München - Mit einer klaren 0:3-Niederlage beim VfB Stuttgart startete der FC Schalke 04 in die neue Spielzeit. Erinnerungen an den schwachen Start aus der Vorsaison wurden wach. Vier Niederlagen in den ersten vier Partien hatte es damals gegeben. Doch vier Wochen später ist das längst Vergangenheit. Stattdessen haben sich die "Königsblauen" zum Bayern-Jäger Nummer 1 entwickelt.

Zumindest in der Tabelle. Nach drei Bundesliga-Siegen in Folge stehen die "Knappen" nämlich punktgleich mit dem Spitzenreiter FC Bayern München auf Rang 2. "Wir sind froh, dass wir da oben sind und neun Punkte haben", sagte S04-Manager Horst Heldt. Doch warum läuft es bei der Truppe von Trainer Ralf Rangnick plötzlich so gut? bundesliga.de nennt die Gründe für Schalkes besten Saisonstart seit der Saison 2000/01.

Starke Offensive

Zwölf Großchancen spielten sich die Schalker bisher heraus - das ist Ligabestwert. Klaas-Jan Huntelaar, Raul und Co. zeigten sich zudem kaltschnäuzig vor dem Kasten - acht der zwölf Möglichkeiten führten zu Toren, hinzu kamen ein Strafstoßtreffer und ein Freistoßtor. Zum Vergleich: Der VfL Wolfsburg nutzte nur zwei seiner insgesamt sechs Großchancen.

Schalke 04 ist daher die einzige Mannschaft in der Bundesliga, die nach vier Spieltagen zweistellig getroffen hat. Insgesamt stehen zehn Treffer auf dem Konto der Gelsenkirchener. "Was die Jungs da vorne spielen, ist schon klasse", lobte Kapitän Benedikt Höwedes jüngst nach dem 6:1-Erfolg im Playoff-Rückspiel zur Europa-League-Gruppenphase gegen HJK Helsinki.

Und auch die Defensive scheint sich zu stabilisieren. Gegen Borussia Mönchengladbach gelang das erste Zu-Null-Spiel in der laufenden Saison. Dabei geriet Trainer Ralf Rangnick schon fast ins Schwärmen, lobte seine Elf in höchsten Tönen und sprach vom "mit Abstand besten Spiel gegen den Ball".

Die Moral stimmt

Schalke ist konditionsstark und kommt vor allem im zweiten Durchgang richtig in die Gänge. In den vergangenen drei Spielen zeigten die "Königsblauen" jeweils starke Laufleistungen nach dem Seitenwechsel und waren deutlich laufstärker als die Gegner Köln, Mainz und Mönchengladbach. Fast 70 Prozent der Torschüsse gaben sie nach der Pause ab und erzielten daher auch neun ihrer zehn Tore nach dem Seitenwechsel - das ist unangefochtener Bestwert. Für Mittelfeldmann Lewis Holtby ist die Erklärung ganz einfach: "Kondition, Effizienz und Bock auf Tore. Wir spielen einfach Tempofußball und haben Lust zu spielen."

Auch die Moral scheint zu stimmen. Gegen den Köln und Mainz wandelte der aktuelle DFB-Pokalsieger Rückstände in Siege um. "Das hat ganz klar den Grund, dass wir als Team so geschlossen sind. Jeder hilft und unterstützt jeden auf und neben dem Platz. So kann man dann auch Rückschläge wegstecken und Spiele drehen", erklärt Neuzugang Christian Fuchs.

Stark nach Standards

In der noch jungen Saison markierte kein Team mehr Tore nach Standardsituationen als die Schalker, die schon vier Mal nach Ecken oder Freistöße erfolgreich waren. Gefährlich sind die "Knappen" vor allem per Kopf. 19 Kopfballabschlüsse überbietet einzig der 1. FC Nürnberg, drei Kopfballtore sind Bestwert zusammen mit dem SV Werder Bremen.

Um das Flügelspiel zu forcieren, wurden im Sommer die offensivfreudigen Marco Höger (Alemannia Aachen) und Christian Fuchs (1. FSV Mainz 05) für die beiden Außenverteidigerpositionen verpflichtet. Der Plan ist nach vier Spieltagen aufgegangen. Schalkes 88 Flanken sind die meisten aller Teams, drei davon führten zum Torerfolg und gute 18 zu Torschüssen.

Höger und Fuchs schlagen ein

Dabei schlug Rechtsverteidiger Marco Höger mit 24 Flanken (davon führten zwei zu Toren) ligaweit die meisten, auf Platz zwei liegt sein Teamkollege Christian Fuchs mit 23 Hereingaben. Überhaupt leitete Schalke 83 Prozent (!) der Torschüsse über die Flügel ein, das ist deutlich der höchste Anteil aller Mannschaften. Fünf der zehn Tore fielen über die rechte Außenbahn.

Trotz Rang zwei sieht Rangnick seine Elf aber noch lange nicht als Bayern-Jäger. "Die Tabelle hat erst nach dem 10. Spieltag eine gewisse Aussagekraft", sagte der Trainer. "Aber ich bin mit der Entwicklung der Mannschaft zufrieden, vor allem wenn man ihr Alter bedenkt." Und der Prozess ist ja noch nicht abgeschlossen.

Robin Schmidt