Köln - Die Fans des 1. FC Köln kommen sich langsam vor, wie im falschen Film. Immer wieder wiederholt sich die Geschichte. Die 1:2-Heimniederlage gegen den FC Augsburg war bereits die dritte in Serie nach einem ähnlichen Drehbuch.

Eigentlich hätten die Domstädter wie schon gegen Freiburg oder Hertha zumindest einen Punkt mitnehmen müssen, doch am Ende sprang nichts Zählbares heraus. So geht es für den FC in den noch drei ausstehenden, schweren Spielen vor der Winterpause – auf Schalke, gegen Mainz und in Wolfsburg - nur noch darum, den gefährlichen Abwärtstrend irgendwie zu stoppen.

Bestes Heimspiel in der 1. Halbzeit

Doch einfach wird dieses Unterfangen nicht. Denn inzwischen ist das Nervenkostüm der Kölner sichtbar angegriffen. Die Mannschaft von Peter Stöger hat bereits zu viele Chancen verpasst, sich von den Abstiegsrängen weiter abzusetzen. Stattdessen rücken die letzten drei Plätze immer näher, das Punktepolster ist fast aufgebraucht.

Unerklärlich war allen Protagonisten der Leistungseinbruch gegen Augsburg nach dem Seitenwechsel. Denn in der ersten Spielhälfte hatten die Kölner ihr bestes Heimspiel gezeigt. Die Mannschaft kombinierte sich gefällig vors Augsburger Tor, ging durch einen technisch anspruchsvollen Treffer von Anthony Ujah verdient in Führung und hätte den Vorsprung bei zahlreichen guten Tormöglichkeiten u.a. von Kevin Vogt oder Jonas Hector locker ausbauen können.

Doch mit Wiederanpfiff war von der Kölner Überlegenheit nichts mehr zu sehen. "Wir haben in der zweiten Halbzeit gespielt, als würden wir 0:3 hinten liegen", rätselte auch Innenverteidiger Kevin Wimmer über den Einbruch. "Es ist nur schwer zu erklären, warum sich das Blatt in der zweiten Halbzeit so gewendet hat. Das darf nicht passieren."

Führungsspieler mit schweren Patzern

Allgemeine Verunsicherung macht sich in den Reihen der Kölner breit. Die anfangs der Saison noch bombensichere Defensive kassierte in den letzten zehn Bundesliga-Partien 20 Gegentreffer und damit im Schnitt zwei pro Spiel. Das ist viel zu viel. In den letzten Spielen leisteten sich obendrein noch sonst eigentlich sehr zuverlässige Führungsspieler in bitterer Regelmäßigkeit individuelle Patzer: wie Ujah gegen Hertha, Horn und Lehmann in Leverkusen und nun Wimmer beim missglückten Rettungsversuch vor dem Augsburger Siegtor.

"Wie wir uns in der 2. Halbzeit präsentiert haben, war zu wenig. Wir haben zu wenig Gegenwehr geleistet und in einer solchen Phase kriegt man dann auch noch das späte Gegentor. Das ist bitter", ärgerte sich FC-Coach Peter Stöger über die dritte Niederlage in Folge. "Die Gegner haben sich besser auf uns eingestellt", hat Kevin Wimmer registriert. So agierte Augsburg zunächst ungewohnt zurückhaltend, um dann aber nach der Pause das Kommando zu übernehmen.

Hoffnung auf Besserung macht derzeit nur Anthony Ujah, der in der Offensive den Alleinunterhalter geben muss und immerhin schon fünf Tore erzielte. "Wir müssen in dieser schwieriger Situation weiter zusammenstehen und weiter kämpfen. Das ist die einzige Option", fordert der Nigerianer. Diesen Kampf wollen die Kölner annehmen und so wieder das Glück auf ihre Seite ziehen.

Hoffnung auf nächstes Auswärtsspiel

Denn zur aktuellen Formkrise gesellte sich auch eine gehörige Portion Pech. Wie schon gegen Hertha vor zwei Wochen wurde Alexander Essweins Schuss zum Gästesieg für FC-Keeper Timo Horn unhaltbar abgefälscht. "Das war schon das siebte oder achte abgefälschte Gegentor in dieser Saison, das ist extrem bitter", meinte der Torwart. "Wir waren in vielen Spielen ganz nah dran und hätten durchaus schon fünf oder sechs Punkte mehr auf dem Konto haben können, wenn wir ein bisschen mehr Glück gehabt hätten."

Am Samstag geht die Kölner Reise nun nach Schalke, wo ein Gegner auf den Aufsteiger wartet, der in der Bundesliga zuletzt drei Siege in Serie einfuhr und dabei elf Tore schoss. "Solche Spiele kommen uns gelegen. Wir sind Außenseiter und keiner erwartet von uns einen Punkt. Dann wollen wir erst recht zeigen, dass auch auswärts auf Schalke mit uns zu rechnen ist und wir uns dort nicht abschießen lassen", glaubt Kevin Wimmer an eine Trotzreaktion. "Wir werden alles daran setzen, vor Weihnachten noch ein paar Punkte zu holen." Die braucht der FC derzeit dringender denn je.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski