Köln - Mit 15 Punkten aus 17 Partien spielte Borussia Dortmund eine Hinrunde zum Vergessen. Wer im Trainingslager im südspanischen La Manga jetzt Tristesse oder hängende Köpfe erwartet, wird aber enttäuscht. Beim BVB herrscht Optimismus pur, das Ziel ist klar definiert: Aufholjagd!

Jürgen Klopp ist ja bekannt für seine knallharten Analysen. Und so hat der Coach des BVB natürlich auch eine Erklärung für die bislang verkorkste Saison. "Wir sind maximal selbstkritisch. Aber viele Fehler haben wir nicht gemacht", erklärte er im ’kicker’. Eine Aussage, die auf den ersten Blick vielleicht etwas verblüffen mag, bei genauerem Betrachten aber mehr als stimmig ist - wie ein Blick auf die Statistik beweist.

Einzig der FC Bayern hatte mehr Spielanteile (66 Prozent) als Dortmund (54,6 Prozent). Auch 289 Torschüsse werden nur vom Herbstmeister (321) überboten. Zudem ist die Elf mit durchschnittlich 120,3 Kilometer pro Spiel das lauffreudigste Team der Liga. Zahlen, die Klopps Aussage allesamt untermauern.

"Die Situation hat uns aus der Bahn geworfen"

Doch warum lief es dann trotzdem nicht rund? Mats Hummels hat eine einfache Antwort: "Am Ende der Hinrunde war es so, dass wir ein Problem mit dem Selbstvertrauen hatten. Das war für jeden ersichtlich. Die Situation hat uns ziemlich aus der Bahn geworfen“, sagte der Kapitän auf einer Pressekonferenz im Trainingslager. Und auch das lässt sich mit Zahlen durchaus eindrucksvoll belegen.

Nur der Hamburger SV hat eine schlechtere Trefferquote als die Borussia: Durchschnittlich landete nur jeder 17. Torschuss im Tor. Und auch in der Defensive lief oft nicht viel zusammen. Einzig der Tabellenletzte aus Freiburg machte vor Gegentreffern mehr schwere Fehler (sechs) als Jungs von Jürgen Klopp (fünf). Statistiken, die bestimmt nicht von einem Team stammen, dass vor Selbstvertrauen nur so strotzt.

Dennoch sind sich Klopp und Hummels einig: In der Rückrunde wird alles besser. "Wir haben uns nicht zerstritten. Ich wurde nicht entlassen. Es wurde niemand weggeschickt. Es wird niemand einen Kopf kürzer gemacht. Alle haben ein halbes Jahr Lebenserfahrung mehr“, so der 47-Jährige.

Hummels sieht das nicht anders: “Wenn man sich jetzt das Training anschaut, die Bereitschaft, die technischen Fähigkeiten, das Niveau, dann sieht man, dass jeder nicht nur das Beste aus sich selbst herausholen, sondern auch seinen Teil für die Mannschaft noch besser erfüllen möchte. Ich bin zuversichtlich, dass wir das am 31. Januar auch auf den Platz bringen können."

Zufrieden mit der Trainingssituation

Damit es zum Rückrundenauftakt gegen Bayer Leverkusen dann auch wirklich mit einem Dreier losgeht, hofft der 26-Jährige, dass der BVB vom Verletzungspech der Hinrunde verschont bleibt. Derzeit fehlen mit Erik Durm (Muskelfaserriss) und Sven Bender (Meniskus-Operation) lediglich zwei Spieler. "Das ist nicht optimal. Aber wenn's dabei bleibt, geht's noch. Der Fußball wird immer schneller, alle Teams haben mehr Verletzungen", so Hummels.

Auch Klopp selbst, ist mit der aktuellen Personal- und vor allem Trainingssituation mehr als zufrieden. “Jetzt haben wir in gut einer Woche des neuen Jahres schon häufiger zusammen trainiert als in der siebenwöchigen Sommervorbereitung. Wir können jetzt das machen, was wir vorher nicht tun konnten - mit einer großen Gruppe an unseren Abläufen arbeiten."

Man merkt dem ganzen Verein an, dass die Lust auf Wiedergutmachung groß ist. Besonders der Trainer kann den Auftakt kaum erwarten: “Wir sehen alle Gegner, die wir uns schnappen wollen. Wir sind vier Punkte weg von der Region, in die wir nun wollen. In die wir müssen. Zu sagen, wir sind nicht in der Lage, vier, fünf Punkte auf wen auch immer aufzuholen, wäre unangemessen pessimistisch.“ Und Pessimismus sucht man bei Schwarzgelb dieser Tage vergeblich.

Von Thomas Ziemann