Mönchengladbach - Der FC Bayern hat sich beim Telekom Cup in Mönchengladbach in beeindruckender Frühform präsentiert und die Konkurrenz in Staunen versetzt. Dabei ist die Mannschaft von Trainer Pep Guardiola noch nicht einmal komplett.

Boxweltmeister Wladimir Klitschko ließ es sich nicht nehmen "seine" Bayern in den Katakomben des Borussia-Parks vor dem Finale persönlich zu begrüßen. Erst Shakehands mit Ribery, van Buyten, Alaba, Pizarro und Co., die sich gerade entspannt das Spiel um Platz 3 zwischen Dortmund und dem Hamburger SV auf den Bildschirmen anschauten, dann ein kurzer Talk mit Pep Guardiola. "Viel Erfolg für die Saison", gab der Bayern-Edelfan dem neuen Trainer-Schwergewicht der Bundesliga mit auf den Weg.

Danach schickte der Triple-Sieger den Gastgeber Borussia Mönchengladbach in 2 x 30 Minuten locker mit 5:1 "auf die Bretter". Wie schon beim 4:0 gegen den HSV am Tag zuvor sprühte das Starensemble von der Isar dabei nur so vor Spielfreude.

Konkurrenzkampf im Mittelfeld



Angesichts der beeindruckenden Frühform ist wohl zu erwarten, dass die Bayern ihre Gegner weiterhin reihenweise ausknocken werden. Wie es scheint, können sich die Münchener wohl nur selbst schlagen. "Wenn man sieht, wie sich die Bayern präsentieren und dabei bedenkt, dass noch gar nicht alle Spieler mit dabei sind, dann kann einem schon Angst und Bange werde", sagte HSV-Sportchef Oliver Kreuzer.

Dante, Luiz Gustavo und Javier Martinez sind erst seit wenigen Tagen im Training und kamen noch nicht zum Einsatz. Wenn dann noch Bastian Schweinsteiger und Mario Götze nach ihren Verletzungen zurückkehren, kann Pep Guardiola aus dem Vollen schöpfen. Dann beginnt vor allem im hochkarätig besetzen Mittelfeld der Kampf um die Plätze: Kroos, Schweinsteiger, Gustavo, Götze, Martinez und Thiago Alcantara werden sich allein um die zentralen Positionen streiten.

Thiago, der Neuzugang vom FC Barcelona, hat in den beiden kurzen Partien in Mönchengladbach bereits seine Extraklasse unter Beweis gestellt und bei seinem Tor mit der Brust (nach Flanke von Boateng) gezeigt, dass er offenbar in der Lage ist, mit allen Körperteilen Tore zu erzielen. "Er kann auf vielen Positionen spielen und ich bin sehr dankbar, ihn bei Bayern zu haben", so Guardiola über seinen früheren Barca-Schützling.

"Spieler müssen meine Entscheidungen akzeptieren"



"Es ist wichtig, dass wir einen super Kader haben. Das hat uns auch letztes Jahr die Titel gebracht. Egal wer reinkommt, die Qualität bleibt hoch", sagt Arjen Robben, der dem Konkurrenzkampf grundsätzlich gelassen entgegen sieht. Er weiß aber auch, dass "am Ende nur elf Mann auf dem Platz stehen können".

"Es werden alle Spieler während der langen Saison spielen", beruhigt Guardiola, der gegen Gladbach sogar Philip Lahm im Mittelfeld spielen ließ. "Bayern ist ein großer Verein und die Spieler sind sehr professionell. Sie müssen meine Entscheidung akzeptieren, dafür bin ich hier."

Laut Sport-Vorstand Matthias Sammer sei es nun enorm wichtig, respektvoll miteinander umzugehen. Sorge, dass es Unruhe im Team geben könnte, habe er nicht. Eine Übermacht der Bayern sehe er nicht. "2005/06 wurde zum letzten Mal eine Meisterschaft von Bayern verteidigt. Auch der Champions-League-Titel konnte noch nicht verteidigt werden. Wir wollen bescheiden und auf keinen Fall arrogant sein und uns nur an uns orientieren. Das wird wieder unser Weg sein."

Titelhunger nicht gestillt



"Wir freuen uns, dass wir so ein tolles Team haben mit so viel Qualität. Wir müssen jetzt die letzte Saison vergessen und wieder bei Null anfangen. Es ist wichtig, dass wir auf dem Boden bleiben und jeden Gegner respektieren", gab sich Bayerns Innenverteidiger Dante ebenso bescheiden.

Der Titelhunger der Bayern ist noch lange nicht gestillt. "Es gibt in dieser Saison einige extra Titel zu gewinnen, die wir noch nicht haben. Die wollen wir holen", kündigt Arjen Robben an, dem es momentan "einfach nur Spaß macht, in dieser Mannschaft zu spielen".

"Für alle wird es schwer"



Bei den Gegnern hält sich die Freude indes in Grenzen. "Versuchen Sie mal gegen die Bayern zu spielen...", konterte Gladbachs-Trainer Lucien Favre die Frage eines Journalisten, ob man gegen Bayern gewinnen oder nur nicht hoch verlieren wollte. "Man sieht die Handschrift des Trainers. Es geht alles unheimlich schnell. Es wird für alle Mannschaften sehr schwer."

Bereits am 9. August wird es ein Wiedersehen geben, wenn die "Fohlen" wohl oder übel am beim FC Bayern antreten müssen. "An den Bayern führt momentan kein Weg vorbei. Aber wir werden in jedem Fall alles versuchen", verspricht Gladbachs Stürmer Max Kruse.

Versuchen werden es alle, die meisten werden dabei wohl K.o. gehen. Und Wladimir Klitschko wird es freuen.

Aus Mönchengladbach berichtet Markus Hoffmann