Gelsenkirchen - Es ist schon verrückt: Da scheidet Bayer Leverkusen gerade aus der Champions League aus, um nur vier Tage später in der Bundesliga unter Beweis zu stellen, dass man genau dort hingehört. Spätestens seit dem 1:0-Erfolg auf Schalke hat Leverkusen die erneute Qualifikation für die Königsklasse wieder fest im Visier.

Vielleicht wird man im Saisonrückblick davon sprechen, dass der 26. Spieltag der Schlüssel war für Bayer 04. Die wegweisende Partie, um am Ende wieder zu den besten vier, im Idealfall sogar besten drei Mannschaften Deutschlands zu gehören. Und damit auch in der neuen Spielzeit wieder mitzumischen im Konzert der großen Clubs Europas.

"Ganz klar Richtung Platz drei marschieren"

Der Sieg auf Schalke war so etwas wie Leverkusens Reifeprüfung. Nur vier Tage nach dem ebenso bitteren wie kräftezehrenden Aus in der Champions League bei Atletico Madrid bewies die Werkself bei einem direkten Konkurrenten um die Königsklasse, wie gereift die Mannschaft bereits ist. Bayer war fußballerisch und vor allem mental stärker, was nach den Ereignissen von Madrid alles andere als selbstverständlich war. "Alles abrufen, neu fokussieren, das war die schwierige Aufgabe. Wir haben ein paar Minuten gebraucht, aber dann waren wir da", durfte Simon Rolfes zufrieden feststellen.

Zum Karriere-Ende will auch der Routinier mit Bayer noch einmal eine erfolgreiche Saison spielen - wobei Erfolg für den Kapitän klar definiert ist. "Wir wollen ganz klar Richtung Platz drei marschieren“, lässt Rolfes keinen Zweifel. Und stellt damit das stabile Selbstbewusstsein unter Beweis, das die Mannschaft in dieser Spielzeit auszeichnet. Man hat Ziele in Leverkusen und die formuliert man auch mutig. "Auch gegen Schalke ging es nicht darum, einen Konkurrenten mit einem Remis auf Distanz zu halten, sondern mit einem Sieg Druck auf Gladbach zu machen", erklärt Simon Rolfes. "Wir gucken nur nach vorne, nicht nach hinten!"

Selbstvertrauen zurück gewonnen

Das Selbstvertrauen hat sich die Bayer-Elf  in den letzten Wochen wieder erarbeitet. Nach einer starken Hinrunde, die auf dem Wunschziel Platz drei endete, hatte es zu Beginn der Rückrunde plötzlich gehakt. Der Offensivmotor stotterte, die Treffsicherheit machte Pause. Nach fünf Punkten aus fünf Spielen war der Club auf Rang sechs abgerutscht.

Doch das Leverkusen des Jahres 2015 ist so gefestigt, das wegzustecken und mit einer beachtlichen Serie zu kontern. Klammert man die unglückliche Niederlage in Madrid aus, war Bayers Erfolg auf Schalke bereits der sechste Sieg hintereinander - ohne jeweils auch nur ein einziges Gegentor. Für Kapitän Rolfes ist die Serie der Beleg für die "unglaubliche Disziplin, Einstellung und Kampfkraft" der Mannschaft. Trainer Roger Schmidt bescheinigt ihr zudem einen erfolgreichen Reifeprozess auch in Sachen Defensivverhalten: "Es hat eine Weile gedauert, aber jetzt sind wir in unserer Spielweise gefestigt."

"Es tut gut, jetzt noch mal durchzuschnaufen"

Angenehmer Nebeneffekt der Zu-Null-Serie: Bayer 04 Leverkusen hat sich nicht nur in der Bundesliga wieder im Spitzenquartett festgesetzt und seine Ansprüche auf Europas Königsklasse mit Nachdruck untermauert, sondern mischt auch im DFB-Pokal noch munter mit. Am 8. April kommt es im Viertelfinale zum Showdown mit dem FC Bayern.

Dass vor diesem Highlight-Spiel und dem Bundesliga-Endspurt jetzt erst einmal die Länderspielpause steht, ist zumindest aus Sicht von Simon Rolfes nicht die schlechteste Sache. "Es tut nach den intensiven Spielen schon ganz gut, jetzt noch mal durchzuschnaufen", lacht der 33-Jährige. "Und dann marschieren wir weiter."

Dietmar Nolte