München - Pep Guardiola blickte im vollen Medienraum des FC Bayern ernst in die Runde, als er über den kommenden Gegner referierte. "Es wird ein sehr, sehr gefährliches Spiel gegen Gladbach", mahnte der Spanier, der bereits vor zwei Wochen genau diese Mannschaft beim "Telekom-Cup" mit 5:1 in die Knie gezwungen hatte - und das in nur 60 Minuten.

Tiefstapeln also statt Säbelrasseln vor dem Saisonstart des FC Bayern gegen Borussia Mönchengladbach (Fr., ab 20 Uhr im Live-Ticker)? Nicht unbedingt. Denn weil der Kantersieg in die Testphase fiel und die Borussen die letzten beiden Pflichtspiel-Duelle in der Allianz Arena unbeschadet blieben (1:0, 1:1) dürften die Münchner in der Tat gewarnt sein. Guardiolas Vorgänger Jupp Heynckes umschrieb die Gladbacher Taktik damals mit eienm Spinnennetz, in das sich die Münchner immer wieder verfingen.

Gegenseitiges Lob der Trainer



Die taktische Flexibilität unter Guardiola, so die Hoffnung des Triple-Siegers, soll dieses Mal dazu führen, dass die Gastgeber dieses Netz besser umgehen können. Zu vermuten ist allerdings auch, dass sich Favre ein neue "Anti-Bayern-Strategie" ausgedacht hat. "Sie beginnen meist mit einem 4-3-3, ändern es aber während des Spiels immer wieder. Sie kommen sehr viel über die Flügel, wo sie versuchen immer Überzahl zu schaffen", hat Borussen-Coach Lucien Favre analysiert. Den Gladbacher Coach hält sein FCB-Kollege für einen gewieften Taktikfuchs, denn es sei schwer "zwischen die Linien" der Borussen zu kommen.

Favre seinerseits spart ebenfalls nicht mit Lob. "Bayern eine der besten Mannschaften der Welt, vielleicht sogar die beste", so der Gladbacher Cheftrainer, der den "Guardiola-Effekt" im Münchner Starensemble schon erlannt hat. "Man sieht viel Typisches aus Barcelona." Für den Startschuss in die neue Bundesligasaison muss Bayern allerdings auf den einzigen Spieler verzichten, der die Ideen des Bayern-Coaches bereits verinnerlicht hat: Thiago hat Fieber und fehlt ebenso im Kader wie Luiz Gustavo, der sich noch im Aufbautraining befindet.

Guardiola hat noch keine Stammelf



Eine Aufstellung für Freitagabend habe er bereits im Kopf, wolle sie aber erst seinen Spielern verraten. Ob beispielsweise Javier Martinez und Bastian Schweinsteiger, die noch Trainingsrückstand aufwiesen, dabei sein werden, ließ Guardiola offen. Überhaupt sei eine Art Stammelf zunächst nicht in Sicht, die würde sich erst im zunehmenden Saisonverlauf herauskristallisieren. Dann dürfte auch Neuzugang Mario Götze eine wichtige Rolle einnehmen, der am kommenden Sonntag im Testspiel gegen den FC Györ seinen Einstand beim Rekordmeister geben wird.

Personalsorgen plagen Mönchengladbach nicht: Juan Arango und Amin Younes kehren nach überstandenen Blessuren zurück ins Team. Gegenüber der schmerzhaften Pokalpleite in Darmstadt dürfte Favre die "Fohlen" auf mehreren Positionen umkrempeln. So flog Lukas Rupp, der bei der 4:5-Pleite nach Elfmeterschießen noch auf der rechten Außenbahn eingesetzt wurde, erst gar nicht nach München mit. Damit dürfte der schnelle Patrick Herrmann, der für die angedachte Kontertaktik prädestiniert ist, in die Startelf rücken.

Ausschließlich auf Gegenangriffe will sich die Borussia aber nicht versteifen. "Lucien Favre weiß, dass es nicht ausreichen wird, sich vor dem eigenen Tor zu verbarrikadieren", sagt Sportdirektor Max Eberl. "Wir müssen den Mut haben, zu spielen." Immerhin gilt es, Guardiolas Worte zu bestätigen...

Aus München berichtet Johannes Fischer





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