Leverkusen - Bayer 04 Leverkusen hat die Enttäuschung der 1:5-Klatsche bei Bayern München gut weggesteckt. Gegen stark ersatzgeschwächte 1899 Hoffenheim gelang der "Werkself" ein wichtiger 2:1-Heimsieg. Damit fehlt den Rheinländern nur noch ein "Dreier", um Platz 2 und damit die direkte Qualifikation zur Champions League perfekt zu machen.

Es war ein hartes Stück Arbeit, das die Truppe von Bayer-Trainer Jupp Heynckes an diesem heißen Frühlingstag verrichten musste. Dabei präsentierte sich Leverkusen vor allem in der ersten Dreiviertelstunde so angeschlagen wie ihr Coach, der unter der Woche wegen einer Grippe das Bett hüten musste und auch nach dem Spiel keinerlei Stellungnahmen abgeben konnte.

Bayer mit neuen Qualitäten

"Das war kein einfaches Spiel nach dem Spiel in München, wo wir wirklich die Hucke voll bekommen haben", gestand Bayer-Keeper Rene Adler nach der Partie. "Gegen Hoffenheim lief das Spiel zwar nicht ganz so, wie wir uns das vorgestellt haben. Aber wir haben gezeigt, dass wir mental so gefestigt sind, dass wir solche Spiele drehen."

In der Tat beweist Bayer Leverkusen in dieser Saison Qualitäten, die früher oft vermisst wurden. Wie schon beim letzten Heimauftritt gegen St. Pauli drehte der Tabellen-2. die Begegnung noch trotz eines Rückstands. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist groß. Größer jedenfalls als das Vertrauen der Zuschauer in die "Werkself". Denn es rumorte kräftig auf den Rängen.

Das Team hört nicht auf die anderen

Nach rund 35 Minuten begleitete ein Pfeifkonzert die Bemühungen der Bayer-Truppe, nach dem 0:1-Rückstand wieder zurück ins Spiel zu finden. Es schien, als wären die Fans noch wütend über die Pleite in München und fürchteten, dass Bayer wie so oft in der Vergangenheit auf der Zielgeraden die Puste ausgehen könnte.

"Man registriert als Spieler schon, dass die Zuschauer pfeifen und wir nicht die Unterstützung bekommen, die wir in der Situation eigentlich gerade brauchen", stellte Adler fest. "Aber wir lassen uns unsere Saison nicht kaputt machen. Wir wissen, dass wir eine sehr gute Runde spielen und der 2. Platz unterm Strich mit unserer jungen Mannschaft ein hervorragendes Ergebnis ist. Was von Außen kommt, ist uns egal, dafür sind wir als Team zu gefestigt."

Heiß auf Köln

Bayer zeigte eine Reaktion und bewies seine Siegermentalität. Der nach wie vor besten Rückrundenmannschaft fehlt nach den Ergebnissen des 31. Spieltages nur noch ein Erfolg, um die direkte Qualifikation zur Champions League in trockene Tücher zu bringen. Und der Spielplan sieht nun das Derby gegen den rheinischen Konkurrenten 1. FC Köln vor.

"Wir brauchen nur noch einen Sieg und wollen möglichst direkt das nächste Spiel in Köln gewinnen", kündigte Bayers Außenverteidiger Michal Kadlec an, der mit seinem Ausgleichstreffer gegen Hoffenheim Bayer zurück ins Spiel brachte. "Das ist ein Derby und ein ganz spezielles Spiel für uns. Wir haben da auch immer gut ausgesehen."

Auch Sidney Sam ist heiß auf das Spiel in Köln. "Ein Derby ist immer ein großes Spiel. Darauf freuen wir uns", sagte der 23-Jährige. "Das wird für uns fast wie ein Heimspiel. Wir versuchen da, die Champions League klar zu machen. Da will jeder von uns hin. Die Champions League ist die große Bühne. Und wir haben die Qualität dafür und schaffen das auch."

Es kann noch spannend werden

Bei sieben Punkten Vorsprung auf Platz 3 und nur noch drei Bundesliga-Spielen dürfte Bayer so langsam den Sekt kalt stellen. Schon in dieser Woche hat Lars Bender Grund zu feiern. Bayers Mittelfeldakteur wird am Mittwoch 22 Jahre alt. Ein Treffen mit seinem Zwillingsbruder Sven, der mit Borussia Dortmund kurz vor dem Gewinn der Meisterschaft steht, ist geplant. Geschenke gibt's, aber nicht auf dem Fußballplatz.

Denn vielleicht wird es ja sogar im Titelkampf noch einmal spannend. Die an diesem Spieltag mögliche Entscheidung wurde vertagt. Nicht nur dies, der Dortmunder Vorsprung auf Leverkusen schmolz wieder auf fünf Punkte zusammen. Vor neun Jahren lag Leverkusen drei Runden vor Schluss, darunter zwei Heimspiele, fünf Punkte vor dem BVB. Wie es ausging, ist bekannt.

"Wir gucken nicht auf die Meisterschaft, auch wenn im Fußball alles möglich ist", orakelt Michal Kadlec. "Wir konzentrieren uns auf uns." Damit ist Bayer bislang gut gefahren. Und auch die Vizemeisterschaft wäre für Bayer ein Riesenerfolg und die erste seit 2002.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski