Leverkusen - Bayer Leverkusen hat die Vorlage von Borussia Dortmund nicht ausnutzen können. Zwar machte die Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes beim Hinrundenfinale einen Punkt auf den Spitzenreiter gut, doch zufrieden war niemand damit. Durch das 2:2-Unentschieden gegen den SC Freiburg verpasste die "Werkself" die Chance, sich als Verfolger Nummer 1 des BVB in Position zu bringen.

So ging es in der Tabelle sogar einen Platz runter auf Position 3 hinter Mainz. Satte zehn Punkte Rückstand statt der möglichen acht weist Bayer 04 auf den Primus aus Dortmund auf. Damit können die Rechenspiele vorerst ad acta gelegt werden, die mancher bereits angestellt haben dürfte, angesichts der Tatsache, dass die Borussia zum Rückrundenauftakt in der BayArena gastiert.

"Das war ein Lotteriespiel"

Im Idealfall hätten die Rheinländer bis auf fünf Punkte an die enteilte Konkurrenz aufschließen können. Doch das ist nun Schnee von gestern. Dortmunds Trainer Jürgen Klopp dürfte sich statt dessen am 4. Advent einen Extra-Lebkuchen vor dem Fernseher gegönnt haben. So stellt Bayer jedenfalls keine ernsthafte Gefahr für die Borussia dar.

Hinterher moserten sie in Leverkusen über die widrigen äußeren Bedingungen und wie schwer es gewesen sei, auf dem rutschigen Untergrund vernünftig Fußball zu spielen. "Da war mehr Schnee als Ball. Das war ein Lotteriespiel. Da kann man besser einen Schneemann bauen als Fußball spielen", lamentierte Bayer-Kapitän Simon Rolfes. "Es ist immer ein Nachteil für die Mannschaft, die das Spiel machen will."

Bayer-Verteidiger Manuel Friedrich pflichtete ihm bei: "Die Gegner wollen nicht richtig das Spiel machen. Auch Freiburg hat fast nur auf Konter gespielt." Doch damit machen es sich die Leverkusener Kicker zu einfach, und obendrein liegen sie falsch in ihrer Analyse.

Basteln am eigenen Image

Schließlich war Leverkusen in Führung gegangen und hätte den Gegner locker kommen lassen können. Und zum anderen mauerte der Sport-Club keineswegs, sondern suchte sein Heil selbst in der Offensive. Das Überraschungsteam aus dem Breisgau verlangte der beinahe in Bestbesetzung angetretenen "Werkself" alles ab und dies sogar ohne ihren Torjäger Papiss Cissé.

Bei seiner Ursachenforschung, warum Bayer zwei ganz wichtige Punkte liegen gelassen hatte, lag eher Bayer Sportchef Rudi Völler richtig. "Es lag auch ein bisschen an der Grundeinstellung der Spieler. Alle haben gedacht, dass es irgendwie von alleine geht. Ging es aber nicht."

So bastelt Bayer weiterhin ungewollt an seinem ewigen Image, in den ganz entscheidenden Spielen zu schwächeln. Leverkusen mischt immer oben mit, spielt tollen Fußball, landet so manchen spektakulären Sieg, doch das große Ganze will nicht so richtig gelingen.

"Können mit der Vorrunde gut leben"

Allerdings muss in dieser Saison natürlich auch berücksichtigt werden, dass die Rheinländer unter den gegebenen Umständen viel aus ihren Möglichkeiten gemacht haben und weitaus besser abgeschnitten als ambitionierte Vereine wie Bayern München, Schalke 04, der VfL Wolfsburg, Werder Bremen oder der VfB Stuttgart.

Bayer trotze der WM-Müdigkeit und dem Verletzungspech. "Dortmund hat eine überragende Hinrunde gespielt. Unsere war auch gut", relativiert Torhüter Fabian Giefer, der René Adler gut vertrat. "Das sieht man, wenn man uns mit dem letzten Jahr vergleicht. Wir haben nur zwei Punkte weniger als letztes Jahr geholt, und da waren wir gefeierter Herbstmeister."

Und auch Rudi Völler ließ am Ende mildernde Umstände gelten. "Wir können mit der Vorrunde im Großen und Ganzen sehr gut leben", urteilte der frühere Bundestrainer. "Wir sind in unserer Gruppe in der Europa League Erster geworden. In der Meisterschaft sind wir nahe dran an den Champions League-Plätzen. Das wollen wir am Ende der Saison erreichen. Und dafür sind wir auf einem guten Weg."

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski