Augsburg - Bereits der Schlusspfiff ging im erlösenden Jubel unter. Der 2:1-Sieg gegen den FC Schalke 04 ließ bei den Verantwortlichen des FC Augsburg zentnerschwere Lasten von den Schultern purzeln - einzig der Matchwinner hatte plötzlich schwer zu tragen. Vor Freude stürmte Raul Bobadilla von hinten auf den Siegtorschützen Caiuby zu, sodass dieser ihn einige Meter Huckepack nehmen musste. Das erneute Augsburger Drama mit Happy End auf den letzten Drücker setzte nochmals Kräfte frei.

Erst am Donnerstag sicherte Bobadilla mit seinem Treffer bei Partizan Belgrad kurz vor dem Ende das sensationelle Weiterkommen in der Europa League, nur drei Tage später hieß der gefeierte Held Caiuby. "Nach so einem Spiel muss man die ganzen Emotionen rauslassen", sagte der Brasilianer, der mit einem beherzten Schuss in der Nachspielzeit im zehnten Pflichtspiel gegen Schalke für den ersten Augsburger Sieg sorgte. Und für weitere wichtige drei Punkte im Kampf um den Klassenerhalt (hier geht's zur Tabelle).

"Ich habe ihn perfekt getroffen"

"Als Höwedes zum Ball geht, habe ich nur gehofft, dass er keinen Druck dahinter bekommt und mir der Ball auf den Kopf oder vor den Fuß fällt", beschrieb Caiuby den entscheidenden Moment. "Es war der Fuß und ich habe ihn perfekt getroffen." Für Flankengeber Markus Feulner war die Szene in der Nachspielzeit schlichtweg der "Wahnsinn". "Wir haben da vorne ein paar Ochsen stehen", sagte Feulner, "ich habe natürlich gehofft, dass ich einen finde."

Gefunden hat der FC Augsburg dank zehn Punkten aus den vergangen vier Partien auch allmählich den Weg aus dem Keller. "Wir haben gut verteidigt und das war in meinen Augen die Basis dafür", sagte Trainer Markus Weinzierl. "Wenn es defensiv funktioniert, gibt das Selbstvertrauen durch gute Ergebnisse und dann funktioniert die Offensive auch besser."

Hitz‘ Vereinsrekord endet bei 360 Minuten

Sead Kolasinac‘ Treffer zum zwischenzeitlichen 1:1 war das erste Augsburger Gegentor seit 360 Minuten. Dass der Vereinsrekord damit endete, ärgerte Marwin Hitz besonders, angesichts der späten Erlösung konnte der Schweizer Schlussmann den Gegentreffer dennoch verschmerzen. "Ich hätte lieber 1:0 gewonnen, denn als Torwart spielt man immer gerne zu null, aber in der letzten Minute 2:1 zu gewinnen, ist auch schön", sagte der 28-Jährige (weitere Stimmen zum Spiel).

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Die Erfolge der vergangenen Wochen haben seiner Meinung nach auch in den Köpfen der Spieler eine befreiende Wirkung gehabt. "Es herrscht schon eine andere Stimmung, aber das ist schwer zu erklären, da muss man live dabei sein", gewährte Hitz einen kleinen Einblick ins Innenleben des Teams. Vor allem der Glaube an die eigenen Stärken ist zurückgekehrt. "Wenn Caiuby bei dem Schuss nicht daran glaubt, dann geht er in die Wolken."

Aus dem schwachen Saisonstart mit nur sechs Punkten aus den ersten zwölf Spielen hat Trainer Weinzierl mit seiner Mannschaft die richtigen Schlüsse gezogen. Neben der neu gewonnenen defensiven Stabilität hat die Mannschaft ihre Torausbeute nach ruhenden Bällen signifikant gesteigert. Jeong-Ho Hongs Führungstreffer war bereits das zehnte Augsburger Saisontor im Anschluss an eine Standardsituation, dieser Wert wird in der Liga von keiner Mannschaft übertroffen. "Wir können auch aus dem Nichts ein Tor machen", sagte Weinzierl.

Auch mit Herz gegen Dortmund

Bemerkenswert auch, dass der FCA trotz des anstrengenden Programms der letzten Tage, bis zum Schluss alles investiert hat und sich den hohen Kräfteverschleiß nicht hat anmerken lassen. "Wir haben mit Herz gespielt", sagte Matchwinner Caiuby, der die Augsburger Erfolgsserie von vier Bundesligaspielen ohne Niederlage und dem Erfolg in der Europa League am Donnerstag, nun am Mittwoch (16. Dezember) im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund weiter fortsetzen will.

FCA-Coach Weinzierl hat nach dem Last-Minute-Erfolg gegen Schalke jedenfalls schon klare Vorstellungen von der kommenden Partie gegen den anderen Revierclub aus Dortmund: "Wir wollen einen tollen Fight abliefern und unseren Zuschauern etwas bieten. Und mit dem Ergebnis im Rücken traue ich meiner Mannschaft alles zu."

Aus Augsburg berichtet Maximilian Lotz