutlichsten Worte fand noch Ex-Borusse Ilkay Gündogan, der seine Gratulation aus dem fernen Manchester mit dem knappen Hinweis garnierte: "Zurück im Titelrennen." Doch ein paar kleine Spitzen gegen den neuen Bundesligaprimus wollte sich zumindest Hans-Joachim Watzke nicht ganz verkneifen. Er schickte Glückwünsche "für die vorübergehende Tabellenführung" nach Leipzig und sprach von einer Momentaufnahme mit dem Aufsteiger an der Spitze: "Die müssen ja auch noch nach Dortmund kommen."

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte