Lwiw - Das DFB-Team hat mit dem 2:1-Erfolg gegen Dänemark eine historische Vorrunde abgeschlossen, denn noch nie gewann eine deutsche Mannschaft alle drei Partien. Im Viertelfinale wartet am Freitag nun Griechenland. Joachim Löw sagt, was seine Spieler noch besser machen können und müssen, und erklärt, warum er Respekt vor dem nächsten Gegner hat.

Frage: Drei Spiele, drei Siege. Wie bewerten Sie die Leistung Ihrer Mannschaft in der EM-Vorrunde?

Joachim Löw: Wir haben in einer schweren Gruppe mit Top-Gegnern neun Punkte geholt, das ist unter dem Strich eine Klasseleistung. Aber wir können uns noch steigern, müssen uns noch steigern und wollen uns noch steigern. Denn wir haben erst ein Etappenziel erreicht.

Frage: Man hatte nach dem Sieg gegen Dänemark den Eindruck, dass Ihre Mannschaft, aber auch Sie selbst sich nur sehr verhalten gefreut haben. Lag das an dem Druck, der von allen abgefallen ist?

Löw: Die Freude war schon vorhanden, auch wenn das vielleicht nicht so rübergekommen ist. Einen Druckabfall gibt es bei so einem Turnier nicht unbedingt. Es war für uns das erste Entscheidungsspiel in diesem Turnier, das hat sicherlich eine Rolle gespielt.

Frage: Trotz des Erfolges war auch gegen die Dänen nicht alles Gold, was glänzt. Woran lag das?

Löw: Das war ein schwieriges Spiel für uns, weil wir eigentlich kaum etwas zu gewinnen hatten. Wir haben es in der ersten Halbzeit versäumt, die Sache klar zu machen. Da hat uns bei drei, vier Situation der Killerinstinkt gefehlt, um mit 3:0 oder 4:0 in Führung zu gehen. Dann gelingt den Dänen aus dem Nichts, aus einer Standardsituation der Ausgleich. Und auf einmal spielen andere Dinge eine Rolle. Da hat man im Hinterkopf, dass man auch mit sechs Punkten ausscheiden kann. (XL-Galerie: DFB-Stars in der Einzelkritik)

Frage: Im Viertelfinale trifft Deutschland auf Griechenland. Da müsste die Halbfinalteilnahme doch eine reine Formsache sein?

Löw: Das sehe ich anders. Das Viertelfinale wird ein ganz anderes Spiel, auch wenn die Griechen von der Spielweise den Dänen ähnlich sein werden. Die Griechen sind ein gefährlicher Gegner, sie werden versuchen, sich zurückzuziehen und das Tempo aus dem Spiel zu nehmen. Sie sind ein Meister der Effizienz, haben in diesem Turnier bisher drei Torchancen gehabt und drei Tore erzielt. Das sagt alles. Wir wissen ja aus vergangenen Turnieren, dass sie wahnsinnig gut verteidigen können, da beißt man auf Granit.

Frage: Ist es kein gutes Omen, dass Deutschland in bislang acht Spielen gegen Griechenland noch nie verloren hat?

Löw: Das wusste ich gar nicht. Ich habe lediglich daran gedacht, dass ich als Trainer noch nie gegen Griechenland gespielt habe und es mal Zeit wird. Ich habe ein paar enge Freunde aus Griechenland.

Frage: Was muss Ihre Mannschaft gegen Griechenland besser machen als in den drei Vorrundenspielen gegen Portugal, die Niederlande und Dänemark?

Löw: Wir müssen in der Offensive einen Tick besser spielen und vor allem unsere Chancenverwertung verbessern. Die Laufwege waren schon ganz gut, aber wir müssen erreichen, dass der Ball auch ankommt. Im Mittelfeld und in der Defensive hatten wir zudem manchmal noch zu große Lücken, das müssen wir abstellen. Da wir erst am Freitag in Gdansk praktisch vor unserer Haustür spielen, können wir uns nun aber etwas gezielter vorbereiten, müssen nicht mehr reisen.

Frage: Waren Sie mit dem Startelf-Debüt von Lars Bender zufrieden?

Löw: Lars Bender bringt alle Voraussetzungen mit, Außenverteidiger zu spielen. Beide Benders sind Siegertypen, sie sind unglaublich ehrgeizig, sehr positive Spieler. Lars hat sich gut eingefügt, er hat keine Angst, keinen überzogenen Respekt vor dem Gegner, auch wenn es eine völlig neue Aufgabe für ihn war. Als ich ihm mitgeteilt habe, dass er spielt, hat er gesagt: Ich freue mich. Das sagt alles über ihn.

Frage: Wird dennoch Jerome Boateng nach seiner Gelbsperre gegen Griechenland wieder auf seinen Platz in der Viererkette zurückkehren?

Löw: Das werde ich mir alles noch mal in Ruhe durch den Kopf gehen lassen. Da möchte ich mich nicht zu früh in eine Richtung orientieren. Boateng hat in den ersten beiden Spielen eine gute Leistung gezeigt.