Die Top 4 der Bundesliga legten vor, Borussia Dortmund zog mit dem 3:2-Auswärtssieg beim 1. FC Köln nach. Das Führungsquintett der Eliteliga gab sich zum Rückrundenstart keine Blöße und landete ausnahmslos "Dreier".

Da die Konkurrenz aus Bremen, Hoffenheim und Wolfsburg durchweg patzte, hat sich Borussia Dortmund vorerst im Kreis der Großen etabliert.

"Ich sehe uns nicht auf Augenhöhe mit dem HSV"

Somit steigt am kommenden Samstag ein echtes Spitzenspiel im Signal Iduna Park, wenn Gastgeber Borussia Dortmund auf den auswärts noch ungeschlagenen Hamburger SV trifft. Mit einem Erfolg über die Hanseaten könnte der BVB sogar an den Nordlichtern vorbeiziehen.

Dennoch weist die Dortmunder Führungsriege Vergleiche mit dem Hamburger SV weit von sich. "Ich sehe uns nicht auf Augenhöhe mit dem HSV, weil der HSV etwas mehr Erfahrung im Kampf um die vorderen Plätze mitbringt und durch die internationale Spiele das Quentchen Cleverness mehr hat als unsere Mannschaft", sagt BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball.

"Wir haben immer noch eine sehr junge Mannschaft. Wir haben es ja in Köln gesehen, wie jung unsere Mannschaft ist. Es ist toll, wie sie sich entwickelt. Aber ich will nicht damit anfangen, uns auf Augenhöhe mit den Mannschaften vor uns zu sehen", so Rauball weiter.

"Wir haben nichts mit der Meisterschaft zu tun"

Während die euphorischen Dortmunder Fans bereits von der Meisterschaft singen und "Kaiser" Franz Beckenbauer die Borussia für einen ernsthaften Titelanwärter hält, ist von der Vereinsführung Understatement angesagt.

"Wir haben nichts mit der Meisterschaft zu tun", wehrt sich auch Hans-Joachim Watzke. "Wir können froh und glücklich sein, dass wir auf dem 5. Platz stehen, dass wir fünf Punkte Vorsprung auf den Sechsten haben. Das sind die Dinge, die eine Rolle spielen. Wir sollten uns von niemanden suggerieren lassen, dass wir Meister werden können."

Na gut, vielleicht noch nicht Meister, aber die Europa League müsste doch machbar sein. Aber selbst bei dem Thema mauern die Protagonisten - Bescheidenheit ist Trumpf. "Wir machen uns keinerlei Druck. Wir müssen nicht Fünfter werden. Wir wollen wieder einfach nur eine gute Saison spielen", meint BVB-Verteidiger Mats Hummels, dessen "Doppelpack" in Köln die Borussia auf die Siegerstraße brachte.

Beeindruckende Serie

Dabei sind die aktuellen Zahlen des sechsmaligen deutschen Meisters imponierend. Seit elf Spielen sind die "Schwarz-Gelben" ungeschlagen, die letzten fünf Partien hat der Verein gewonnen. Fünf Punkte trennen Dortmund von der Tabellenspitze, fünf Punkte Vorsprung hat die Borussia auf Rang 6.

Die Mannschaft hat sich nach schwachem Saisonstart mit nur sechs Punkten aus den ersten sieben Spielen und heftigen Klatschen beim HSV (1:4) und daheim gegen Bayern München (1:5) gefangen und eine fulminante Aufholjagd gestartet.

"Wir wollen einen leidenschaftlichen Fußball spielen. Wir geben nie auf, wir wollen immer mehr und geben alles", beschreibt Youngster Sven Bender die typisch Dortmunder Malocher-Qualitäten, die zum Erfolg führen. Damit hält sich der BVB Gegner aus der zweiten Tabellenhälfte wie den 1. FC Köln vom Leib.

"Wir müssen noch eine Schippe drauflegen"

Gegen die Topclubs der Bundesliga reicht das (noch) nicht. Gegen die fünf härtesten Konkurrenten blieb die Borussia sieglos, holte in fünf Duellen nur zwei Remis. Insofern fühlen sich die Vereinsbosse bestätigt, wenn sie höheren Ambitionen eine Absage erteilen.

Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Das Topspiel gegen den HSV könnte richtungsweisend für die weitere Saison werden. "Gegen Hamburg können wir uns aber nicht auf das Glück verlassen, das wir in Köln hatten, sondern müssen noch eine Schippe drauflegen", weiß Mats Hummels um die Schwere der Aufgabe.

"Wenn wir idealerweise alles reinhauen, was wir läuferisch zu bieten in der Lage sind, dann müssen die Hamburger uns auch erst einmal schlagen", schickt Hans-Joachim Watzke eine Kampfansage Richtung Norden. "Wir werden alles versuchen. Aber Hamburg hat eine tolle Mannschaft. Das wird ein knappes Spiel." Und die große Chance für den BVB sich weiter oben festzubeißen.

Tobias Gonscherowski