Köln - Mit der Leistung seiner Mannschaft war Kölns Trainer Peter Stöger beim 1:1-Unentschieden gegen den auswärtsstarken Aufsteiger FC Ingolstadt 04 "sehr zufrieden". Dabei hatte der FC einige gute Tormöglichkeiten liegen lassen und ein besseres Resultat verpasst. Doch das störte den Coach nur bedingt.

Auch beim 1. FC Köln wachsen die Bäume noch nicht in den Himmel. Die FC-Fans, die vielleicht schon heimlich mit einem Auge Richtung Europa League schielten, müssen ihre Ansprüche erst einmal ein bisschen runterschrauben. Der FC ist (noch) nicht der große Überflieger in dieser Saison. Anders als in den ersten sechs Saisonspielen und ganz besonders bei den Erfolgen gegen Stuttgart, Hamburg und Gladbach konnten die Kölner diesmal gegen die Schanzer ihre Tormöglichkeiten nicht so effizient nutzen.

 "Das waren tausendprozentige Chancen"

Vor allem Yuya Osako hätte zum großen Matchwinner werden können. Doch der Japaner scheiterte zweimal aus aussichtsreicher Position. Erst stand ihm FCI-Verteidiger Tobias Levels im Weg, dann parierte Keeper Ramazan Özcan aus kurzer Distanz überragend. "Das waren tausendprozentige Chancen, die wir leider nicht genutzt haben. Normalerweise hätten wir das Spiel mit 3:1 gewinnen müssen", haderte FC-Torwart Timo Horn mit den vergebenen Möglichkeiten. "Aber wir können auch mit dem einen Punkt leben. Ingolstadt hat auch nicht umsonst schon elf Punkte auf dem Konto. Die spielen eine sehr gute Saison."

Modeste trifft wie er will

© imago / Müller

Das gilt aber auch für die Kölner selbst, die bereits fünf Punkte mehr auf dem Konto haben als zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison. Und der "Effzeh" hat auch wieder einen echten Torjäger in seinen Reihen. Anthony Modeste, der die Rheinländer nach zehn Minuten mit einem seiner unnachahmlichen Kopfbälle in Führung gebracht hatte, erzielte bereits seinen fünften Saisontreffer. Der Franzose trifft im Moment fast wie er will und könnte so seinem großen Ziel näher kommen. Denn der 27-Jährige träumt davon, bei der Europameisterschaft im kommenden Jahr in Frankreich das Trikot der gastgebenden Equipe Tricolore überstreifen zu dürfen.

Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Genauso wie die Kölner die bislang vielversprechenden Ansätze der ersten sieben Spieltag noch dauerhaft bestätigen müssen. Die Fortschritte im spielerischen Bereich und in der Offensive sind unübersehbar. "Der Saisonstart ist völlig in Ordnung. Wir sind punktemäßig voll im Plan und von der Entwicklung her auch", freut sich Peter Stöger, der gegen Ingolstadt überraschend Marcel Risse rechten Außenverteidiger spielen ließ und mit dieser Personalie einen Glücksgriff landete. Risse überzeugte in der Defensive und konnte auch im Spiel nach vorne wie gewohnt Akzente setzen.

 "Wollen den nächsten Schritt machen"

Die offensivere Ausrichtung der Mannschaft insgesamt hat allerdings ihren Preis. Denn während die zehn erzielten Treffer einen Topwert darstellen, lassen auch die breits zwölf kassierten Tore aufhorchen. Noch fehlt die defensive Stabilität der Vorjahressaison. "Wir wollen in dieser Saison den nächsten Schritt machen", meint Timo Horn.

"Wir sind auch auf einem guten Weg, haben uns offensiv verbessert", sagt der Keeper weiter. "Jetzt müssen wir schauen, dass wir auch defensiv wieder zur alten Stärke finden. Natürlich wiegt, was das Torverhältnis angeht, das Frankfurt-Spiel (das 2:6 verloren wurde, die Red.) schwer nach. Gegen Ingolstadt haben wir gut verteidigt, bis auf die eine Standardsituation. Wenn wir so weiterspielen, werden wir unsere Ziele auch erreichen." Und die lauten, wie der Torwart explizit betont, nicht Europa League.

Schwere Gegner warten

Mit elf Punkten auf der Habenseite hat sich der 1. FC Köln im Kampf um den Klassenerhalt schon ein schönes Polster zugelegt und dabei auch vom bislang Spielplan profitiert, der es zum Auftakt gut mit der Geißbock-Elf meinte und ihr mit dem VfL Wolfsburg am 2. Spieltag erst einen Gegner der aktuellen Topklasse bescherte. Das ändert sich nun. Die nächsten beiden Auswärtsreisen führen erst nach Schalke am kommenden Sonntag und dann zum FC Bayern. Danach wird man sehen, ob sich der 1. FC Köln in der oberen Tabellenhälfte etablieren kann.

 

Von Tobias Gonscherowski