München - Nach dem Finale ist vor dem Finale: Vier Tage nach dem Triumph in der Champions League über Borussia Dortmund (2:1) steckt der FC Bayern München schon wieder mitten in der Vorbereitung auf das Endspiel im DFB-Pokal gegen den VfB Stuttgart am Samstag (ab 19:30 Uhr im Live-Ticker) in Berlin.

Wer nun aber glaubt, im Rausch des seit zwölf Jahren herbeigesehnten Sieges in der "Königsklasse" würde man das letzte Pflichtspiel einer langen Saison womöglich etwas gelassener angehen, sieht sich ziemlich schnell getäuscht - vielmehr scheint der Rekordmeister gerade deshalb umso heißer darauf zu sein, einer grandiosen Spielzeit die Krone aufzusetzen: "Der Pokal hat an Wichtigkeit zugenommen. Jetzt ist es nicht mehr nur der DFB-Pokal, den wir gewinnen können - jetzt können wir Geschichte schreiben. Das Triple ist noch nie dagewesen. Wir sind alle hungrig, wollen das Triple holen und uns damit verewigen. Das ist eine Riesenmotivation", sagte Thomas Müller im Pressegespräch am Mittwoch.

FCB vor "historischer Chance"



Auch Franck Ribery wähnt die "Roten" vor einer "großen und historischen Chance", für die es die Anspannung noch einmal bis zum Anschlag hochzufahren gelte, bevor es dann endlich in die verdienten Ferien geht: "Wir müssen uns gut auf Samstag vorbereiten. Stuttgart hat eine gute Mannschaft, das wird nicht einfach, aber wir müssen gewinnen. Das ist sehr wichtig, auch für den Urlaub danach", meinte der Franzose.

Das Selbstbewusstsein des Starensembles von der Säbener Straße wirkt bisweilen beängstigend, aber auch beeindruckend. So kommentierte Müller das verbale Säbelrasseln der Schwaben, die bereits eine kämpferische Spielweise angekündigt haben, betont nüchtern und erläuterte: "Es wird natürlich zur Sache gehen. Wenn die Stuttgarter den Pokal holen, war es für sie auch eine gute Spielzeit. Damit kann man die Saison schon retten", so der Nationalspieler. "Wir haben noch nicht gewonnen. Wir müssen uns auch in diesem Spiel erst einmal alles erarbeiten."

Letztes Spiel für Heynckes



Nicht zuletzt, weil der Pokal zweifellos ein würdiges Abschiedsgeschenk für den scheidenden Meistercoach Jupp Heynckes wäre, der die zwölfeinhalb Pfund schwere Trophäe im Alter von 68 Jahren erstmals in seiner Trainerlaufbahn in die Höhe stemmen will. "Wir müssen auch für unseren Trainer diesen Pokal gewinnen. Jupp Heynckes hat den Pokal als Trainer noch nie gewonnen, deshalb ist das sehr wichtig für ihn", erklärte Ribery, während Müller ergänzte: "Heynckes lässt sich von seinem Weg nicht abbringen, auch in seinen Ansprachen ist keine Lockerheit zu spüren. Er will den Pott unbedingt holen."

Samstagabend gibt der FCB jetzt also nochmal Vollgas, am Sonntag stehen dann in jedem Fall die großen Feierlichkeiten zum Saisonabschluss im Vordergrund - ob Sieg oder Niederlage, Sonne oder Regen. "Wir können es uns nicht aussuchen. Wir können ja auch nicht erst Mitte Juni feiern, wenn es dann vielleicht mal einen Sonnentag gibt", nahm Müller die für die Jahreszeit geradezu gruseligen Witterungsbedingungen gelassen und war sich dennoch ganz sicher: "Wenn das Spiel am Samstag so ausgeht, wie wir uns das erwarten, wird das am Sonntag auf dem Marienplatz auch eine gute Party."

Aus München berichtet Stefan Missy