London - Erst stellte Magier Messi die Fußball-Welt auf den Kopf, dann setzte er sich den Henkelpott aufs Haupt und tänzelte in die Partynacht von London. Zurück blieben ein vom argentinischen Meister und seinem bezaubernden FC Barcelona zertrümmertes Manchester United, verzückte Fans und die staunende Fachwelt.

Fußball-Kunst, Anmut und Poesie - die Beobachter waren sich nach dem 3:1 (1:1)-Triumph der Katalenen im Champions-League-Finale einig: Dieses Barca ist die beste Mannschaft der Welt, wahrscheinlich sogar der Geschichte, und eine ähnliche Dominanz über einen derart hochkarätigen Widersacher hat wohl noch nie eine Elf ausgeübt.

"Niemand hat uns je so verprügelt"

"Es ist das beste Team, gegen das wir jemals gespielt haben. Niemand hat uns je so verprügelt. Sie genießen den Fußball", sagte Teammanager Sir Alex Fergsuon, der Manchester seit 25 Jahren betreut. Barca-Coach Josep Guardiola huldigte seinem überragenden Spieler. "Lionel Messi ist der beste Spieler, den ich gesehen habe. Er ist einzigartig, einer unter vielen." Und der Meister vergaß im Gefühl des Triumphes für einen Moment seine gewohnte Zurückhaltung. "Wir waren in allen Belangen überlegen. An dieses Spiel wird man sich noch lange erinnern. Was diese Mannschaft anstellt, ist verheerend", sagte Messi.

Nach holprigen zehn Minuten zu Beginn des Endspiels in Wembley zelebrierten Messi, Xavi, Andres Iniesta und Co. ihren magischen Fußball. Manchester ging im verwirrenden Passgewitter unter. "Ihr Mittelfeld und Lionel Messi haben uns hypnotisiert", sagte Ferguson.

Pedro Rodriguez (27.), Messi mit seinem ersten Tor in England (54.) und David Villa (69.) schossen Barca zum vierten Mal nach 1992, 2006 und 2009 auf Europas Fußball-Thron, den Platz, der diesem Team von Ausnahmekönnern gebührt. Wayne Rooney, der später weinend auf dem heiligen Rasen sitzen würde, gelang der zwischenzeitliche Ausgleich (34.).

Messi stellt CL-Rekord ein

Für Messi war es der 53. Pflichtspieltreffer für Barcelona in dieser Saison und der zwölfte in der Königsklasse, womit er Ruud van Nistelrooys Rekord aus der Spielzeit 2002/03 einstellte. "Kaiser" Franz Beckenbauer huldigte Messi bei Sat.1 als einem der "Besten aller Zeiten", Barcelona insgesamt spiele "in einer anderen Liga. Das sind perfekte Fußballer." Und Messi rage noch heraus.

87.695 Zuschauer in der Kathedrale des englischen Fußballs und Hunderte Millionen an den TV-Schirmen bestaunten seine Eleganz, die Medien knieten vor dem König des Fußballs nieder, der in diesem Spiel für viele sogar auf eine höhere Stufe stieg als sie sein Idol Diego Maradona je erreicht hat.

Maradona hatte die Hand Gottes, als er England 1986 im WM-Viertelfinale ausschaltete, und sein zweites Tor damals war himmlisch. Aber Messi! "Gott ist aus dem Himmel herabgestiegen und auf dem Rasen von Wembley erschienen. Messi ist unsterblich. Er hat nicht Fußball gespielt. Er hat einen Sport betrieben, den nur er beherrscht", schrieb "Marca", das Hausblatt von Barcelonas Erzrivalen Real Madrid. Die "Sun" nannte den 23-Jährigen wortspielerisch den "Messias".

"Wir sind barbarisch"

Ahnend, welche Arien die Beobachter auf den kleinen Riesen singen würden, betonte Guardiola in der Nacht von London, er hoffe nur, "dass er nicht satt wird, dass in seinem Umfeld alles in Ordnung bleibt, er sein Leben weiter gut im Griff hält und wir es schaffen, ihn auf diesem Niveau zu halten". Nur Messi kann Messi stoppen. Doch von Saturiertheit war bei ihm nichts zu spüren. "Wir sind barbarisch. Wir wollen weiter Titel holen", kündigte er an.

Zumindest im nächsten Jahr soll das mit Guardiola geschehen. Er habe "die Intention, noch ein Jahr zu bleiben" und seinen Vertrag zu erfüllen, sagte er nach dem zehnten von 13 möglichen Titeln seiner dreijährigen Amtszeit. Zuvor war spekuliert worden, der 40-Jährige könnte, zermürbt vom Druck und der Last der Verantwortung, zurücktreten. Doch "Pep" spürte, was es bedeutet, dieses einmalige Team trainieren zu dürfen. "Es ist ein Privileg", sagte er selbst: "Es ist schwer vorstellbar, dass ich woanders nochmal solche Spieler finde."

Barca fast nicht zu stoppen

Ferguson fürchtet, dass Barca den europäischen Clubfußball noch über Jahre hinaus dominieren wird. Eine "Herkulesaufgabe" sei es, sie zu stoppen. "Mit diesem Trainer, der der beste der Welt, der beste der Geschichte ist, mit diesen Spielern - wie Messi, der Nummer 1 - haben wir so viel Talent, Würde, Taktik und Technik, dass wir künftig weitere Titel gewinnen können", meinte Barca-Präsident Sandro Rosell.

Auch Guardiola hofft auf eine glorreiche Ära und darauf, "dass wir in 15 Jahren als Team gesehen werden, das mit Freude Fußball gespielt hat". Als beste Mannschaft der Geschichte wollte er Barca nicht bezeichnen. "Ich habe Real Madrid mit Alfredo di Stefano, Santos mit Pele und Ajax Amsterdam mit Johan Cruyff nicht gesehen, als sie spielten", sagte er. Das ist auch nicht nötig, um die Ausnahmestellung dieser Mannschaft anzuerkennen.