Köln - Wenn Borussia Dortmund auf die TSG 1899 Hoffenheim trifft, prickelt es immer ganz besonders. Das war bereits in der Vergangenheit immer der Fall und wird an diesem 32. Spieltag erst recht wieder so sein. Denn diesmal duellieren sich beide Vereine um Platz drei, der zur direkten Teilnahme an der Champions League berechtigt. Bei beiden Clubs bauen die Trainer auf eine Reihe von unverzichtbaren Spielern.

Die Trainer: Tuchel / Nagelsmann

Thomas Tuchel und Julian Nagelsmann kennen und schätzen sich schon lange. Sie haben eine gemeinsame Vergangenheit bei der zweiten Mannschaft des FC Augsburg, als der 14 Jahre ältere Tuchel den Spieler Nagelsmann coachte. Ihr Werdegang weist viele Parallelen auf. Beide mussten ihre Spielerkarriere sehr früh beenden, beide begannen als Jugendtrainer und holten Deutsche Meistertitel. Beide wurden danach im laufenden Spielbetrieb zum Cheftrainer der Profis befördert und sorgten auch in der Bundesliga für Furore.

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In ihren taktischen Vorstellungen unterscheiden sie sich. Tuchel lässt sein Team flexibel agieren. Der 43-Jährige setzt auf kontrolliertes Kurzpassspiel in verschiedenen Systemen. Nagelsmann favorisiert in der Regel ein 3-5-2 mit aggressivem Pressing sowie Tempo und Risiko im Spiel nach vorne.

Die Stützen: Sokratis / Süle

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Sokratis ist ein echter Typ mit Ausstrahlung. Viel Kommunikation betreibt er mit seinem zum Markenzeichen gewordenen, grimmigen Blick. Der 28-Jährige gewann in dieser Saison 66 Prozent seiner Duelle und ist damit einer der zweikampfstärksten Spieler der Bundesliga.

Sein Hoffenheimer Pendant Niklas Süle spielt nicht so zentral. Der 21-Jährige kommt auf den exakt gleichen Zweikampfwert (66 Prozent) wie der Grieche - Bestwert unter den Hoffenheimer Profis. Und er begeht dabei auch kaum Fouls in Strafraumnähe. Außerdem beherrscht Süle die Spieleröffnung, seine Fehlpassquote liegt nur bei zwölf Prozent.

Die Organisatoren: Weigl / Rudy

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Smart und intelligent geht Julian Weigl mit den Medien um. Und genauso agiert er auch auf dem Feld. Er ist eine etablierte Stammkraft beim BVB und spielt vor der Abwehr sehr klar und einfach. Der laufstarke 21-Jährige agiert unheimlich abgeklärt und ist im Spielaufbau ein ganz wichtiger Faktor: Er erlaubte sich nur eine Fehlpassquote von zehn Prozent – einer der Top-Werte der Bundesliga. Mit seinen 61 Prozent gewonnenen Duellen ist der zweikampfstärkste Mittelfeldspieler der Bundesliga.

Der spielintelligente Sebastian Rudy ähnelt Weigl als Ballverteiler und Stratege, ist aber mit einer Quote von 53 Prozent nicht so zweikampfstark wie der Dortmunder. Der Hoffenheimer Vizekapitän hat dafür starke Offensivwerte und ist mit sieben Torvorlagen (sechs davon nach Freistößen) hinter Andrej Kramaric der zweitbeste Hoffenheimer Assistgeber.

Die Kreativen: Reus / Demirbay

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Der außergewöhnlich schnelle und trickreiche Marco Reus ist jederzeit dazu in der Lage, ein Spiel aus dem Nichts mit einer Einzelaktion zu entscheiden. Marco Reus kam wegen diverser Verletzungen in dieser Bundesliga-Saison erst 14 Mal zum Einsatz, sammelte dabei aber acht Scorer-Punkte (vier Tore, vier Torvorlagen). Seit seinem jüngsten Comeback nach einem Muskelfaserriss traf er im April in vier seiner fünf Pflichtspiele, davon zwei Tore in drei Bundesliga-Spielen (29. bis 31. Spieltag).

Schon in der 2. Bundesliga deutete Kerem Demirbay seine Extraklasse bei Fortuna Düsseldorf an. Nun startet er eine Liga höher in Hoffenheim richtig durch. Der Linksfuß ist ballsicher und hat große Qualitäten im Dribbling. Der 23-Jährige ist aber auch sehr bissig, engagiert sowie laufstark und sicherte sich dank dieser Vorzüge einen Stammplatz im zentralen Mittelfeld. Seine 13 Scorer-Punkte (sechs Tore, sieben Torvorlagen) überbietet bei der TSG nur Andrej Kramaric.

Die Knipser: Aubameyang / Kramaric

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Pierre-Emerick Aubameyang hat noch nie gegen die TSG verloren und in den letzten drei Spielen gegen die Kraichgauer immer getroffen. Er hat alleine in dieser Saison mehr Treffer erzielt als die beiden besten Hoffenheimer Torschützen Andrej Kramaric und Sandro Wagner zusammen und aktuell 27 Tore auf dem Konto. Der 27-Jährige benötigte im Schnitt weniger als vier Torschüsse für einen Treffer - eine ganz starke Quote.

Andrej Kramaric absolvierte als einziger Hoffenheimer Feldspieler alle 31 Saisonspiele. Er war bereits an 20 Treffern der TSG beteiligt (zwölf erzielt und acht aufgelegt) und ist damit Hoffenheims Topscorer. Neun seiner zwölf Treffer schoss er nach der Winterpause, vier als Joker.

Tobias Gonscherowski