München - Drei Tage nach dem "Drama dahoam" war Bayern München zwar im Kopf noch "total leer". Auch ohne die tragische Figur Bastian Schweinsteiger, die bei der "Arjen-Robben-Wiedergutmachung" wegen einer Wadenprellung passen musste, gewann der deutsche Rekordmeister in einer recht unterhaltsamen Begegnung gegen die Niederlande 3:2 (2:2).

Hauptdarsteller Robben wurde bei den Niederländern in der 76. Minute eingewechselt. Die gebeutelten Bayern konnten und wollten sich nicht wirklich auf diese Pflichtaufgabe, die schon vor Monaten vereinbart worden war, einlassen.

"Müssen nichts Verrücktes machen"



"Wir sind alle im Kopf total leer. Es wird noch einige Zeit dauern. Es war zu brutal", sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge in der ARD, der trotz der großen Enttäuschung über die zweite titellose Saison infolge keinen totalen Umbruch ankündigte. Auch Präsident Uli Hoeneß wollte "heute nichts Grundsätzliches diskutieren".

"Wir haben eine gute Mannschaft. Ich glaube nicht, dass wir irgendetwas Verrücktes machen müssen. Wir werden keine Tabula-Rasa-Veranstaltung machen", sagte Rummenigge. Die Bayern, die am 3. Juli wieder das Training aufnehmen, die ersten EM-Fahrer eine Woche später, seien nicht an der Qualität gescheitert, sondern am "Pech." Hoeneß will "Dinge, die ich nach dem Spiel gesagt habe, irgendwann mal vertiefen."

Schonung für Robben - EM für Schweinsteiger nicht in Gefahr



Nur 14 Minute spielte indes der, um den es an diesem Abend eigentlich ging - Arjen Robben. Weil der Flügelstürmer nach der WM 2010 ein halbes Jahr wegen eines Muskelrisses gefehlt hatte, begann der Streit des FC Bayern mit dem niederländischen Verband KNVB. Das "Arjen-Robben-Versöhnungsspiel" war ein Kompromiss, der den Zwist beendete.

Robben, der bei der bitteren Niederlage gegen den FC Chelsea in der 95. Minute einen Elfmeter verschossen hatte, braucht noch Trost und Nationalcoach Bert van Marwijk gesteht ihm dies zu. "Arjen bekommt bis Freitag frei", sagte er. Van Marwijk ist aber zuversichtlich, den Offensivstar bis zur EM wieder aufzubauen. "Wenn Fußballer untereinander sind, dann machen sie Spaß, dann geht das ganz schnell."

Schweinsteigers Teilnahme an der EM ist trotz der Prellung nicht in Gefahr. Der 28 Jahre alten Nationalspieler, der gegen Chelsea den letzten Münchner Elfmeter verschoss, soll wie geplant mit den anderen Münchnern am Samstagabend zum DFB-Team stoßen.

Gomez mit der Entscheidung - Sextett verabschiedet



Wenigstens wurden die 33.000 Zuschauer in der Allianz Arena mit sehenswerten Toren unterhalten. Toni Kroos (17.) traf mit einem 30-Meter-Schuss, den Schalkes Torjäger Klaas-Jan Huntelaar (18.) aber umgehend konterte. Luciano Narsingh (20.) glückte per Lupfer das 2:1 für die "Elftal", die aus dem Trainingslager in Lausanne/Schweiz angereist war. Nils Petersen (28.) antwortete mit einem wuchtigen Kopfball. Der eingewechselte Mario Gomez traf in der 87. Minute zum Münchner Sieg.

Allerdings war auch offensichtlich, dass sich kein Akteur bei dieser Partie verletzten wollte. Bis auf Holger Badstuber, der im Finale der "Königsklasse" gesperrt gefahlt hatte, wurde zudem keiner der deutschen Nationalspieler länger als 45 Minuten eingesetzt. Wenn am 13. Juni im ukrainischen Charkow (20:45 Uhr) die DFB-Auswahl im Vorrundenspiel der Gruppe B dem Erzrivalen gegenübersteht, wird es soviel Rücksicht aber gewiss nicht geben.

Für sechs Akteure des FC Bayern war die letzte Partie der Saison 2011/12 zugleich der letzte offizielle Auftritt im Trikot des deutschen Rekordmeisters: Jörg Butt, Breno, Danijel Pranjic, Takashi Usami, Ivica Olic und Rouven Sattelmaier werden den FCB zum 30. Juni verlassen und wurden vor Spielbeginn von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Karl Hopfner und Sportdirektor Christian Nerlinger offiziell verabschiedet.