Köln - Der Sport-Club Freiburg überwintert derzeit am Tabellenende. Und obwohl es nur vier Zähler bis zum zehnten Platz sind, tauchten in der Hinrunde Probleme auf, die bei einem Blick in Zahlen und Statistiken deutlich zu identifizieren sind. Durch gezielte Einkäufe könnte der SCF schon einige Schwachstellen behoben haben.

In der Serie "Baustellen der Clubs" nimmt bundesliga.de ausgewählte Bundesligisten unter die Lupe und analysiert anhand von Statistiken Probleme in der Hinrunde und mögliche Lösungen.

1. Problem: Das Umschaltspiel

In der gesamten Hinrunde ist dem Team kein einziges Kontertor gelungen. Insgesamt kamen die Breisgauer nach Kontern überhaupt nur elf Mal zum Torschuss. Das ist mit Abstand der schlechteste Wert aller Bundesligisten und viel zu wenig für eine Mannschaft, deren große Stärke in der Vergangenheit noch im schnellen Umschaltspiel lag und die gegen spielstarke Konkurrenten auf Konter dringend angewiesen ist.

Auffällig dabei: Die Spieler sind mit 118 gelaufenen Kilometern pro Partie zwar überdurchschnittlich viel unterwegs, kommen dabei aber nur auf 194 Sprints. Lediglich Schalke zieht das Tempo noch seltener an. Zum Vergleich: die Elf von Borussia Dortmund legte pro Spiel im Schnitt knapp 50 Sprints mehr auf den Rasen. So ergeben sich zwangsläufig auch weniger Kontermöglichkeiten. Der Transfer zwischen Defensive und Offensive scheint dabei das größte Problem. Die Mittelfeldspieler konnten nur sieben Tore vorbereiten. Keine andere Mannschaft hat weniger Assists durch Mittelfeldspieler zu verzeichnen.

Die Lösung: Viele Kilometer, mehr Tempo

Die Spieler des SC Freiburg müssen nicht mehr laufen, sondern effizienter und schneller. Stellvertretend sei Vladimir Darida genannt. Der Tscheche, mit fünf Toren vielleicht der auffälligste Freiburger der Hinserie, spult zwar in der gesamten Liga die meisten Kilometer ab, hält sich mit Sprints aber sehr zurück.

2. Problem: Instabiles Zentrum

Es versteht sich von selbst, dass eine Mannschaft auf dem 18. Tabellenplatz Probleme in der Defensive hat. Immerhin machen die Außenverteidiger einen überdurchschnittlich guten Job, ließen über die Flügel nur acht Gegentreffer zu. Die meisten Tore kassiert Freiburg folglich über die Zentrale (17). Hier macht sich in erster Linie die schwache Zweikampfquote von 48 Prozent (schlechtester Wert der Liga) sowie die Vielzahl an individueller Fehler (6) bemerkbar, die zu Toren führen.

Ein Problem, das wie so häufig in Freiburg mit Abgängen und dem Personal zu tun hat. Von den drei Stamm-Innenverteidigern der Vorsaison ist nur noch einer da. Matthias Ginter (13/14: 34 Einsätze) spielt nun in Dortmund, Immanuel Höhn (13/14: 19 Einsätze) wurde in dieser Saison noch nicht berücksichtigt. Einzig Pavel Krmas (13/14: 19 Einsätze) ist mit elf Spielen noch immer eine feste Größe in der SC-Defensive. Dazu kommt der Abgang von Gelson Fernandes, der letzte Saison im defensiven Mittelfeld 30 Spiele machte.

Die Lösung: Automatismen müssen sitzen

Wie schon erwähnt ist das Spiel der Freiburger stark abhängig vom Personal. Dabei ist weniger die individuelle Klasse ausschlaggebend, als das Verinnerlichen der Spielphilosophie. Individuelle Fehler entstehen häufig aus Unsicherheit und fehlender Abstimmung. In der Vorsaison holte der SCF in der Hinrunde 14 Punkte (nun 15), sechs der neun Siege gelangen nach der Winterpause.

Dass die Zweikampfquote im Moment noch nicht stimmt, hat auch damit zu tun, dass mit Marc-Oliver Kempf (50,7 % gewonnener Duelle) und Marc Torrejon (56,5 %) ein Youngster und eine Neuverpflichtung aus der 2. Bundesliga zu Stammkräften geworden sind, die sich beide noch an die Liga gewöhnen müssen. In der Rückrunde könnte sich dieses Problem dank der akribischen Arbeitsweise von Trainer Christian Streich erledigen.

3. Problem: Freiburg ist zu harmlos

Auch das ist keine Überraschung bei einem Tabellenletzten. Es gibt auch noch harmlosere Teams, als den Sport-Club. Top-Torschütze ist mit Vladimir Darida ein Mittelfeldspieler mit fünf Treffern. Aber: Vier seiner fünf Tore waren verwandelte Elfmeter, einen Assist sucht man auf dem Konto des Mittelfeldmotors bislang vergebens. Unterm Strich ist auch hier das Zentrum die Schwachstelle: Elf der 17 Tore fielen über die Flügel.

Hinzu kommt die derzeitige Abschlussschwäche der Angreifer. Vier Stürmertore sind einfach zu wenig. Admir Mehmedi war in der vergangenen Spielzeit mit zwölf Treffern noch erfolgreichster Schütze, traf das Tor in den bisherigen 14 Einsätzen 2014/15 aber nur noch einmal.

Die Lösung: Die Neuen müssen einschlagen

Weiterhelfen würden also ein schneller zentraler Mittelfeldspieler sowie ein Knipser im Sturm. Beim SC Freiburg scheint man die Zeichen der Zeit ohnehin erkannt zu haben. Mit Nils Petersen (im Bild rechts) kommt ein Stürmer, dessen Karriere zuletzt zwar ins Stocken geriet, der sein Näschen vor dem Tor aber schon eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.

Auch der gesuchte schnelle Mann fürs Mittelfeld wurde mit dem quirligen Offensiv-Allrounder Mats Möller Daehli jüngst verpflichtet. Der 19-Jährige genießt in Norwegen in etwa den Status von Mario Götze vor einigen Jahren in Deutschland. Kurzum: ein Riesentalent. Trainer Christian Streich sagt über ihn: "Er ist ein intelligenter Fußballer, der sich gut in den Räumen bewegt und Tempo in seinen Aktionen hat." Er könnte der fehlende Schlüssel für das Freiburger Konterspiel sein.

Karol Herrmann, Sebastian Stenzel, Daten: Tobias Anding