Mit Frankreich ist Benjamin Pavard bereits Weltmeister - jetzt will er auch mit den Bayern Titel holen - imago/Sportfoto Rudel
Mit Frankreich ist Benjamin Pavard bereits Weltmeister - jetzt will er auch mit den Bayern Titel holen - imago/Sportfoto Rudel
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Weltmeister Benjamin Pavard will beim FC Bayern München seinen Höhenflug fortsetzen

Köln - Der FC Bayern München arbeitet am großen Umbruch seines Kaders. Mit Benjamin Pavard steht der erste Neuzugang für den kommenden Sommer fest. Der Verteidiger kommt mit dem Prädikat Weltmeister vom VfB Stuttgart an die Isar - dabei spielte er vor 18 Monaten noch in der 2. Bundesliga.

Zuletzt stoppte ein Muskelfaserriss die makellose Bundesliga-Bilanz des jungen Franzosen. Seit der VfB Stuttgart im Sommer 2017 in die Bundesliga zurückgekehrt ist, hatte Benjamin Pavard in 48 Spielen in Folge jede Minute auf dem Platz gestanden. Bis er sich am 14. Spieltag kurz vor Spielende bei Borussia Mönchengladbach verletzte und danach die letzten drei Spiele der Hinrunde verpasste. Seinem unglaublichen Höhenflug konnte der kleinere Rückschlag aber nichts anhaben. Ein Höhenflug, der ihn im Sommer auf den nächsten Gipfel führen wird.

Nach Anfangsschwierigkeiten unumstrittener Stammspieler

Der Wechsel zum FC Bayern München steht fest, das hat FCB-Sportdirektor Hasan Salihamidzic im Trainingslager der Münchner in Katar verkündet. Für Pavard ist es der Schritt auf die ganz große Bühne im internationalen Clubfußball mit hoher Titelwahrscheinlichkeit und garantierter Präsenz in der Champions League. Nachdem er 2018 mit Frankreich Weltmeister geworden ist, kann er nun auch auf höchster Clubebene seine überragenden Qualitäten beweisen.

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Das war so im Sommer 2016 sicherlich nicht abzusehen. Damals kam er als 20-Jähriger Ende August zum VfB, der gerade in die 2. Bundesliga abgestiegen war. Beim OSC Lille hatte es Pavard in der Vorsaison immerhin auf 13 Einsätze in der Ligue 1 gebracht, sechs Mal hatte er in der Startelf gestanden. Am Neckar tat er sich indes zunächst schwer. Von den ersten sieben Spielen saß er fünf Mal über 90 Minuten auf der Bank. Fünf anschließenden Startelfeinsätzen folgten wiederum sechs Partien als Ersatzmann. Erst ab dem 24. Spieltag hatte sich Pavard in der ersten Elf der Schwaben festgespielt, seitdem war er unumstrittener Stammspieler.

Ein Tor trug Pavard zum WM-Gewinn der Franzosen in Russland bei - SAEED KHAN/AFP/Getty Images

Vielseitigkeit als Trumpf

Als "Bruder Leichtfuß" war der junge Franzose in seiner Anfangszeit in der Schwabenmetropole noch verschrien. Technisch versiert, schnell, mit gutem Auge und Stellungsspiel sowie starkem Zweikampfverhalten ausgestattet, schlichen sich hin und wieder aber noch Leichtsinnsfehler in sein Spiel ein. Doch das ist lange vorbei, heute ist Pavard einer der zuverlässigsten Leistungsträger beim VfB und auch in der französischen Nationalmannschaft gesetzt.

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Besonders schätzen seine Trainer dabei die Vielseitigkeit des heute 22-Jährigen. Innenverteidiger, defensives Mittelfeld, rechter Verteidiger, rechtes Mittelfeld - Pavard ist auf vielen Positionen zuhause. Beim VfB lief er in der aktuellen Saison vor allem als Chef der Viererkette auf. Beim WM-Triumph der Equipe Tricolore in Russland kam er indes zumeist als rechter Verteidiger zum Einsatz.

Rechts- oder Innenverteidiger

Diese Vielseitigkeit ist es auch, die den Rechtsfuß für die Bayern so interessant macht. Mit Jerome Boateng, Mats Hummels und Niklas Süle stehen dem Rekordmeister aktuell nur drei Innenverteidiger zur Verfügung, die beiden Erstgenannten haben zudem die 30 schon überschritten. Und Rechtsverteidiger Joshua Kimmich drängt immer mehr ins zentrale Mittelfeld, soll als Sechser die Geschicke der Münchner lenken. Da passt Pavard perfekt ins Profil. "Dass der Spieler auf mehreren Positionen einsetzbar ist, ist wohlüberlegt. Wir wissen, dass Benji gerne Innenverteidiger spielt, aber eben auch bei der WM richtig gute Leistungen auf der rechten Seite gebracht hat", sagt Salihamidzic.

Die Eingewöhnungszeit an der Isar sollte dem Franzosen auch nicht schwer fallen. Schließlich trifft er dort auf seinen Weltmeister-Kollegen Corentin Tolisso sowie Kingsley Coman, den er ebenfalls schon von der Nationalmannschaft bestens kennt. Beide können ihm sicherlich gute Tipps geben, was die Gepflogenheiten an der Säbener Straße betrifft.

Franzosen haben Tradition

Überhaupt haben Franzosen schon eine lange Tradition in München. Pavard wird bereits der achte Spieler aus dem Land des zweimaligen Weltmeisters bei den Bayern sein. Den Auftakt machte in den 90er Jahren Jean-Pierre Papin. Mit dem Stürmer, der aus dem gleichen Dorf stammt wie Pavard, holten die Münchner 1996 den UEFA-Cup. Bixente Lizerazu und Willy Sagnol gewannen mit dem FCB 2001 die Champions League und den Weltpokal, waren absolute Lieblingsspieler der Fans. Valerien Ismael war zwei Jahre in München.

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Der vielleicht größte Franzose der Bayern-Historie war und ist aber sicherlich Franck Ribéry. Der Stürmer ist seit 2007 acht Mal Deutscher Meister mit dem FCB geworden, damit der erfolgreichste Ausländer der Bundesliga-Geschicht. Beim Champions-League-Triumph 2013 und dem anschließenden Gewinn des Weltpokals war er natürlich auch dabei. Zudem tragen mit Tolisso und Coman zwei weitere Franzosen aktuell das Trikot der Bayern.

Pavard würde gerne die Erfolgsliste französischer Spieler in München fortsetzen. Einen großen Titel hat er als Weltmeister ja schon im Trophäenschrank stehen. Bis zum Ablauf seines Vertrags im Jahr 2024 sollen mit den Bayern noch ein paar Pokale dazukommen.

Von Tobias Schild