München - Geschafft, aber glücklich trat Bastian Schweinsteiger vor die Journalisten. Auf den Tag genau sieben Monate nach seinem letzten Startelfeinsatz in der Allianz Arena stand der 30-Jährige wieder von Beginn an für den FC Bayern München auf dem Platz. Beim 3:0-Sieg gegen ZSKA Moskau hielt er sogar die vollen 90 Minuten durch.

"Es freut mich natürlich, dass es jetzt wieder geklappt hat", sagte Schweinsteiger, der jeden Moment dieses Abends auskostete. Noch lange nach Schlusspfiff ließ er sich den Fans feiern und verließ erst als Letzter den Rasen.

Leidenszeit ist vorbei

Noch vor wenigen Wochen war Schweinsteiger nach den Spielen der Bayern regelmäßig der Erste, der die Arena verließ. Wortlos huschte er durch die Mixed Zone, nahm in der Regel den Weg der Gästespieler, vorbei an den wartenden Journalisten. Schon seit Jahresbeginn begleiteten ihn hartnäckige Probleme mit der Patellasehne. Bei der WM in Brasilien kämpfte er gegen die Schmerzen an und wurde mit seinem leidenschaftlichen Einsatz im Finale zum Sinnbild des Titelgewinns.

Doch danach kapitulierte sein Körper. Mit der gleichen Verbissenheit, wie im WM-Endspiel arbeitete Schweinsteiger an seinem Comeback - und wurde vor zweieinhalb Wochen mit einem Kurzeinsatz gegen Hoffenheim für seine Mühen belohnt. Nun folgte in der Champions League mit dem ersten Einsatz über die volle Distanz der nächste Schritt auf dem Weg zurück zu alter Stärke.

Unglaubliche Präsenz

"Es ist schön, ihn wieder auf dem Platz zu sehen", sagte Torhüter Manuel Neuer. "Es war eine engagierte Leistung, er hat viel geackert und ist viel gelaufen." In der Tat war der Rückkehrer gleich wieder der Chef im Ring: Mit 151 Ballbesitzphasen stellte Schweinsteiger einen persönlichen Rekord in der Champions League auf. Zudem setzte er gegen ZSKA als bester Zweikämpfer bei den Bayern ein Zeichen.

Auch in der Offensive war der Vertreter des verletzten Kapitäns Philipp Lahm ein ständiger Unruheherd. Nur Arjen Robben gab mehr Torschüsse ab und mit seiner präzisen Flanke bereitete er Sebastian Rodes Treffer vor. "Er hat eine unglaubliche Präsenz auf dem Platz", unterstrich Rode im Interview. "Er hat gezeigt, dass er Spiele mit dem einen oder anderen Pass entscheiden kann."

Schweinsteiger räumte jedoch ein, dass ihm noch ein paar Prozentpunkte fehlen würden, dennoch war er froh, "dass es nach der Verletzung schon viel besser geht und ich in diesem Jahr noch Fußball spielen kann."

Großer Respekt vor Augsburg

Bis Weihnachten steht für den Rekordmeister mit der englischen Woche noch ein straffes Programm auf dem Plan. Daher richtete Schweinsteiger umgehend den Fokus auf das kommende schwere Auswärtsspiel beim FC Augsburg. Der Höhenflug des aktuellen Tabellendritten kommt dabei für den Bayern-Star alles andere als überraschend. "Wenn man ganz genau hinschaut, hat sich Augsburg super entwickelt, auch schon in der letzten Saison", führte Schweinsteiger aus.

An das letzte Gastspiel in der Fuggerstadt haben die Bayern keine allzu guten Erinnerungen. 0:1 verloren die Münchner als bereits feststehender Deutscher Meister mit einer besseren B-Elf. Doch diesmal wird Trainer Pep Guardiola seine beste Elf ins Rennen schicken.

Schließlich ist der Respekt vor den Augsburgern groß, wie Schweinsteiger klarstellte: "Sie haben mit Markus Weinzierl einen Trainer, den wir sehr gut kennen und der dort unglaubliche Arbeit verrichtet. Sie spielen taktisch auf sehr hohem Niveau, sind sehr zweikampfstark, sehr ruhig am Ball und haben eine sehr gute Spielweise." Auf Zweikampfstärke, Ruhe und Übersicht wird es also am Samstag ankommen - also auf all das, was auch Bastian Schweinsteiger auszeichnet.

Aus München berichtet Maximilian Lotz