Das gesteckte Saisonziel hat Bayer 04 Leverkusen mit der Qualifikation für den internationalen Wettbewerb souverän erreicht. Trotzdem hinterlässt die abgelaufene Spielzeit bei allen Beteiligten eine gemischte Gefühlslage.

Denn es war einfach mehr drin als der überaus respektable 4. Tabellenplatz im Endklassement. Doch auch beim letzten Saisonspiel, dem 1:1 im Mönchengladbacher Borussia-Park, wurde klar, warum die "Werkself" im Schlussspurt noch von Platz 1 auf Position 4 abrutschte. Es fehlte der Killerinstinkt, die spielerische Überlegenheit und die vielen Torchancen in einen Sieg umzumünzen.

Auswärts die Punkte liegen gelassen

"Bei den Auswärtsspielen in der Rückrunde war unser Manko, dass wir viel Aufwand betrieben, aber nicht die Tore erzielt haben", hatte Bayer-Sportchef Rudi Völler richtig erkannt: "Wir haben auswärts zu wenig gepunktet." Ganze sechs Punkte brachte Leverkusen in der Rückrunde von den Auswärtsspielen mit zurück an den Rhein.

"Wir hätten vielleicht am Ende den 3. Platz verdient gehabt", haderte auch Bayer-Stürmer Stefan Kießling ein wenig: "Aber wir hatten eine Durststrecke, in der wir nicht schlecht gespielt, aber auch nicht gewonnen haben. Wir haben einfach nicht die nötigen Punkte geholt. Den Vorwurf müssen wir uns machen. Trotzdem freuen wir uns auf die Europa League und wollen so weit wie möglich kommen."

"Müssen breiter aufgestellt sein"

Irgendwann an diesem Wochenende war es dann aber auch genug mit der Rückschau auf und der Trauer über die verpassten Möglichkeiten. Bei der Saisonabschlussfete im "Bahnhof Pattscheid", bei der die große Bayer-Familie munter in den 65. Geburtstag ihres Cheftrainers Jupp Heynckes hineinfeierte, überwog dann der Stolz über das Erreichte.

Immerhin mischt Bayer nach zwei Jahren Abstinenz wieder auf Europas Bühne mit. Die unglaubliche Serie von 24 Spielen ohne Niederlage vom Start weg bedeutete einen neuen Bundesliga-Rekord. Und die Art und Weise, wie Bayer Fußball spielte, begeisterte die Zuschauer im ganzen Land.

Und das soll auch in der kommenden Saison so bleiben. "Mit der einen oder anderen Verstärkung werden wir nächstes Jahr auch wieder eine richtig gute Rolle spielen", ist Völler überzeugt: "Wichtig ist, dass die Qualität der Neuen stimmt. Für die teuren Attraktionen sind die Bayern zuständig. Wir müssen etwas für die Position Kroos tun. Da werden wir jemanden holen. Wir müssen in der nächsten Saison etwas breiter aufgestellt sein."

Drei "Neuzugänge" aus den eigenen Reihen

Aber auch das Vertrauen in den eigenen Kader ist groß. Zumal in den eigenen Reiehn drei "Neuzugänge" bereit stehen. Renato Augusto könnte den zu den Bayern zurückkehrenden Kroos ersetzen. Der spielstarke Brasilianer fiel die halbe Saison verletzt aus und bereitet sich derzeit in seiner Heimat gezielt auf die neue Saison vor.

"Neben Renato Augusto kommen noch Spieler wie Simon Rolfes oder Patrick Helmes wieder, die in dieser Saison fast nicht stattgefunden haben, zurück", freut sich Völler: "Und in der neuen Saison ist unserer junge Mannschaft auch wieder ein Jahr älter geworden und erfahrener."

Keinen Gedanken verschwendet Bayer übrigens an einen Verkauf von Helmes. "Wir brauchen ihn. Wenn er eine vernünftige Vorbereitung macht, wird er wieder der Patrick Helmes werden, den wir kennen. Da bin ich mir ganz sicher", sagt Völler.

China-Tournee zum Saisonabschluss

Jubilar Jupp Heynckes ist ohnehin zufrieden mit dem erreichten. "Auch wenn wir die Champions League nicht geschafft haben, ist diese Saison ein außergewöhnlicher Erfolg für uns", erklärt Heynckes. Doch noch ist die Saison nicht ganz zu Ende.

Nach dem Abschiedsspiel von Bernd Schneider geht der Bayer-Tross noch auf eine kurze China-Tournee mit zwei Freundschaftsspielen. Danach ist Urlaub bis zum 28. Juni. Die Nationalspieler bereiten sich derweil auf die Weltmeisterschaft in Südafrika vor.

Tobias Gonscherowski