Sinsheim - "Vizekusen?" Nein, den Begriff habe er noch nie gehört, gibt Leon Bailey zu. Aber, was sich dahinter verbirgt, ist dem Mann der Stunde in der Bundesliga dann gleich klar: "Aber genau da wollen wir hin: nach Europa!" Nach dem 4:1-Sieg von Bayer 04 Leverkusen bei der TSG 1899 Hoffenheim steht der Werksklub nach den Samstagsspielen auf Tabellenrang zwei. Einst als Vizekusen verschmäht, weil der Klub nie Meister, aber oft Zweiter wurde, wäre Bayer in den Zeiten der Bayern-Dominanz gerne ewiger Zweiter und damit Champions-League-Teilnehmer. Nach einer vermaledeiten letzten Saison (Rang 12) startet Bayer in dieser Saison mit Trainer Heiko Herrlich wieder durch - auch dank Leon Bailey, der "Reggae-Boy" aus Jamaika war auch in Hoffenheim Leverkusens Bester. Bayer-Trainer Heiko Herrlich lobt: "Leon gelingt im Moment alles."

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Zum Beispiel sein siebtes Tor in der Liga zur Führung in Hoffenheim (42.): Da traf der 20-Jährige mit der Hacke seines linken Fußes aus acht Metern. "Ich hatte ja keine andere Wahl, weil ich mit den Rücken zum Tor stand", erklärte Bailey hinterher seine instinktiv richtige Entscheidung: "Im Fußball muss man Dinge probieren - und das habe ich in dieser Szene gemacht." Auch Trainer Herrlich staunte: "Wie wir in Führung gehen, ist mir an sich völlig egal. Aber das 1:0 war schon ein Super-Tor." Für Bailey aber nur da Zweitschönste in seiner noch jungen Karriere - das Schönste habe er 2016 für seinen ehemaligen Klub Genk erzielt, so der 20-Jährige.

Video: Leon, der Profi

Seit einem Jahr spielt der raketenschnelle Außenstürmer nun für Bayer in der Bundesliga und in der derzeitigen Verfassung ist er eine ihrer größten Attraktionen. Es klingt fast wie eine Drohung, wenn Bailey sagt: "Es geht noch besser." Besser als in Hoffenheim aber geht kaum: Nicht nur erzielte er das wichtige 1:0 kurz vor der Pause: Das 2:0 von Julian Baumgartlinger (52.) initiierte er durch ein unwiderstehliches Dribbling und das entscheidende 3:0 von Lucas Alario (70.) bereitete er mit einem schönen Pass direkt vor.

Schnell wie kaum ein anderer Spieler

Die Stärken des in der jamaikanischen Hauptstadt Kingston geborenen Vollblutkickers kamen in Hoffenheim zum Tragen: Bailey ist schnell wie kaum ein anderer Spieler in der Liga und auch technisch Ligaspitze. "Wenn Leon und Karim Bellarabi im Sprinttraining abgehen, ist das eine andere Sportart", sagt Bayers Nationalspieler Kevin Volland. Und Lars Bender staunt: "Wir laufen alle so schnell wie wir können, aber er läuft noch schneller. Leon ist extrem explodiert in diesem Jahr."

Die Entwicklung des Tempodribblers, der auch als Teamspieler beeindruckt, läuft parallel zu der von Bayer unter Heiko Herrlich. Bailey spielt nicht wie eine Diva, sondern geht in der Einheit auf, die seit Herrlich Amtsantritt die Elf immer mehr auszeichnet. Das bestätigt auch Bailey: "Wir sind ein gutes Team, wir arbeiten hart. Wir sind auf dem richtigen Weg. Das war eines der besten Spiele in dieser Saison." Seinen eigenen Leistungssprung erklärt er so: "Man kann jeden Tag etwas lernen, es gibt immer Raum für Verbesserung." Diese Einstellung hat ihn in den letzten Monaten zu einem besseren Spieler gemacht, er sagt: "Meine Entwicklung ist verrückt. Ich arbeite viel, ich höre zu und ich will besser werden. Besser zu werden, zu lernen - darauf liegt mein Fokus."

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Wenn er diese Einstellung beibehält, kann aus Leon Bailey ein großes Spieler werden, seine Fähigkeiten jedenfalls wirken wie ein Versprechen auf eine rosige Zukunft. Das will er auch schon nächstes Wochenende wieder beweisen, im Heimspiel gegen 1. FSV Mainz 05.

Aus Sinsheim berichtet Tobias Schächter