Bayer Leverkusen hat den Sprung zurück an die Tabellenspitze der Bundesliga verpasst. Nach dem 0:0 gegen Werder Bremen bleiben die "Werkskicker" aber punktegleich mit dem Hamburger SV auf Platz 2.

Wenn nach einem Spiel alle Beteiligten beider Teams hochzufrieden sind, liegt das häufig daran, dass niemandem schwerwiegende Fehler unterlaufen sind. Solche Begegnungen enden dann meistens torlos. Anschließend wird dann von einem "Spiel auf taktisch hohem Niveau" gesprochen.

"Taktisch sehr gut, aber nicht spektakulär"

Genauso war es auch in der BayArena nach dem 0:0-Unentschieden zwischen Bayer Leverkusen und Werder Bremen. "In so einem Spiel ist es wichtig, nicht zu verlieren und die Null zu halten", referierte Bayer-Kapitän Simon Rolfes nach getaner Arbeit: "Es war ein verdientes Unentschieden. Taktisch sehr gut, aber nicht spektakulär."

Bayer Leverkusen bleibt damit auch im sechsten Saisonspiel ungeschlagen und dem Tabellenführer HSV dicht auf den Fersen. Und das mit einer Mannschaft, der gegen die Norddeutschen mit Renato Augusto, Eren Derdiyok, Michal Kadlec sowie dem Langzeitverletzten Patrick Helmes eine Reihe wichtiger Stammspieler fehlten.

So bewertete Bayer-Trainer Jupp Heynckes das Remis auch positiv: "Uns haben viele Spieler gefehlt. Obwohl die Spieler, die gespielt haben, es wirklich gut gemacht haben, sehr engagiert und kämpferisch, fehlte uns im entscheidenden Moment ein bisschen Qualität. Ein Renato Augusto, Derdiyok oder Kadlec kannst Du nicht so leicht eins zu eins ersetzen. Dann muss die Mannschaft lernen, einmal ein 0:0 zu halten. Wir sind nicht unzufrieden." Es war Leverkusens erstes 0:0 nach immerhin 72 Bundesliga-Spielen.

Pokalfight und Derby warten

Jetzt wartet eine spannende Woche auf die Rheinländer mit zwei kniffligen Aufgaben. Zunächst geht es am Mittwoch zum Pokalspiel auf den Betzenberg nach Kaiserslautern. Anschließend gastiert Bayer zum rheinischen Derby beim 1. FC Köln, der rechtzeitig zum Nachbarschaftsduell seinen ersten Saisonsieg landete.

Der Pokal genießt in Leverkusen auch in diesem Jahr eine hohe Priorität. "Letztes Jahr sind wir bis zum Finale nach Berlin gekommen. Das ist ein Anreiz, es wieder zu schaffen", sagt Simon Rolfes, der sich auf den Fight beim wiedererstarkten Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern freut: "Es ist wunderbar, auf dem Betzenberg zu spielen, auf dem eine richtige Pokalatmosphäre herrscht und nicht irgendwo anders, wo man sich schwertut."

Noch intensiver dürfte die Stimmung dann drei Tage später im RheinEnergieStadion werden. Mit der Gelassenheit einer ungeschlagenen Spitzenmannschaft will die "Werkself" in der Domstadt bestehen. "Wir müssen an Köln keine Kampfansage schicken", meint Rolfes: "Die Bilanz der letzten Jahre spricht für uns. Wir haben richtig Lust aufs Derby und gehen mit sehr viel Selbstvertrauen ran."

Fokussiert aufs internationale Geschäft

Unter Heynckes hat Bayer Leverkusen wieder einen Schritt nach vorne gemacht. Die Mannschaft spielt und punktet konstant auf einem hohen Niveau und vermeidet es bislang erfolgreich, ein Spiel zu überpowern und mit aller Gewalt den Erfolg zu suchen. So wurde die Nullnummer gegen Bremen in Kauf genommen und als Fortschritt gewertet. Dass die Tabellenführung verpasst wurde, ist leicht zu verschmerzen.

"Die Tabellenspitze ist nicht relevant. Darauf schauen wir nicht", bekennt Jupp Heynckes: "Wir schauen nur, wie wir spielen, ob die Mannschaft intakt ist und wie sie funktioniert. Das ist für mich entscheidend. Wichtig ist, dass wir so weitermachen, uns oben etablieren und wir am Ende der Saison für den europäischen Wettbewerb qualifizieren. Daran arbeiten wir."

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski