Leverkusen - Bayer Leverkusen wackelte, konnte aber letztlich zum Rückrundenauftakt den eingeplanten "Dreier" verbuchen. Gegen den 1. FSV Mainz 05 gelang den Rheinländern ein mühsam erzwungener 3:2-Heimsieg, der allerdings noch einige Wünsche offen ließ.

Das ist noch einmal gerade so gut ausgegangen. Nach einem Wechselbad der Gefühle und zwei sehr unterschiedlichen Spielhälften hat Bayer Leverkusen den Fehlstart in die Rückserie vermeiden können. Anders als noch in einigen Spielen der Vorrunde ließ sich die "Werkself" durch den nach dem Seitenwechsel innerhalb von drei Minuten verspielten 2:0-Vorsprung nicht völlig aus dem Konzept bringen.

Bender wieder überragend

Der wieder einmal überragende Lars Bender sorgte mit seinem entscheidenden Kopfballtreffer für den etwas glücklichen, aber nicht gänzlich unverdienten . Und dafür, dass "die Mannschaft in dieser Woche ein bisschen in Ruhe gelassen wird", wie Bayer-Angreifer Andre Schürrle hofft.

Bemerkenswert bleibt trotzdem, dass die hochambitionierte Elf von Trainer Robin Dutt zum wiederholten Mal in dieser Saison eine sichere Führung nicht souverän verwalten und in einen klaren Sieg ummünzen konnte. "Wir hatten uns in der Winterpause viel vorgenommen und an einigen Stellschrauben gedreht", sagte Dutt nach dem Spiel. "Die erste Halbzeit war ein deutlicher Schritt nach vorne. Wie zart das Pflänzchen des Selbstbewusstseins ist, hat man nach der Pause gesehen, als der Doppelschlag passiert ist."

Nicht viel Kredit bei den Fans

Wie weit der Weg zurück zur Leverkusener Normalität aber noch ist, bewies auch die Reaktion des überaus kritischen Publikums, das sich vom nackten Ergebnis nicht so richtig für die vielen Enttäuschungen der Vorrunde besänftigen ließ. So wurden die richtigen und nachvollziehbaren Wechsel von Robin Dutt (Stefan Kießling für Michael Ballack und Simon Rolfes für Eren Derdiyok) ebenso von einem Pfeifkonzert begleitet wie der Abpfiff des Schiedsrichters.

Die Mannschaft und der Trainer haben noch nicht viel Kredit beim Publikum zurückgewonnen. Die Wiedergutmachung für die - gemessen an den Ansprüchen - äußerst mittelmäßige Vorrunde ist nur halbwegs gelungen. Diese Chance verpasste die Mannschaft in der 2. Halbzeit. So kämpft sich die Mannschaft dank eines Mainzer Eigentores und zwei Treffern nach Eckbällen spielerisch mehr schlecht als recht noch immer nicht wirklich überzeugend durch.

Zum Champions-League-Platz fehlen Welten

Immerhin: Einsatz und Moral stimmen. "Uns kann keiner die Leidenschaft absprechen", betonte Bayer-Innenverteidiger und Torschütze Manuel Friedrich zu Recht: "Wir versuchen jetzt, von Woche zu Woche unsere Leistung zu bringen und jedes Spiel zu gewinnen. Wir müssen eine Reaktion auf dem Platz zeigen. Das haben wir nach dem 2:2 getan. Wir haben es gut hinbekommen und noch 3:2 gewonnen."

Dank des Sieges hält Leverkusen auch den Anschluss an die Champions-League-Plätze, von denen sie momentan allerdings weitaus mehr als "nur" sieben Punkte und 15 Tore trennen. Zwischen der Vorstellung, wie sie Borussia Mönchengladbach beim 3:1-Triumph gegen Bayern München zeigte, und dem Auftritt von Bayer Leverkusen lagen zumindest am vergangenen Wochenende Welten.

Auch Verfolger schwächeln

So müssen die Verantwortlichen in Leverkusen darauf hoffen, dass sich die Truppe irgendwie über die Ergebnisse und Erfolgserlebnisse wieder jene spielerische Leichtigkeit des Seins zurückholt, die sie in den vergangenen Jahren zumeist ausgezeichnet hat. Dabei könnte der "Werkself" zugutekommen, dass die in der Tabelle hinter Bayer angesiedelten Teams noch mehr schwächeln als Bayer selbst.

So bietet sich den Rheinländern beim schweren Auswärtsspiel in Bremen am kommenden Samstag die Chance, die Hanseaten mit einem Sieg zu überholen, auf Platz 5 vorzurücken und den Druck auf die Top-4 zu erhöhen. Denn noch ist in dieser Saison nichts verloren.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski