Spätestens am Morgen danach war die Enttäuschung verflogen. "Unsere Helden!", lasen Südafrikas Fußballer auf der Titelseite der Zeitung "Daily Sun" und durften sich trotz des historischen Scheiterns als Gewinner bei ihrer WM fühlen.

Auch der Staatspräsident stimmte in die Lobeshymnen auf "Bafana Bafana" ein: "Die Jungs haben uns stolz gemacht", betonte Jacob Zuma, der den Spielern schon in der Kabine gratuliert hatte: "Sie haben unsere Nation vereint, das war ein großer Sieg für unser Land."

"Wir haben Geschichte geschrieben"

Direkt nach dem WM-Abpfiff für die Gastgeber prägten noch Niedergeschlagenheit und Enttäuschung die Gesichter der "Helden", schon kurz nach dem 2:1 (2:0) gegen den gedemütigten Vizeweltmeister aber Frankreich kippte die Stimmung. Die Vuvuzelas ertönten wieder, die 39.415 Fans in Bloemfontein feierten mit ohrenbetäubendem Lärm ihre "Jungs", denen schnell bewusst wurde, was sie geleistet hatten.

"Wir haben Geschichte geschrieben", sagte Katlego Mphela, der mit seinem Tor zum 2:0 (37.) noch Hoffnungen auf ein Fußball-Wunder geweckt hatte. Fast berstend vor Stolz ergänzte er nach dem ersten Sieg gegen die einstige Großmacht Frankreich, der sich nur kurz wie eine Niederlage anfühlte: "Dieses Spiel wird immer in Erinnerung bleiben. Ich bin überhaupt nicht traurig."

Parreira geht mit Stolz

Die eine oder andere Träne verdrückte dafür Carlos Alberto Parreira. "Ich bin stolz, dass ich dieser Mannschaft ein Gesicht und eine Identität geben konnte", sagte der 67-Jährige, der sich nach acht Monaten als Südafrikas Nationaltrainer und nur einer Niederlage in 15 Spielen verabschiedete. "Wir hatten vorher nichts, jetzt haben wir Großartiges geleistet", sagte Parreira, trotz der Kritik nach dem 0:3 im zweiten Vorrundenspiel gegen Uruguay "war es eine Ehre, für dieses Land zu arbeiten. Ich werde diese Zeit immer im Herzen behalten."

Der Brasilianer, der sein Heimatland 1994 zum Titel geführt hatte, sah das frühe Aus bei seiner insgesamt sechsten WM-Teilnahme als Chefcoach "nicht als Scheitern, das ganze Land ist stolz". In Rente gehen will der Weltenbummler, der außerdem Kuwait (1982), die Vereinigten Arabischen Emirate (1990) und Saudi-Arabien (1998) bei WM-Endrunden betreute, noch nicht - aber sesshaft werden.

"Wenn, dann arbeite ich nur noch in Brasilien als Trainer", sagte er. Doch den Weg der Bafana Bafana, die er zwischen Februar 2007 und April 2008 schon einmal trainiert hatte, will er weiter verfolgen. "Sie müssen jetzt nach vorne schauen auf den nächsten Afrika-Cup und die WM 2014", sagte Parreira und fügte an: "Ich habe ihnen schon gesagt, dass ich ihr Reiseführer 2014 in Brasilien sein möchte. Ich werde dort auf sie warten."

"Das ist immer noch Südafrikas WM"

Zunächst muss der erste in der Vorrunde gescheiterte Gastgeber einer WM aber einen Nachfolger für den charismatischen Brasilianer finden. Noch während des laufenden Turniers soll der neue Trainer benannt werden, kündigte Verbandspräsident Kirsten Nematandani an. Als Favorit gilt Parreiras Assistent Pitso Mosimane, der aber noch kein offizielles Angebot des Verbandes SAFA erhalten hat.

Nach dem Ausscheiden rief WM-Organisationschef Danny Jordaan seine Landsleute auf, in ihrer Begeisterung nicht nachzulassen. "Für 'Bafana Bafana' ist es vorbei, aber noch nicht für Südafrika", sagte er: "Das ist immer noch Südafrikas WM. Wir gehen nicht nach Hause, die WM ist bei uns zuhause." Er sei überzeugt, dass seine Landsleute weiter "fantastische Gastgeber für die nächsten zweieinhalb Wochen" sein werden.

Ähnliches lasen am Morgen danach auch die Spieler, als sie die Zeitungen durchblätterten. "Das Ende des Regenbogens, aber nicht das Ende der Welt", schrieb "The Sowetan". "Bittersüßes Ende. Wir dürfen aber die größte Veranstaltung der Welt immerhin weiter ausrichten", hieß es im "Star".

Die Chancen waren da

Den Traum vom Weiterkommen ließ ausgerechnet der beste Spieler auf dem Feld platzen lassen. Stürmer Mphela hatte nach dem frühen 1: 0 durch Verteidiger Bongani Khumalo (20.) und seinem ersten WM-Tor nach der Halbzeitpause gleich mehrmals das 3:0 auf dem Fuß. Doch entweder scheiterte der 25-Jährige von den Mamelodi Sundowns aus Pretoria am Pfosten oder am französischen Torwart Hugo Lloris. "Leider haben wir diese Chancen nicht genutzt", sagte Mphela, der sich mit seiner Leistung für europäische Clubs empfahl: "Aber wir haben unsere Nation stolz gemacht."