Die schlechteste Nachricht von der Säbener Straße: Zurzeit gibt es keine Trikots mit der Rückennumer 11. "Seit seinen drei Toren in Lyon wurde Ivica Olic sehr oft gewünscht", sagt der Mann an der Beflockungsmaschine. "Arjen Robben auch, aber von dem hatten wir von Anfang an immer genug da."

Klar ist, dass sich der Erfolg des FC Bayern in den vergangenen Wochen auf mehrere Schultern verteilt. "Wir haben zwar Ausnahmespieler, aber bei uns ist die Mannschaft wichtiger als die individuelle Klasse", sagt dann auch Kapitän Mark van Bommel.

"Die Stimmung ist einfach super"

Und wie eine Mannschaft traten sie auch beim internationalen Medientag im Restaurant in der Geschäftsstelle auf, dem letzten großen Rummel vor dem Champions League-Finale in Madrid. Ein holländischer Journalist hat van Bommel holländische Kekse mitgebracht, doch der etwas neidische Arjen Robben darf auch welche haben. Unterdessen schlurft Ivica Olic mit Adiletten und einem Kaffe in der Hand durch den Raum, er klatscht sich ab mit den anderen Spielern.

"Die Stimmung ist einfach super", sagt Philipp Lahm, und damit meint er nicht nur diesen Nachmittag, sondern die gesamte Saison. Zwei Mal habe er zuvor schon das Glück gehabt, ein 'Double' zu gewinnen, "aber in einem Champions League-Finale bin ich noch nie gestanden." Deshalb sei es schon jetzt die erfolgreichste Spielzeit. Weil man es geschafft habe, mit guter Laune im Team in Europa so weit zu kommen.

Friede, Freude, FC Bayern

Lächeln und Freundlichkeit diffundieren durch den Raum. Mark van Bommel sagt über Bastian Schweinsteiger: "Es ist schon ein seltenes Glück, neben jemandem spielen zu können, mit dem man sich so gut versteht - auf und neben dem Platz." Schweinsteiger revanchiert sich. Auf die Frage, mit wem er denn nun nach Ballacks WM-Ausfall am liebsten im Mittelfeld der Nationalmannschaft spielen würde, sagt er: "Mark van Bommel."

Zu diesem Zeitpunkt wissen die Spieler noch nicht, dass Franck Ribery nun endgültig für das Finale gesperrt ist. Doch auch das scheint sie nicht mehr aus der Ruhe bringen zu können auf ihrem Höhenflug: "Wir haben beim Halbfinal-Rückspiel in Lyon bewiesen, dass wir auch solche Ausfälle kompensieren können", prophezeit Lahm da schon, "als Fan würde ich ihn allerdings in so einem Spiel schon gerne sehen."

Van Bommel packt die Uhr aus

Viel ist an diesem Nachmittag die Rede von deutsch-holländischen Freundschaften, vom Trainer Louis van Gaal als Erfolgsgaranten, und von einer guten Mischung, die diese Mannschaft ausmache. Aus Jung und Alt etwa, oder aus den unterschiedlichen Mentalitäten und den bayerischen Eigengewächsen.

Viele Fragen werden oft mit einem Schmunzeln und selten bierernst beantwortet. Mark van Bommel wird dann sogar privat. Er nimmt seine Uhr ab, jene, die er nach dem erfolgreichen Champions League-Finale mit dem FC Barcelona geschenkt bekommen hat, und er zeigt den neugierigen Journalisten, was auf der Innenseite eingraviert ist: Datum und Paarung sowie sein Name.

System "ist der Schlüssel"

Trotzdem bekommt man nie das Gefühl, dass die Spieler des FC Bayern nun zu locker wären für das bevorstehende schwerste Spiel der Saison. "Wir müssen unheimlich aufpassen. Es heißt immer, dass Inter Mailand so eine gute defensive Ordnung hat. Aber sie sind auch offensiv sehr stark. Wir müssen immer eng bei den Angreifern stehen, auch wenn wir selbst gerade angreifen", sagt Philipp Lahm. Und Arjen Robben fügt an, dass er gegen Inter Mailand "sicherlich nicht zehn Mal die Möglichkeit haben werde, zu dribbeln". Doch er sagt auch, dass er noch nicht auf dem Zenit seines Könnens angelangt sei und immer noch an sich arbeite.

Am Schluss ist es wieder Philipp Lahm, der die Atmosphäre am besten auf den Punkt bringt: "Den meisten Spaß haben wir ja gerade deshalb, weil unsere Taktik so gut aufgeht. In diesem System erfolgreich zu spielen, das ist der Schlüssel." Im Prinzip haben die Arbeitnehmer also nur viel Spaß bei der Arbeit, bei der Umsetzung der Vorgaben ihres Trainer Louis van Gaal. Und dass dies noch ein paar Tage länger so bleibt, das versprechen sie, dafür werden sie in den nächsten Tagen noch einmal hart arbeiten.


Vom FC Bayern berichtet Christoph Leischwitz