Am Samstag muss der ungeschlagene Tabellenführer aus Leverkusen in Bochum antreten. Der VfL zeigt eine Menge Respekt - "aber natürlich wollen wir Bayer gern ein Beinchen stellen", erklärt Paul Freier.

Vier Jahre lag schnürte Freier für Bayer Leverkusen die Schuhe, bevor er 2008 wieder zum VfL nach Bochum zurückkehrte. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht der 30-Jährige über die Titelperspektiven seines alten Clubs Bayer 04, über die Chancen des VfL am Samstag und über seine eigene Rolle in der Mannschaft.

bundesliga.de: Herr Freier, der VfL spielt am Samstag gegen den Tabellenführer - auch gegen den kommenden Deutschen Meister?

Paul Freier: Leverkusen ist auf einem sehr guten Weg. Aber noch stehen etliche Spieltage aus. Gerade im Endspurt in den letzten acht, neun Spielen wird sich zeigen, wie gefestigt die Mannschaft ist. Ich würde mich für die alten Kollegen freuen, wenn sie das schaffen. Aber es ist wirklich noch ein langer Weg und ich erwarte noch einen harten Zweikampf zwischen Leverkusen und den Bayern.

bundesliga.de: Glauben Sie, dass Leverkusen in diesem Jahr die Stärke und das Selbstbewusstsein hat, das Image des "ewigen Zweiten" abzustreifen?

Freier: Selbstbewusst ist Bayer immer aufgetreten, aber es hat manchmal an der nötigen Stabilität über eine ganze Saison gefehlt. Vor allem mit der Verpflichtung von Sami Hyypiä hat Leverkusen sich sehr gut verstärkt. Die Defensive war sonst immer der Schwachpunkt, jetzt bekommen sie mit Hyypiä sehr wenige Gegentreffer. Vorne war Bayer immer für ein Tor gut - jetzt stimmt die Mischung und auch die Defensivleistung ist überdurchschnittlich gut.

bundesliga.de: Wie kann der VfL denn Bayers Abwehr trotzdem knacken am Samstag?

Freier:(lacht) Das werde ich jetzt nicht verraten! Aber eines steht fest: Wir haben in dieser Woche sehr gut trainiert und wollen hundert Prozent unserer Leistung abrufen. Dann wird nach 90 Minuten abgerechnet.

bundesliga.de: Reichen dem VfL hundert Prozent gegen Leverkusen?

Freier: Ich weiß noch aus meiner Zeit in Leverkusen, das Bayer immer mit großem Respekt nach Bochum kommt. Sie werden uns auf keinen Fall unterschätzen. Es muss einfach alles stimmen bei uns, damit wir für unseren Einsatz am Ende auch belohnt werden.

bundesliga.de: Vor allem zuhause hat sich der VfL in den letzten Spielen oft schwer getan.

Freier: Es ist für jede Mannschaft wichtig, zuhause erfolgreich zu spielen und zu punkten. Das haben wir nicht in dem Maße getan, wie wir uns das selbst auch gewünscht hätten. Ich hoffe, dass wir das rewirpower-Stadion wieder zu einer Festung machen können und wir nicht nur auswärts gewinnen. Es ist auch schöner, in einem Heimspiel vor unseren Fans einen Sieg zu feiern.

bundesliga.de: Auch Heiko Herrlich hat betont, wie stark er Bayer einschätzt und dass der VfL mit einem Punkt durchaus zufrieden sein kann. Sehen Sie das ähnlich?

Freier: Man muss schon realistisch an das Spiel herangehen. Bayer ist nicht ohne Grund noch ungeschlagen in dieser Saison. Wir können jetzt nicht einfach daherkommen und verkünden, dass wir die Partie am Samstag gewinnen werden. Natürlich wollen wir Bayer gern ein Beinchen stellen. Aber dazu muss jeder Spieler auf dem Platz und auch jeder Einwechselspieler wissen, dass wir eine große mannschaftliche Geschlossenheit brauchen. Dann haben wir vielleicht eine Chance.

bundesliga.de: Rechnen Sie sich selbst gute Chancen aus, am Samstag in der Startelf zu stehen?

Freier: Das wird der Trainer entscheiden. Ich kann nur meine Leistung bringen und mich im Training anbieten. Für mich ist wichtig, dass wir als Mannschaft Erfolg haben - und das ist in den letzten Spielen ja der Fall gewesen.

bundesliga.de: Den letzten Einsatz von Beginn an hatten Sie gegen die Bayern - der VfL hat 1:5 verloren und Sie wurden ausgewechselt.

Freier: Das war nicht so schön, aber man sieht, wie schnell es im Fußball gehen kann. Schon beim darauf folgenden Spiel in Hannover wurde ich eingewechselt, habe ein Tor gemacht und wir haben das Spiel gedreht. Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft. Man darf sich nur nicht zu viele Gedanken machen.

bundesliga.de: Seit der Partie in Hannover hat der VfL acht Punkte geholt und ist seit vier Partien ungeschlagen. Dabei haben Sie jedes Mal als Einwechselspieler der Mannschaft neue Impulse gegeben. Entwickeln Sie sich etwa zum idealen Joker?

Freier:(lacht) Na ja, lieber wäre es mir schon, wieder von Anfang an zu spielen. Aber man muss als Profi mit jeder Situation umgehen und sie annehmen. Für mich zählt wirklich in erster Linie, dass wir als Mannschaft Erfolg haben. Meine persönlichen Ziele kommen dann erst an zweiter Stelle.

bundesliga.de: Der Trainer hat Sie gelobt, aber auch gesagt, Sie hätten noch etwas Luft nach oben. Hat er Recht?

Freier: Man hat immer noch Luft nach oben und ich arbeite weiter an mir. Aber es läuft zweifellos im Moment besser als noch vor drei, vier Monaten. Ich bin auch froh, dass ich zurzeit von Verletzungen verschont bleibe und fühle mich körperlich ganz gut. Ich freue mich auf jeden Fall auf das Spiel am Samstag!

Das Gespräch führte Dietmar Nolte