Bayer Leverkusen wartet weiter auf den ersten Titel seit 1993. Nach vier Vizemeisterschaften gab es nun auch im dritten großen Endspiel nacheinander nur die Silbermedaillen anstelle des Pokals. So blieb das Happy End nach einer alles in allem wenig zufriedenstellenden Saison aus.

Während die Bremer Sieger lässig und bestens gelaunt in ihren Trainingsanzügen zum Mannschaftsbus liefen, hatten sich die unterlegenen Bayer-Spieler in Schale geworfen.

Erneut nicht international

Doch in ihren Maßanzügen und mit ihren Trauermienen erinnerten die Werkskicker eher an Gäste einer Beerdigung. Und sie trugen ja auch in gewisser Weise eine Saison zu Grabe, die unter dem Strich die schlechteste Bayer-Bilanz seit sechs Jahren ausweist.

Wie im Vorjahr verpasste Bayer Leverkusen das internationale Geschäft. In der Bundesliga rutschte die Elf von Trainer Bruno Labbadia auf Platz 9 ab. Und auch die Option, über den Gewinn des DFB-Pokals in die UEFA Europa League einzuziehen, ließ Bayer ungenutzt verstreichen. Nach einer letztlich verdienten 0:1-Finalniederlage gegen Werder Bremen findet der internationale Fußball ohne Bayer Leverkusen statt.

Labbadia fordert Veränderungen

Die Zukunft ist ungewiss. Am kommenden Dienstag treffen sich Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser, Sportchef Rudi Völler und Trainer Bruno Labbadia zur Dreierrunde, um die Saison aufzuarbeiten.

"Wir werden uns zusammensetzen", sagte Labbadia kurz nach dem Endspiel von Berlin: "Es müssen sich gewisse Dinge verändern, um die Arbeit so verrichten zu können, wie man sich das als Trainer vorstellt. Der Verein wird Punkte anbringen. Dann werden wir schauen, wie wir auf einen Nenner kommen."

Rolfes übt Selbstkritik

Dabei bot Leverkusen durchaus eine ordentliche Vorstellung. Patrick Helmes vergab die größte Chance der ersten Spielhälfte. Wäre Bayer in Führung gegangen, vieles wäre gegen die von 55 Pflichtspielen in dieser Saison arg strapazierten Bremer möglich gewesen. Doch es kam anders. Nach Mesut Özils Treffer wurde eines der Grundprobleme der Werkself in dieser Saison offenbar.

"Wenn man zurückliegt, muss man versuchen ein Spiel auch einmal zu drehen. Das ist uns in dieser Saison kein Mal gelungen", kritisierte Bayer-Kapitän Simon Rolfes frustriert. "Es war insgesamt zu wenig von uns. Wir haben losgelegt wie die Feuerwehr und dann sehr schnell an Fahrt verloren."

Die Gründe für den Formeinbruch bleiben auch Simon Rolfes ein Rätsel. Fakt ist: "Unsere Schwächeperiode hält ja schon länger an. Durch die Erfolge im DFB-Pokal konnten wir es ein bisschen kaschieren. Aber jetzt stehen wir mit leeren Händen da." Für die Ansprüche von Bayer Leverkusen ist das zu wenig, gerade jetzt, wo die neue BayArena vor ihrer Fertigstellung steht.

Labbadia bemängelt die Chancenverwertung

"In der Rückrunde hatten wir zu wenig Durchschlagskraft und haben zu wenig aus unseren Torchancen gemacht", analysierte Bruno Labbadia. "Das war im Endspiel genauso. Deswegen haben wir auch verloren." Die Zahlen bestätigen den Trainer.

Während Bayer in der Hinserie noch stattliche 36 Treffer erzielte, gelangen dem Verein nach der Winterpause nur noch 23 Tore. Doch es wäre zu einfach, den Stürmern die Schuld für die Misere zu geben. Die ganze Mannschaft war den von ihr selbst nach der tollen Hinrunde geweckten hohen Erwartungen nicht gewachsen.

Helmes hofft auf Besserung

"Immer wenn wir in Rückstand geraten sind, haben wir den Kopf hängen lassen. Wir sind eine junge Mannschaft, die lernen muss, mit Rückständen zurechtzukommen. Daran müssen wir arbeiten", sagte Stürmer Stefan Kießling.

Die Spieler haben sich jetzt erst einmal in den Urlaub verabschiedet. "Ich fahre weg und schalte von allem ab. Ich bin froh, dass die Saison vorbei ist", gestand der mit 24 Pflichtspieltreffern erfolgreichste Bayer-Goalgetter Patrick Helmes. Sein abschließender Wunsch: "Hoffentlich wird es nächste Saison wieder besser."

Aus Berlin berichtet Tobias Gonscherowski